Wirtschaft
02.09.2018

Die Fachhändler möbeln ordentlich auf

Der Immobilienboom beflügelt das Geschäft der Fachhändler. Küchenstudios kommen mit der Arbeit kaum nach.

Mit dem Siegeszug der großen Möbelhäuser sind in den vergangenen 30 Jahren viele Fachhändler von der Bildfläche verschwunden. Ein Trend, der sich seit ein paar Jahren umkehrt, sagt zumindest Christian Wimmer.

Er vertritt als Chef der Einkaufsverbände Wohn Union und Garant 147 Möbelfachhändler und 129 Raumausstatter in Österreich. Im ersten Halbjahr 2018 seien ihre Umsätze unter dem Strich gestiegen. Laut Wimmer gibt es immer mehr Kunden, die bewusst lokal einkaufen und genau wissen wollen, wer ihre Möbel gebaut hat. Darauf haben seine Fachhändler reagiert. „Wir kaufen rund 70 Prozent aus österreichischer Produktion.

Von 180 Lieferanten kommen 110 aus Österreich.“ Wimmer schätzt, dass davon zumindest jeder Dritte auch die Großfläche beliefert, also Ketten wie Lutz oder Kika/Leiner. „Das Schlimmste, das uns passieren könnte, wäre das Aus von Kika/Leiner.“ Denn das würden auch Lieferanten in den Abgrund reißen und damit auch Fachhändler in die Bredouille bringen. Die Entwicklung bei Kika/Leiner verfolgt der Branchensprecher mit Argusaugen. „Nur sparen und Stellen streichen wird nicht reichen.“ In jedem Fall hoffe er für die gesamt Branche, dass das Konzept des neuen Eigentümers, René Benko, aufgeht.

Der Fachhandel hat zuletzt wohl auch davon profitiert, dass viele Wohlhabende ihr Vermögen in Immobilien gesteckt haben. „Sie wollen ihr Eigenheim dann auch langfristig gut eingerichtet haben, kaufen nicht eine einzelne Couch sondern Gesamtkonzepte.“ Im Idealfall richtet der Experte die Wohnung ein, während der Eigentümer auf Urlaub ist. „Viele geben den Schlüssel ab und wollen, dass alles erledigt ist, wenn sie zurückkommen“, sagt Wimmer.

Statussymbol Luxusküche

Gut ausgelastet sind laut dem Branchensprecher derzeit vor allem die Küchenstudios. Viele würden gar nicht mit der Arbeit nachkommen. Geschätzte 180.000 Küchen werden jedes Jahr in Österreich verkauft, zwei Drittel davon im Zuge von Sanierungen bzw. Renovierungen. Auch wenn die Luxusausstattungen in den Schauräumen anderes vermuten lassen: Der Durchschnittspreis von Küchen sinkt (auf aktuell rund 8000 Euro). Grund dafür ist die steigende Zahl an Singlehaushalten.