Uniper könnte nun doch an Fortum gehen

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Wirtschaft
07/22/2022

Deutscher Staat steigt mit 30 Prozent bei Uniper ein

Der Energiekonzern ist durch die reduzierten Gaslieferungen aus Russland in Schieflage geraten.

Deutschland eilt dem angeschlagenen Energiekonzern Uniper zur Hilfe. Der Staat st√ľtzt das Unternehmen mit insgesamt 15 Milliarden Euro und beteiligt sich der Staat mit 30 Prozent an der Tochter des finnischen Fortum-Konzerns. Eine Zerschlagung Unipers ist damit vom Tisch.

Die Kapitalerh√∂hung sehe einen Ausgabepreis von 1,70 Euro je Aktie unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktion√§re vor, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Uniper wird aber noch weiter gest√ľtzt: Ein Pflichtwandelinstrument in H√∂he von bis zu 7,7 Milliarden Euro solle an den deutschen Bund ausgegeben werden, dessen Ausgabe in Tranchen erfolge. Fortum werde die Option einger√§umt, Teile des Pflichtwandelinstruments vom Bund zu erwerben. Zudem wird das Darlehen der staatlichen F√∂rderbank KfW an Uniper von bisher 2 auf 9 Mrd. Euro erh√∂ht.

Gazprom-Kunde

Uniper ist der gr√∂√üte Gasimporteur Deutschlands und beliefert unter anderem mehrere Stadtwerke - und der Konzern h√§lt die Liefervertr√§ge mit dem russischen Gazprom-Konzern. Im Juni wurden die Lieferungen durch die f√ľr Deuschland wichtigste Pipeline Nord Stream 1 gedrosselt. Gazprom begr√ľndete das mit technischen Problemen und berief sich auf "h√∂here Gewalt", wohl um Klagen aus Deutschland abzuwehren.

F√ľr Uniper bedeutete das, dass das Unternehmen Gas teuer am europ√§ischen Spotmarkt zukaufen musste, um seine Lieferverbindlichkeiten zu erf√ľllen. Dadurch kam das Unternehmen finanziell in Schieflage. Nun bekommt Uniper weitere Kredite der Staatsbank KfW √ľber 7 Mrd. Euro, um die sich t√§glich auft√ľrmenden Verluste auszugleichen.

Bereits der Stopp der Nord Stream 2 Pipeline, an deren Finanzierung ebenso wie unter anderem die √∂sterreichische OMV beteiligt war, kostete das Unternehmen heuer etwa eine Milliarde Euro. Die Verluste im Tagesgesch√§ft belasten das Unternehmen auch insofern, weil die von Ratingagenturen bewertete Kreditw√ľrdigkeit darunter leidet.

Preise f√ľr Endverbraucher steigen

Der deutsche Bund will Uniper auch weiter unter die Arme greifen. Ab dem 1. Oktober 2022 soll ein allgemeiner Mechanismus zur Weitergabe von 90 Prozent der Ersatzbeschaffungskosten f√ľr alle Importeure infolge russischer Gask√ľrzungen eingef√ľhrt werden. Das bedeutet, dass Uniper die h√∂heren Kosten an die Konsumenten weitergeben kann. Die EU-Kommission muss dem Paket noch zustimmen.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz k√ľndigte am Freitag aber auch weitere Entlastungen f√ľr die B√ľrger an. Anfang 2023 soll es eine gro√üe Wohngeldreform geben, in der auch eine Heizkostenpauschale vorgesehen ist. Es solle verhindert werden, dass jemand vor eine unl√∂sbare Situation gestellt werde, sagte Scholz. "You'll never walk alone. Wir werden das tun, was erforderlich ist und so lange, wie das notwendig ist", so Scholz.

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