Deutschland beschloss verbindliche Frauenquote für Vorstände

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Im Führungsgremium großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss mindestens eine Frau mitwirken

Die deutsche Regierung will für mehr Frauen in den Chefetagen großer Unternehmen sorgen. Das Kabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzesentwurf, nach dem in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens eine Frau sitzen muss.

Für Unternehmen mit einer Mehrheitsbeteiligung des deutschen Bundes gibt es noch strengere Regeln: Hier soll generell bereits bei mehr als zwei Mitgliedern in der Geschäftsführung mindestens eine Frau sein.

Außerdem müssen Firmen künftig speziell begründen, wenn sie für den Vorstand, die beiden obersten Führungsebenen unterhalb des Vorstands und den Aufsichtsrat ohne Frauen planen. Die Sanktionen bei Verletzung der Berichtspflichten sollen schärfer werden.

Dieses Mindestbeteiligungsgebot sei keine Vorstandsquote im eigentlichen Sinne, da kein bestimmter Frauenanteil vorgeschrieben werde, heißt es laut Reuters in dem der Nachrichtenagentur laut Eigenangaben vorliegenden Gesetzesentwurf. Die angestrebte gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen könne nur erreicht werden, wenn überhaupt Frauen im Vorstand vertreten seien.

Für Aufsichtsräte gilt bereits 30 Prozent

Bei den 105 börsennotierten und zugleich paritätisch mitbestimmten Unternehmen in Deutschland sei der Frauenanteil in den Vorständen bis November 2020 auf 11,5 Prozent gestiegen, heißt es in dem Gesetzesentwurf. Für die Aufsichtsräte dieser Unternehmen gilt bereits eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent, die 2017 erreicht wurde und die zuletzt bei 35,2 Prozent lag. Für Vorstandsebenen müssen bisher dagegen nur Zielvorgaben festgelegt werden. Fast 70 Prozent der Unternehmen, die dazu verpflichtet sind, hätten sich aber keine oder null Frauen im Vorstand als Zielgröße gesetzt, heißt es im Gesetzesentwurf. Daher müssen Unternehmen, die nicht unter die neue Frauenquote für Vorstände fallen, die Zielgröße Null künftig begründen.

Einer Studie zufolge hat fast die Hälfte der börsennotierten deutschen Unternehmen (44 Prozent), für deren Vorstände die Frauenquote künftig gelten soll, derzeit keine Managerin in dem Führungsgremium. Der Auswertung der Organisation Fidar (Frauen in die Aufsichtsräte) zufolge wären 73 Konzerne betroffen, bei 32 von ihnen sitzt bisher keine weibliche Führungskraft in der Topetage. Für Aufsichtsräte gibt es bereits eine Frauenquote: Ab einer bestimmten Größe - in der Regel ab 2.000 Beschäftigten - sollen 30 Prozent der Aufsichtsratsplätze mit Frauen besetzt werden.

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