Wirtschaft
26.09.2017

"Der Gast schätzt Individualisierung"

Motel One. Die deutsche Budgethotelkette drängt mit guten Lagen und Design auf den heimischen Hotelmarkt.

Anlässlich ihres Besuchs des Wiener Motel One Staatsoper spricht Ursula Schelle-Müller, Verantwortliche für das Marketing bei Motel One, über den Wandel der Budgethotelkette, die Bedeutung von Design und Ausstattung und den Wiener Hotelmarkt.

Warum sollte jemand in einem Motel One übernachten, was macht die Hotelkette aus?

Ursula Schelle-Müller: Das Zusammenspiel von guten Innenstadtlagen, der Anspruch an Qualität und Design und ein attraktiver Preis. Und als vierter Faktor unsere Mitarbeiter, die sind sehr freundlich und serviceorientiert.

Welche Rolle spielt Design in Ihren Häusern?

Eine relative große. Wir sind in unserem Konzept nicht gleich mit Design gestartet, sondern als eher kleinere Budgethotels und noch nicht in Innenstadtlage. 2004 haben wir die Standortpolitik geändert. Die Nachfrage nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten in Städten ist größer geworden. Wir sind also mehr in die Innenstädte gegangen und haben unser Produkt weiter entwickelt. 2006 haben wir auch Design und den Qualitätsaspekt reingenommen. Aber auch seit damals hat sich viel geändert. Wir sind stärker in Richtung individuelles Storytelling gegangen, auch was den Gast im Zimmer erwartet. Wir haben zunehmend lokale Künstler integriert und sind da noch tiefer eingestiegen.

Sind Sie bei der Ausstattung dort, wo Sie hinwollten, oder kommt da noch mehr?

Es wird immer eine Weiterentwicklung geben. Wer denkt, er ist am Ziel, wird bereits von jemand anderen überholt. Wir haben jetzt ein gutes Niveau bei Ausstattung und Design, werden aber weiter mit Partnern arbeiten und lokale Themen noch mehr spielen. Auch banale Entwicklungen, wie ein Zimmersafe, gehören dazu. Das geht auch teilweise auf das Feedback von Gästen zurück, die sich das wünschen.

Was muss das Zimmer der Zukunft bieten?

Individualisierung wird vom Gast sehr geschätzt. Er will nicht in einem standardisierten Hotel sitzen, sondern einen persönlichen Bezug zu den einzelnen Häusern haben. Auch muss es einen Arbeitsbereich im Hotel geben. Man ist mobiler und mehr unterwegs und sucht kleine Working-areas, aber kein Co-working. Ein wichtiges Thema ist auch die Digitalisierung. Was kann der Fernseher? Wie weit kann man das Verhalten der Einrichtung ändern, wie kann ich im Zimmer die Beleuchtung oder die Musik einstellen? Da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges tun.

Wie hat sich Motel One wirtschaftlich entwickelt?

Wir haben 2000 begonnen und vor kurzem das 60. Haus eröffnet. Wir sind in Deutschland gestartet und 2007 nach Österreich gekommen. Das war der erste Auslandsmarkt. Inzwischen sind wir in sieben Ländern, also auch in Tschechien, UK, Belgien, Schweiz und Niederlande. Spanien und Frankreich werden bald folgen.

Welche zählen zu Ihren schönsten Häusern?

Das Motel One Wien Staatsoper ist eines der schönsten Häuser, es ist sehr elegant und in exzellenter Innenstadtlage. Da vereint sich unsere Philosophie.

Schreibt Motel One Gewinne?

Umsatz und Gewinn haben sich gut entwickelt. Der Umsatz ist im ersten Halbjahr 2017 auf 185 Millionen Euro gestiegen (171 Millionen im ersten Halbjahr 2016, Anm.) und das Betriebsergebnis auf 40 Millionen Euro (30 Millionen). Die Auslastung lag 2016 bei 76,7 Prozent, damit sind wir in der Budgethotellerie gut unterwegs.

Wie ist das Unternehmen derzeit in Österreich aufgestellt und wo will es hin?

Wir haben vier Häuser in Wien und zwei in Salzburg. Wir haben je ein Projekt in Linz und in Innsbruck, da sollte es zeitnah zum Baubeginn kommen. Graz wäre für uns auch interessant, und weitere Projekte in Wien. Österreich ist ein kleiner, aber spannender Markt.

Sie haben eine Menge Auszeichnungen bekommen. Was sind die in der Praxis wert?

Das ist immer eine schöne Bestätigung für das, was man tut. Wir haben Auszeichnungen in verschiedenen Bereichen, etwa Immobilie, Hotel, Marketing. In Österreich wurden wir als bester Arbeitgeber ausgezeichnet. Für uns ist es wichtig, dass wir wissen, wo wir stehen. Es zeigt die Entwicklung des Produkts und hilft uns, uns zu positionieren. Auch der Gast informiert sich auf vielfältige Weise, Qualitätssiegel fördern das Vertrauen. Auszeichnungen sind auch wichtig für Bewerber.

Wie beurteilen Sie den Wiener Hotelmarkt?

Wien entwickelt sich als europäische Metropole intensiv und wird spannend bleiben. Der Hotelmarkt hier ist sehr vielschichtig. Es gibt immer wieder neue Marken im Segment Budget-Design, das ist für Städtetouristen eine Belebung. Es ist gut, wenn sich der Hotelmarkt erneuert, das ist hier in Wien der Fall. Es gibt immer wieder neue Konzepte, solche Impulse braucht der Markt, nicht nur Altbestand. Wir sehen in Wien langfristig Chancen auf Wachstum.

Hinsichtlich der Marktperformance ist die Budgethotelkette Motel One trotz Widrigkeiten optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage weiter von den Megatrends Globalisierung und Urbanisierung befeuert wird“, heißt es seitens des Unternehmens.
Allerdings könnten sich Terrorakte kurzfristig negativ auf die Reisetätigkeit auswirken. Weitere Risiken werden in einer abflachenden Konjunktur durch Brexit, Protektionismus und Dieselgate gesehen.
Das 2000 gegründete Unternehmen Motel One mit Sitz in München hat sich mit 60 Hotels und rund 16.000 Zimmern als Budget Design Hotelgruppe in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Belgien, Niederlande, Tschechien und der Schweiz positioniert. Motel One setzt auf hohe Servicestandards, wertige Materialien und modernes Design an guten innerstädtischen Standorten. In Österreich betreibt Motel One im Joint Venture mit der Verkehrsbüro Group sechs Hotels. Nach Eröffnungen in Berlin und Manchester gehen im zweiten Halbjahr 2017 Häuser in Zürich, München, Freiburg und Berlin in Betrieb. Außerdem ist der Markteintritt in Spanien mit einem ersten Motel One in Barcelona geplant.
Wachstum gesichertWachstum ist laut Unternehmen auf 87 Hotels mit 25.369 Zimmern vertraglich gesichert. Eröffnet wurden heuer neue Standorte in Düsseldorf, Hannover, Stuttgart sowie mit Mailand der Markteintritt in Italien.