Wirtschaft
16.01.2018

Die EU sucht nach Auswegen aus dem Plastikmüll-Dilemma

Müllvermeidung, besseres Recycling und eine Steuer sollen Plastikmüll reduzieren.

95 Prozent der Plastikverpackungen gehen nach deren Verwendung für die Industrie verloren, in Summe haben diese einen Wert von 70 bis 105 Milliarden Euro. Entweder sind sie nicht profitabel recyclebar, landen im Müll oder gar in der Umwelt.

Bei Plastiksackerln sei in letzter Zeit einiges passiert, doch habe die EU beim Vermeiden und Recyceln von Plastikmüll noch einen weiten Weg vor sich, sagte Frans Timmermans,Vizepräsident der EU-Kommission, gestern in Straßburg. Die Verschmutzung durch Plastikmüll sei für die Fischerei und den maritimen Lebensraum nach wie vor verheerend. Lösungen könnten Müllvermeidung, ein besseres Recyling und eine Plastiksteuer sein.

Derzeit produziert die EU jährlich 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, der bisher zu einem großen Teil in asiatische Länder exportiert wurde. "Das ergibt ökonomisch und nachhaltig keinen Sinn", sagt Jyrki Katainen, ebenfalls Vizepräsident der EU-Kommission. Es müsse ein Markt für Plastikmüll geschaffen werden, was jedoch schwierig sei, aber über Anreize und neue Müll-Limits gelingen könnte. Die EU sei bereit, in Innovationen zu investieren. Bisher wurden 240 Millionen Euro in die Hand genommen, weitere 100 Millionen Euro sollen folgen. Es gebe bereits Materialen, die Plastik ersetzen, doch funktionierten diese noch nicht so, wie man sich das vorstelle. Probleme gebe es bei der Kompostierung.

Krise als Chance

Das mit China einer der wichtigsten Plastikmüllexportmärkte weggefallen ist, sieht Timmermans als Chance. "Mit dem richtigen Zugang können wir Rohmaterialen richtig nutzen und diese mehrfach recyceln." Bei Industrie und Konsumenten müsste mehr Bewusstsein für das Thema geschaffen werden. Weiße Plastikflaschen seien leichter recyclebar als bunte. "Ich glaube, neun von zehn Konsumenten würden zu der weißen Flasche greifen, wenn sie das wüssten", so Timmermans.

Aus Österreich gibt es Zustimmung zu dem Vorstoß. "Die Plastikflut muss eingedämmt werden", sagt der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl. Er sei jedoch für Anreize und gegen Verbote. Die Wiederverwertung von Plastik habe viel Entwicklungspotenzial.

Hauptgrund für die geplante Plastiksteuer ist neben dem Umweltschutz das von China verhängte Importverbot seit Anfang des Jahres für Plastikmüll. Experten sind uneins, ob eine Plastiksteuer sinnvoll wäre. Kunststoffe könnten zum Beispiel als leichter Werkstoff Umweltvorteile haben, häufig gebe es keine ökologisch sinnvollere Alternative. Außerdem müsste man dann auch Glas und Aluminium besteuern. Und: Wer damit Geld verdienen wolle, hätte wenig Motivation, Plastik zu vermeiden.

Die EU-Kommission will bis Mai entscheiden, ob sie die Einführung einer Plastiksteuer vorschlägt. Derzeit werde geprüft, wer diese Steuer zahlen soll. Alleingang könnte die EU bei dem Thema keinen machen, in Steuerfragen müssen sich alle EU-Staaten einig sein. Bis 2030 soll es jedenfalls nur noch recyclebares Plastik geben.