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Vermögensverwaltung
11/23/2019

Der Roboter fürs Depot: Wenn Maschinen Geldanlage steuern

Wer sein Geld vollautomatisch veranlagen lässt, spart Gebühren und Zeit. Doch bringt Robo-Advice tatsächlich auch, was es verspricht?

von Irmgard Kischko

Ein paar Clicks und die Maschine schlägt vor, wie man sein Geld am besten veranlagt. Je nach Angabe von Vermögen, Kenntnissen über Finanzprodukte und Risikoneigung, investiert ein völlig von Computern gesteuertes System das Geld der Anleger. Robo-Advisors nennen sich die Vermögensverwaltungsunternehmen, die diese Services, basierend auf künstlicher Intelligenz, anbieten. Und sie weisen weltweit ein rasantes Wachstum auf. Seit 2017 ist das globale Anlagevolumen laut dem Datenportal Statista von 215 auf 868 Milliarden Euro gestiegen. Drei Viertel davon entfallen auf die USA, weniger als ein Prozent auf Deutschland. Für Österreich liegen noch keine Zahlen vor.

Männer dominieren

Doch auch hierzulande gewinnen Robo-Advisors Terrain. Einer davon ist der 2017 gegründete Vermögensverwalter Savity, an dem die Bawag seit Sommer mit 49 Prozent beteiligt ist. Savity hat zusammen mit Michael Murg vom Institut Bank- und Versichereungswirtschaft der Fachhochschule Joanneum in Graz den Markt für die maschinengesteuerte Geldanlage durchleuchtet. Fazit: Es sind Männer im mittleren Alter mit mittlerem Vermögen, die ihre Geldanlage Robo-Advisors überlassen. Von den 5000 ausgewerteten Anlegerprofilen waren demnach 81 Prozent Männer, 77 Prozent Angestellte, im Durchschnitt 41 Jahre alt und mit monatlichem Sparvolumen von 621 Euro.

„Frauen sind nicht nur konservativer in der Geldanlage, sondern verfügen auch im Schnitt über weniger Geld“, sagt Savity-Chefin Karin Kisling. Die weibliche Zurückhaltung vergrößere wiederum den Abstand in den Vermögen zwischen Frauen und Männern, bedauert Kisling. Denn rückblickend betrachtet hätten Aktien viel höhere Vermögenszuwächse gebracht als Sparbücher. Die FH Joanneum hat dafür ein typisch weibliches Anlageprofil (80 Prozent Bankeinlagen, neun Prozent Aktien, ein bisschen Gold und Fonds) mit einem männlich (62 Prozent Einlagen, 18 Prozent Aktien) verglichen. Aus 10.000 Euro, angelegt kurz vor dem Crash im September 2008, wurden bei Männern 15.774 Euro, bei Frauen 13.019 Euro.

So funktioniert es

Wer sein Anlageprofil auf der Online-Seite eines Robo-Advisors mit Angabe von persönlichen Daten, Vermögensverhältnis und Risikoneigung erstellt hat, bekommt einen vom Computer daraus errechneten Anlagevorschlag – mit jeder Menge Risikohinweisen. „Geldanlage auf den Kapitalmärkten ist mit Risiko verbunden. Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise“, schreibt etwa Savity gleich zum Start des Anlagevorgangs. Robo-Advisors sind keine Banken, die Kunden müssen daher ein Giro- und Wertpapierverrechnungskonto bei einer Bank haben. Von dort wird das Geld dann in die Anlageprodukte, die der Robo-Advisor vorschlägt, überweisen und die Ausschüttungen werden auf dieses Konto ausbezahlt. Bei Savity ist das die Bawag-Tochter easybank.

Die Gebühren bei Savity sind tatsächlich tiefer als bei Banken: 0,99 Prozent statt 1,5 bis zwei Prozent bei Banken fallen für die Verwaltung an. Savity veranlagt das Geld ausschließlich in ETFs, also börsenotierte Fonds, die Indizes (etwa dem deutschen DAX, dem ATX oder dem globalen MSCI World) folgen. ETFs sind billiger als Investmentfonds. Eine etwaige Insolvenz des Robo-Advisors trifft die Kunden nicht: Ihr Geld steckt in Wertpapieren, die ihnen gehören. Und das Geld am Bankkonto ist durch die Einlagensicherung geschützt.