Wirtschaft
23.11.2017

Der importierte Einkaufswahn

Warum viele Händler "Black Friday" lieber nicht in den Mund nehmen und dennoch profitieren.

In den USA ist es ein altes Ritual: Am Freitag nach Thanksgiving setzt man sich ins Auto, staut ins Shoppingcenter und lässt die Kreditkarte glühen. Schließlich ist Black Friday (heuer der 24. November) der Tag, an dem die Händler mit Rabattaktionen von 50 Prozent und mehr das Weihnachtsgeschäft in die Gänge bringen. Das sorgt jedes Jahr verlässlich auch für Handgreiflichkeiten in den Geschäften, wenn nicht genügend Aktionsartikel in den Regalen stehen. Kein Wunder, dass sich viele diesen Stress nicht antun wollen und lieber zu Hause bleiben, um von der Couch aus auf Schnäppchenjagd gehen. Spätestens am Montag nach Thanksgiving, dem sogenannten Cyber Monday (heuer 27. November), an dem die Onlinehändler zur Rabattschlacht rufen.

2 Milliarden Umsatz

Der kollektive Konsumrausch rund um die Rabatttage ist nun endgültig auch auf dem alten Kontinent angekommen. Der Handelsverband Deutschland rechnet heuer mit zusätzlichen Umsätzen von 1,7 Mrd. Euro rund ums Rabattwochenende. In Österreich und Deutschland zusammen dürften das Zusatzgeschäft die 2-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, schätzen Experten. Ob Shoppingcenter, Möbelhaus oder Matratzen-Verkäufer – alle werben mit Rabatten. Was auffällt: Um das Wort "Black Friday" scheinen viele Händler einen Bogen zu machen. Aus gutem Grund, wie Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, weiß. Im Vorjahr wurden in Deutschland etliche Händler abgemahnt, weil sie mit dem Begriff "Black Friday" geworben hatten. Dieser wurde aber 2013 in Deutschland von der Super Union Holdings mit Sitz in Hongkong als Marke eingetragen, die Nutzungsrechte für Deutschland liegen bei der Black Friday Gmbh. Wer in Deutschland mit dem Black Friday werben will, muss an diese eine Lizenzgebühr zahlen. "Die Höhe dieser Gebühr richtet sich unter anderem nach der Größe des Unternehmens", sagt ein Sprecher der Firma. Auf der Webseite blackfridaysale.de könne man aber ab 999 Euro eine Platzierung bekommen, fügt er hinzu.

Die deutsche Regelung trifft österreichische Händler spätestens wenn sie ins Nachbarland liefern. Der Handelsverband rät, entweder die Lizenzgebühr zu bezahlen oder sich eigene Wortkreationen zu überlegen. Letzteres haben viele – aus welchen Gründen auch immer – bereits getan. Betten Reiter wirbt für seinen "Orange Friday", die XXXLutz-Gruppe mit der "Black Shopping Week", die Textilmodekette Tally Weill mit dem "black fri-yay".

Die Unito-Gruppe (Universal, Otto, Quelle) wirbt dagegen mit dem Black Friday und zahlt dafür auch eine Lizenzgebühr. "Für uns zahlt sich das aus. Die Umsätze steigen an diesem Tag um bis zu 180 Prozent", sagt Unito-Chef Harald Gutschi.

Kaufrausch, Kino und Kaffee

Der Siegeszug des Black Friday ist nicht aufzuhalten, meint Nicola Szekely, Österreich-Chef von Unibail-Rodamco. Ins Reich des französischen Immobilienkonzerns mit europaweit 71 Shoppingcentern, gehören auch die zwei größten Österreichs: das Donau Zentrum in Wien und die Shopping City Süd in Niederösterreich. „Bei einigen unserer Händler ist der Black Friday bereits jetzt der umsatzstärkste Tag im Jahr, bei anderen ist ein starker Trend dahingehend zu erkennen“, sagt Szekely.

Events und Lokale

Das Weihnachtsgeschäft laufe heuer gut an, die Frequenzzahlen und die Umsätze in der SCS und im Donau Zentrum würden sich gut entwickeln, sagt der gebürtige Grazer, der seit September bei Unibail-Rodamco arbeitet. Dennoch müssen sich auch Shoppingcenter-Betreiber immer mehr einfallen lassen, um die Umsätze am Laufen zu halten. Die Schlagwörter heißen „Events“ und „Gastronomie“, die Menschen möchten unterhalten werden. Shoppen können sie schließlich auch bequem zu Hause auf der Wohnzimmercouch.

Einkaufszentren reagieren: Waren 2013 noch neun Prozent der SCS für Lokale reserviert, sind es nun schon elf Prozent und es werden bald noch mehr sein. Mehr Lokale, längere Aufenthaltsdauer, lautet die Formel der Manager. Neu ist, dass die Gastro-Flächen nicht mehr den internationalen Ketten allein vorbehalten sind. „Die Menschen wollen in den Shoppingcentern auch jene Lokale finden, die sie von den Bobo-Bezirken kennen“, sagt Szekely. Dass in allen Shoppingcentern von Oslo bis Athen die gleichen Fastfoodketten Burger braten und die gleichen T-Shirts in den Filialen der großen Textilhandelsketten hängen, sei zu wenig. Gefragt sei auch wieder mehr Lokalkolorit, sagen Experten.

Autosuche per App

Was Kunden wollen, versucht der Unbail-Rodamco-Konzern in Paris mit Hilfe diverser Start-up-Kooperationen herauszufinden. Experimentiert wird unter anderem mit Kreditkarten, die gleichzeitig auch als Kundenkarte für eine Vielzahl von Handelshäusern benutzt werden können.

Die direkte Verbindung zum Kunden schafft aber wohl das Smartphone. So hilft eine App gestressten Einkäufern in der SCS, ihr Auto im überfüllten Parkhaus wieder zu finden. Ein Kundenservice, das gut ankommt, sagt Szekely.