FILE PHOTO: The spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Frankfurt

© REUTERS / Ralph Orlowski

Wirtschaft
04/22/2020

Deutsche Flughäfen: Passagiereinbruch von 98 Prozent

Die finanzielle Lage ist vor allem für Klein-Flughäfen kritisch.

Der fast brachliegende Flugverkehr drückt die deutschen Airports tief in die Krise. "Im Passagierverkehr liegt der Rückgang bei 98 Prozent", sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel vom Branchenverband ADV in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview und sprach von einem "historischen Einbruch".

Trotz fehlender Einnahmen hätten die Flughäfen hohe Kosten, um die Betriebsbereitschaft zu erhalten. "Pro Woche fällt bei den Flughäfen ein größerer zweistelliger Millionenbetrag an." Dies betreffe etwa die Sicherheit und die Besetzung des Towers. "Wir sind in Gesprächen mit der Bundesregierung und hoffen, dass uns diese Vorhaltekosten ersetzt werden."

Hier sei eine schnelle Entscheidung nötig. "Ein Flugbetrieb ohne Einnahmen lässt sich nicht über Wochen aufrechterhalten." Die Fixkosten von Flughäfen liegen demnach bei rund 70 Prozent und laufen jetzt weiter. "Bei kleineren Flughäfen ist die Situation besonders prekär", warnte Beisel. Er beklagte, dass die meisten Airports bei Hilfen von Bund und Ländern außen vor seien. "Den Flughäfen, die meist mehrheitlich im öffentlichen Besitz sind, wird der Zugang zum KfW-Kreditprogramm zur Liquiditätssicherung weiterhin verwehrt."

Nach dem Ende der Rückholflüge der Touristen gibt es momentan noch ein paar Flüge mit Erntehelfern. "Einige Standorte haben derzeit eine Sonderkonjunktur bei Luftfrachtflügen", sagte der Interessenvertreter der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV). "Aber das Passagiergeschäft, das unsere Haupteinnahmequelle darstellt, ist faktisch komplett weggebrochen." Deshalb haben die Unternehmen bereits Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht. "Bisher haben die Flughäfen coronabedingt kein Personal entlassen", betonte Beisel. An einigen Standorten seien bis zu 80 Prozent der Belegschaft in Kurzarbeit. Kündigungen seien nicht vorgesehen. "Aber für die Zukunft möchte ich nichts ausschließen, sollte sich das Wiederhochfahren des Flugbetriebs noch lange verzögern."

Airlines und Flughäfen arbeiten derzeit intensiv daran, wie auch in Coronazeiten der Luftverkehr wieder anlaufen kann. "Wir haben uns ein Regelwerk zur Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften auferlegt, solange die virusbedingten Einschränkungen bestehen", sagte Beisel. Man sei gut vorbereitet. "Wir möchten den Passagieren zusichern: Du kannst wieder mit einem guten Gewissen durch einen Flughafen laufen und bist auch nicht einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt, wenn du fliegst."

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