Wirtschaft
16.01.2012

Die Rating-Teufel

In Österreich ist doch alles in Ordnung. Wenn nicht, muss ein eigenes Rating her.

Österreichs Politiker und Spitzenbanker sind gegen den „äußeren Feind“ Standard & Poor’s und sein „politisch motiviertes“ Rating rasch zusammengerückt: Hysterie sei fehl am Platz, Osteuropa eine einzige Erfolgsgeschichte. Bei den Kreditinstituten gebe es keinen Handlungsbedarf, auch ein tolles Sparpaket komme bald. Nur keine Panik, werte Steuerzahler.

Das Spiel ist alt: Solange die Ratingagenturen gute Noten verteilen, sind sie kein Thema. Sobald sie unangenehme Wahrheiten – Euro-Misere, Schuldenkrise, drohende Staatspleiten – aussprechen, werden sie verteufelt. Wie gut, dass zwei Ratingagenturen noch gAAAnz lieb sind und nur S&P auf Böse macht. Nicht auszudenken, was passiert, wenn auch Moody’s und Fitch den Daumen senken. Spätestens dann, muss eine eigene Agentur her, die per Gesetz nur Triple-A vergeben darf und alle Euro-Länder für ihre niedrigen Defizite und Strukturreformen lobt. Auch Faymann und Spindelegger bekommen dann Einser mit Sternchen. Zu schön, um wahr zu sein.

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