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Wirtschaft
08/20/2012

Die Pläne des Schlecker-Käufers

Rudolf Hablerleitner will als Nahversorger groß durchstarten. Im Interview verrät er, dass er auch sonntags aufsperren möchte und in finalen Verhandlungen um das Home-Shopping-Portal schlecker.de steht.

von Anita Staudacher

Das Wort "daily" (täglich) darf als Marke nicht geschützt werden, "dayly" war wohl zu sperrig, also heißt Schlecker jetzt offiziell und endgültig "dayli, mein shop". Investor Rudolf Haberleitner erläutert im KURIER-Interview das Konzept, wer hinter TAP 09 steht und was ein Multiplikator-Effekt ist.

KURIER: Wann waren Sie zuletzt beim Schlecker und was haben Sie dort gekauft?

Rudolf Haberleitner: Das war erst kürzlich in Gußwerk. Ich habe Katzenfutter der Eigenmarke AS gekauft, weil das meine Katzen so gerne haben und ich nicht weiter fahren wollte.

Schlecker war ein Diskonter, wird auch dayli in den Preiskampf geschickt?

Nein, wir werden ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben, das ist klar. Aber Billigstbieter sind wir auf keinen Fall.

Greißler, Jausen-Station, Gemischtwarentandler, was genau will dayli jetzt eigentlich sein?

Dayli wird ein Nahversorger für den täglichen Bedarf sein, der die Grundbedürfnisse der Konsumenten an ihrem Wohnort deckt. Wir sind definitiv kein Lebensmittelhändler, wie es immer heißt. Unser bisheriges Kernsortiment wird angereichert durch ein kleines Lebensmittelsortiment, ein Markensortiment mit bestimmten Produkten wie Kleidung, einen Dienstleistungsteil und Home-Shopping. Kurz gesagt: Wir sind ein SB-Laden mit Bedienung quasi.

Sie werden für Ihr Konzept viele Partner benötigen. Sind die Verträge schon unterzeichnet?

Wir wollen aus der Insolvenzmasse das Homeshopping-Angebot von Schlecker (schlecker.de, Anm.) erwerben, die Gespräche dafür sind schon in der Endphase. Außerdem verhandeln wir mit einem heimischen Outsourcer und diversen Logistikern als Partner.

Neues Logo

Es kommt ein neues Logo. Werden auch die viel kritisierten Auslagen neu und schöner gestaltet?

Die Umstellung beginnt in 14 Tagen. WC-Papier im Schaufenster wird es bei mir sicher nicht mehr geben. Es kommen in die Auslagen vor allem Werbetafeln rein.

In meinem Heimatort gibt es neben Schlecker, Adeg, Billa, zwei Mal Spar, eine Putzerei und zwei Trafiken. Warum sollte ich künftig zu dayli gehen?

Weil dayli als Nahversorger alles führt. Ein Fernseh-Gerät oder ein Mietauto werden Sie bei den anderen nicht bekommen. Als Abholshop für den Online-Einkauf bieten wir ein riesiges Sortiment. Auf Wunsch stellen wir das Bestellte auch zu.

Dayli inkludiert eigentlich auch den Sonntag. Werden Sie sich auch für die Sonntags-Öffnung einsetzen?

Wir werden in allen Tourismusgebieten offen haben, wo die Sonntagsöffnung jetzt schon möglich ist. Aus Spargründen hat Schlecker das bisher nicht getan. Ich werde aber sicher keine Gesetzesanträge für die generelle Sonntagsöffnung einbringen, falls Sie das meinen.

Ganz Österreich will wissen, woher das Geld für die Schlecker-Rettung kommt. Lüften Sie das Geheimnis?

Den Kaufpreis haben wir selbst finanziert. Der Insolvenzverwalter Geiwitz hatte ein Interesse, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten und gewährte einen 30-Millionen-Euro-Kredit. Wir übernehmen jetzt ein schuldenfreies Unternehmen.

Und wer sind die Investoren hinter Ihrem Fonds TAP (Turn Around Plattform) 09, der 500 Mio. Euro schwer sein soll?

Das sind Private-Equity-Fonds, Privatbanken, Privatstiftungen und vermögende Leute, die anlegen wollen. 90 Prozent davon aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, aber auch England und USA. Zehn Prozent sind Österreicher, darunter auch prominente Namen.

Gerüchten zufolge soll auch Billa-Gründer Karl Wlaschek ein Investor sein?

Den hätte ich mir gerne gewünscht, weil er ja mit Billa eigentlich eine Nahversorgungskette gründen wollte. Da würde sich jetzt ein Kreis schließen. Ich habe ihn auch eingeladen, aber er hatte diesbezüglich keine Ambitionen.

Sie haben für die Umstellung auf dayli zehn Millionen Euro veranschlagt und wollen 52 Millionen investieren. Experten glauben, dass die Neuausrichtung mehr als 100 Millionen verschlingen dürfte?

Diese Berechnungen sind grundfalsch, das kostet viel weniger, allein das neue Branding kostet nicht einmal eine Million Euro. Vieles machen wir selbst und wir setzen natürlich auf Partner.

Sie versprechen Ihren Investoren 20 Prozent Rendite pro Jahr. Wie wollen Sie diese erwirtschaften?

Versprechen tun wir gar nix, wir weisen nur darauf hin, dass 20 Prozent Rendite möglich sind. Das Investment ist aber alles andere als riskant. Wir übernehmen ein schuldenfreies Unternehmen mit 1350 Filialen. Ein Beispiel: Wenn Sie in jeder Filiale nur zehn Kaffees pro Tag verkaufen, die in einem Automaten bei der Kassa zu haben sind, machen Sie 2,8 Millionen Euro Reingewinn pro Jahr. Das ist der Multiplikator-Effekt bei einer so großen Kette, das hat niemand in Österreich.

Da hat sich Anton Schlecker wohl verrechnet?

Nein, er hatte mit dem Drogeriemarkt nur das falsche Konzept.

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