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Wirtschaft
12/14/2018

Deutsche Telekom überprüft chinesische Zulieferer

T-Mobile-Mutter reagiert auf Sicherheitsdebatte. A1 betont Fokus auf Hersteller Nokia

von Anita Staudacher

Wer fürchtet sich vor Huawei? Der chinesische Telekomausrüster gerät bei seinen Geschäftspartnern immer mehr unter Druck. Nachdem der  japanische Telekomkonzern Softbank laut Nachrichtenagentur Nikkei künftig komplett auf Huawei-Technologie verzichtet und auf die Ausstatter Nokia und Ericsson umsteigt, setzt auch die Deutsche Telekom erste Schritte.

Die T-Mobile-Mutter überprüft angesichts der Debatte um die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller ihre Zusammenarbeit mit Zulieferern. "Wir bewerten derzeit unsere Beschaffungsstrategie neu", teilte Europas größter Telekomkonzern am Freitag mit. Die Telekom nehme die globale Diskussion "sehr ernst". Die Deutsche Telekom arbeitet stark mit Huawei zusammen, kauft aber auch Netzwerkelemente bei Ericsson, Nokia und Ciso ein.

T-Mobile

Auch in Österreich werden nicht nur immer mehr Huawei-Smartphones verkauft, Huawei-Technik steckt auch in den Netzen aller drei Mobilfunkbetreiber. T-Mobile eröffnete im Mai auch einen gemeinsamen Handy-Shop mit Huawei. "Wir nehmen die globale Diskussion über die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller sehr ernst", heißt es bei T-Mobile Österreich auf Anfrage. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass neben Huawei auch Netzelemente von anderen Herstellern (Nokia, Cisco) verwendet werden. Huawei ist mit rund 100 Mitarbeiten am österreichischen Markt tätig und Teil der Region Nord- und Zentraleuropa, die von Warschau aus gesteuert wird.

Geheimdienste werfen dem Marktführer Huawei aus China vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen und vermuten, Ausrüstung oder Handys könnten für Spione eine Hintertür enthalten, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Huawei weist dies entschieden zurück. Bei T-Mobile verweist man auf strenge Sicherheitsstandards: "Sämtliche Netzelemente werden vor Einsatz im Rahmen eines Privacy and Security Assessment (PSA) intensiv geprüft und deren Verhalten (z.B. Datenströme, Datenverarbeitung etc.) im laufenden Betrieb analysiert". Es gebe derzeit keine Erkenntnisse, die den kompletten Ausstieg eines Herstellers rechtfertigen würden.

A1 setzt auf Nokia

Beim Marktführer A1 wird betont, dass nicht Huawei, sondern Nokia aktuell der wichtigste Partner im Mobilfunk und beim Glasfaserausbau im Festnetz sei. "Wir sehen für eine gewisse Zeit keine Auswirkungen. Wir haben genug Kapazität im Netz bzw Lager oder alternative Lieferanten und damit andere Bezugsquellen, sollte Huawei ausfallen", heißt es in einem Statement von A1.

In den USA, Australien und Neuseeland sowie bei der British Telecom  ist Huawei mit Verweis auf Sicherheitsbedenken bereits vom Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes ausgeschlossen worden. Für Schlagzeilen sorgte darüber hinaus die Festnahme der Finanzchefin in Kanada, die inzwischen gegen Kaution wieder auf freiem Fuß ist.

Japan rückt ab

In Japan entschied jetzt die Softbank, auf Teile von Huawei ganz zu verzichten. Sowohl bei Ersatzinvestitionen in das bestehende 4G-Netzwerk als auch bei Neuinvestitionen in 5G-Technologie setzt sie auf die europäischen Firmen Ericsson und Nokia. Auch die anderen beiden japanischen Mobilfunkprovider NTT und KDDI wollen auf chinesisches Equipment im Bereich 5G verzichten.

Druck von Kunden

Telekom-Experte Karim Taga vom Beratungsunternehmen Arthur D. Little spricht von einer auf Druck der USA „stark politisch getriebenen Debatte“, die durch die jüngste Verhaftung von  Huawei-Finanzchefin Weng in Kanada noch angeheizt wurde. Obwohl es keinen Beweis  für Spionage gebe, würden  große Firmenkunden jetzt Druck auf die Mobilfunker ausüben, chinesische Technik quasi abzudrehen.

Aber geht das so einfach? Ja, meint Taga, denn es müsste ja nicht die gesamte Mobilfunkarchitektur, sondern nur einzelne, für den Datentransfer heikle Komponenten und Schnittstellen  ausgetauscht werden. „Das betrifft vielleicht zehn bis 20 Prozent der Gesamtausgaben für den Netzaufbau“. Große Gewinner der China-Hysterie sind die drei Konkurrenten Nokia, Ericsson und Cisco (USA), die zuletzt massiv Marktanteile an Huawei und ZTE verloren.

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