Deutlich weniger Weißweine aus der Steiermark.

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Weinernte 2016
08/26/2016

Die Trauben hängen für Winzer heuer hoch

Spätfrost verursacht vor allem in der Steiermark und im Burgenland massive Ertragseinbußen.

von Andreas Anzenberger

Die Freunde des Schilchers haben heuer kein gutes Jahr. Der Frost hat Ende April in einigen Gebieten Österreichs zu massiven Schäden in den Weingärten geführt. Teilweise gibt es auch durch Hagel geringere Erträge. In der Steiermark dürfte die Ernte heuer lediglich 25 Prozent des durchschnittlichen Jahresertrages ausmachen. Es wird daher deutlich weniger Schilcher, Welsch-Riesling oder Sauvignon Blanc geben.

Im Burgenland wird die Weinernte heuer etwa um 50 Prozent geringer sein als in einem Durchschnittsjahr. Von den Ausfällen betroffen sind vor allem die Sorten Zweigelt und Muskateller. Aber auch beim Blaufränkischen gibt es Einbußen. "Bei unserer Hauptsorte, dem Blaufränkischen, hängen aufgrund des Spätfrostes viel zu wenig Trauben", heißt es auf der Homepage des Weinguts J. Heinrich. "Hier wird es große Einbußen bei der Menge geben. Die Spätsorten Cabernet Sauvignon und Merlot haben am wenigsten vom Frost abbekommen. "

Ältere Jahrgänge

Wobei es beim Rotwein möglich ist, die Ernteausfälle durch den Verkauf von älteren Jahrgängen zu kompensieren. Bei Weißweinen, die jung getrunken werden, ist das nicht so einfach.

Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Weinbauverbandes, rechnet mit einer Erntemenge für den heurigen Jahrgang von lediglich 1,8 Millionen Hektoliter. In einem Durchschnittsjahr sind es rund 2,5 Millionen Hektoliter. 2016 ist bereits das fünfte Jahr hintereinander mit einer unterdurchschnittlichen Ernte.

Keine Preissprünge

Das bedeutet aber nicht, dass die Preise für die Bouteille Wein deutlich steigen werden. Denn das könnte die Konsumenten dazu motivieren, verstärkt Wein aus dem Ausland einzukaufen.

Johannes Schmuckenschlager rechnet jedenfalls mit einem "harten Kampf um Marktanteile". Wegen der "hohen Vitalität der Rebstöcke" könnte der Jahrgang 2016 "von hoher Qualität sein". Das wird man allerdings erst Anfang Oktober mit Sicherheit wissen. Schmuckenschlager hofft auf einen schönen September. In manchen Weinbaugebieten hat die Lese der frühen Sorten bereits begonnen. In den meisten Weinbauregionen beginnt die Lese Mitte September.

Eine hohe Qualität der Weintrauben würde immerhin dazu führen, dass die geringere Menge zu einem ordentlichen Preis verkauft werden kann. Der Geschäftsführer der Österreich Weinmarketing, Wilhelm Klinger, meint, dass die geringe Erntemenge insbesondere im Billigsegment zu höheren Importen aus dem Ausland führen wird. Es kann durchaus sein, dass für den Gespritzten im Sommer des nächsten Jahres Wein aus dem Ausland verwendet wird. Die Konsumenten könne ja nachfragen, woher der Wein im Glas kommt.

Für Weinbaubetriebe, die es schlimm erwischt hat, gibt es Förderungen bis zu maximal 3900 Euro pro Hektar. Allerdings nur für jene Betriebe, die in ihrer Existenz gefährdet sind.

Minus 90 Prozent

Einige Winzer müssen mit Ernteausfällen von bis zu 90 Prozent leben. Man könnte natürlich einwenden, dass es ja auch Versicherungen gegen Frostschäden gibt. Allerdings hat es in der Steiermark seit Jahrzehnten in den Weingärten keine Frostschäden mehr gegeben.

Die Winzer haben auch die Möglichkeit Trauben zuzukaufen. Wenn etwa ein steirischer Weinbaubetrieb in Niederösterreich zukauft, dann merkt man das am Etikett. Dort steht dann nicht Wein aus der Steiermark drauf, sondern Wein aus Österreich.

Probleme mit dem schlechten Wetter hatten auch Bio-Betriebe. Wegen der Feuchtigkeit kam es bisweilen zu Pilzbefall der Trauben. Bio-Winzer dürfen keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwenden.