Wirtschaft
13.05.2018

Die neuen Geschäfte der Ex-Kanzler

Werner Faymann steigt in den Tourismus ein. Die Russen entlohnen Wolfgang Schüssel großzügig.

Alfred Gusenbauer ist immer noch der mit Abstand wirtschaftlich erfolgreichste heimische Ex-Politiker. Sein Nachfolger Werner Faymann ist zwar noch nicht in Gusenbauers Millionen-Sphären aufgestiegen, ist aber auch recht rührig unterwegs und sammelt im Immobiliengeschäft einen Auftrag nach dem anderen ein. Nun stiegen Faymann und sein Partner, der ehemalige SPÖ-Kommunikationschef Matthias Euler-Rolle, in eine artfremde Branche ein, den Tourismus.

„Wir wollen uns nicht auf Branchen beschränken und sind in unterschiedlichen Bereichen recht umtriebig“ , sagt Euler-Rolle. Vor wenigen Wochen gründeten die beiden über ihre Firma 4Pro Projektmanagement- und KommunikationsgmbH gemeinsam mit einem Anwalt die 4Travel Tourismusservice GmbH. Die 4Pro hält daran 50 Prozent.

Das Unternehmen soll als Incoming-Agentur Touristen aus Asien und den USA, vornehmlich aus China und Kalifornien, nach Österreich bringen. Geschäftsführer ist der Tourismus-Profi Helmut Teufl.

Der Tourismus-Partner, der nicht in der Auslage stehen will und in der Firmenkonstruktion einen Treuhänder vorschiebt, ist die Blaguss-Gruppe. Das burgenländische Familienunternehmen ist seit Jahrzehnten erfolgreich im Tourismus engagiert und betreibt neben Bus-Reisen auch Reisebüros und Incoming. Faymann bringt seine Kontakte in Asien und den USA ein. „Wir wollen den Incoming-Tourismus nach Österreich unterstützen“, bestätigt Euler-Rolle.

Aufregung wegen Bierhalle

Die Blaguss-Gruppe ist auch neuer Eigentümer des Donauturms, das Wiener Wahrzeichen wird derzeit renoviert. Am Fuße ist eine große Bierhalle geplant, gegen die der nahe Kleingartenverein Sturm läuft. Die Schrebergärtner fürchten Lärm und zusätzlichen Verkehr. Morgen, Montag, wird wieder über die Betriebsanlagen-Genehmigung verhandelt.

Hat  Blaguss Faymann etwa gar geholt,  um sich die Unterstützung des ehemaligen Wiener Wohnbaustadtrates   für das Donauturm-Projekt  zu sichern? „Damit haben wir rein gar nichts zu tun. Unsere Zusammenarbeit beschränkt sich ausschließlich auf den Incoming-Tourismus“,  dementiert Euler-Rolle jegliche Involvierung.

Im Immo-Business sind die beiden gerade dabei, neben Beratungen auch selbst ins Projektgeschäft einzusteigen. Allerdings nicht in Großprojekte, sondern in kleineren Dimensionen. „Es läuft gut, wir haben einige Projekte in Aussicht“, meint Euler-Rolle. Beide haben sich an einer Maklerfirma (TCF Quadrat Immobilien) beteiligt, Faymann gründete darüber hinaus vor einem halben Jahr im Alleingang die WBP Entwicklung.

In der Immo-Beraterszene ist Faymann als Senior Consultant bei der PEMA-Gruppe an Bord. Der Tiroler Gründer Markus Schafferer verkaufte im Vorjahr 49 Prozent an das Ehepaar Herbert und Friedrike Koch, die ehemaligen Kika/Leiner-Eigentümer. Größter Kunde Faymanns ist bis dato die Wiener Städtische Versicherung.

Ins richtige Geldverdienen kommt demnächst Ex-ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel. Am 28. Juni soll der Bundeskanzler der ersten schwarz-blauen Koalitionsregierung wie berichtet in den Aufsichtsrat des größten russischen Mobilfunkers MTS (Mobile TeleSystems) einziehen.

Mehrheitseigentümer der börsenotierten MTS ist der Mischkonzern Sistema des russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow. Als unabhängiges Mitglied des Board of Directors steht Schüssel eine Basisvergütung von 250.000 Dollar im Jahr zu. Dazu kommt ein Bonus, der abhängig von der Entwicklung des Aktienkurses und mit 200.000 Dollar nach oben begrenzt ist. Vergütet werden selbstverständlich Reisespesen sowie „sonstige Ausgaben“, die im Jahr 200.000 Dollar nicht übersteigen sollten. Zusätzliche Arbeit in Komitees des Board wird mit bis zu 20.000 Dollar pro Ausschuss vergütet.

Schüssel wurde von den anderen unabhängigen Board-Mitgliedern vorgeschlagen. Warum wird ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler, der wohl kaum als Telekom-Experte durchgeht, an Bord eines russischen Mobilfunkers geholt?

Schüssel sei wegen seiner strategischen Qualitäten gefragt worden. Er werde sich nicht als Lobbyist engagieren, beteuert man in seiner Umgebung. Im Gegensatz zu seinem Parteikollegen Hans Jörg Schelling, der sich für sein Beratermandat beim Pipeline-Projekt Nord Stream 2 der Gazprom ins Lobbying-Register eintragen ließ.

Nicht so großzügig wie die Russen ist der deutsche Energiekonzern RWE. Dort wurde Aufsichsrat Schüssel im Vorjahr mit 140.000 Euro entlohnt. Laut der Anwesenheitsliste war er bei allen Sitzungen des Gremiums sowie des Personal- und des Prüfungsausschusses anwesend.

Geldgier konnte Schüssel nie nachgesagt werden. Seit seinem Abgang aus der Politik übt er alle Funktionen (ausgenommen RWE) ehrenamtlich aus. Vom Kuratoriums-Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Allensbach-Stiftung, dem Think-Tank United Europe bis zum Aufsichtsratsvorsitz des Tiergartens Schönbrunn. Der staatliche Zoo liegt Schüssel besonders am Herzen, er soll höchst erfolgreich im Auftreiben von Sponsoren sein, hört man. andrea.hodoschek