Wirtschaft
05.07.2018

Der Klimawandel sorgt für geringere Ernten bei Getreide

Die Bauern wollen Herkunftsangaben für das Korn in Getreideprodukten. Die Konsumenten sollen wissen, was sie kaufen

 Die Getreideernte wird heuer um rund sechs Prozent geringer ausfallen als im Fünf-Jahres-Schnitt. Die gesamte Erntemenge beträgt nur rund 2,9 Millionen Tonnen. Ein Grund dafür ist der Klimawandel mit längeren Hitzeperioden und weniger Niederschlägen. Es habe heuer keinen Frühling gegeben, sondern lediglich einen Frühsommer, lautet dazu der Kommentar vom Präsidenten der Wiener Landwirtschaftskammer, Franz Windisch. Das hat zur Folge, dass die Ernte heuer deutlich früher eingebracht wird.

Vor allem in Teilen von Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich gab es deutlich weniger Regen. Insbesondere in den südlichen Bundesländern gab es hingegen deutlich zu viel Regen in zu kurzer Zeit.

Besonders schlimm erwischt hat es die Bauern beim deutschen Nachbarn. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) gibt es in Ostdeutschland eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der Aufzeichnungen vor 55 Jahren. In Deutschland werden heuer nur etwa 42 Millionen Tonnen Getreide geerntet. Verglichen mit dem Fünf-Jahres-Schnitt ist das einem Minus von 12,5 Prozent. Die heimischen Bauern hoffen, dass die geringere Erntemenge in Europa zur Stabilisierung der Getreidepreise beiträgt.

Die Landwirte haben wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Ertragseinbußen heuer deutlich weniger Sommergerste angebaut. Sommergerste wird auch als Braugerste verwendet. Künftig werden Brauereien, die Wert auf Braugerste aus Österreich legen, die gewünschten Liefermengen über Verträge mit den Bauern sicherstellen müssen, meint Hermann Schultes, Präsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer.

Schlechte Ernten gab es auch beim Ölkürbis und der Zuckerrübe. Der Ertrag bei den Rüben ist verglichen mit dem Fünf-Jahres-Schnitt um ein Drittel gesunken. Das hat allerdings nicht nur mit dem Klimawandel, sondern auch mit dem verstärkten Auftreten von Schädlingen zu tun.

Weniger Förderung

Auch wenn die Bauern die geplanten Kürzungen im EU-Agrarbudget strikt ablehnen, werden sie künftig wohl mit weniger Subventionen auskommen müssen. Dazu kommen die Ertrags-Probleme wegen des Klimawandels. Es wird also auch beim Getreideanbau in Zukunft mehr Risiko und einen härteren Wettbewerb geben.

Die Strategie der Bauernvertreter orientiert sich an den Bereichen Milch und Fleisch. Dort gibt es eine umfassende Deklarierung der Herkunft aus Österreich über das AMA-Gütesiegel. Die Konsumenten sollen wissen, wo das Korn herkommt, das für die Nahrungsmittel verwendet wird, verlangt der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger. Das gibt es derzeit nur in Teilbereichen, wie etwa bei Bio-Semmeln. Widerstand gegen die Deklarierung der Herkunft des Korns kommt von den Mühlenbesitzern.

Außerdem soll der Import von gentechnisch veränderten Futtermitteln aus dem Ausland reduziert werden. Derzeit beträgt der Selbstversorgungsgrad bei Eiweiß für die Tierfütterung 82 Prozent. Vor allem für die Schweinefütterung wird Soja aus Amerika importiert.