Wirtschaft
07.03.2013

Der Baumarkt ist eine Falle

Ein Verkäufer berichtet über seine schrägsten Erlebnisse mit Selbermachern.

Rikki Reinwein kennt jeden Baumarkt in Transdanubien (Wien 21 und 22). Zwangsläufig kennt sie daher auch viele Verkäufer – das sind jene Baumarkt-Berater, die meist eh keine Zeit zum Beantworten von Fragen haben, vorausgesetzt, man wird ihrer überhaupt habhaft. Reinweins Gegenmittel zum Flucht-Syndrom der Baumarkt-Experten: Sie steuert gleich am Eingang den Hauptdesk an – „dort stehen immer ein paar Mitarbeiter herum“ –, und nagelt ihre Opfer mit Fragen fest. „Da ich mich auskenne, frage ich gezielt nach Körnung, Schleifstärke oder den richtigen Sägeblättern für meine Steinarbeiten“, sagt die Künstlerin und Handwerkerin. Das klappe meistens, aber oft überfordert sie ihr Gegenüber auch. „Manche können nicht Metall von Holz unterscheiden.“

Fliesen faxen

Mirko Trompetter kennt die andere Seite des Baumarkts. Der gelernte Stahlbetonbauer und Bodenleger beantwortet seit sieben Jahren diffizile Kundenfragen. Keine Frage ist ihm zu knifflig, auch als ihn eine alte Dame bat, ob er ihr vielleicht „Fliesen faxen“ könne, blieb er cool.

Mit Coolness ist jetzt Schluss. Trompetter schrieb sich seine schrägsten Erlebnisse mit Baumarktkunden von der Seele (siehe unten). Trost und Rat für Heimwerker: „Wenn jemand sagt, ich habe keine Ahnung, können sie mir helfen, dann ist das in Ordnung, er wird von mir auch nicht ausgelacht.“

Das Buch Trompetters dreht sich um seltsame Verkaufsgespräche und absurde Vorhaben von Hobby-Bastlern, die anfangs noch ambitioniert an ihr Vorhaben herangehen, allmählich aber dem Projekt-Wahnsinn verfallen.

Kundentypen

Lernen Sie die – aus Verkäufersicht – irrsten Kundentypen im Baumarkt kennen.

Die das Unmögliche verlangen: Auf Trompetters ewiger Bestenliste der blöden Fragen rangiert das Ansinnen „Ich brauche ein Loch“ ganz oben. Trompetter dachte sich seinen Teil und brachte diesen später zu Papier: „Was für ein Loch? Wenn er ein Arschloch braucht, das hat er gefunden. Steht vor ihm.“ Auch das Verlangen nach „Klopapier. Ihr müsst doch irgendwo Klopapier haben“, schrie förmlich danach, der Nachwelt erhalten zu bleiben.

Die auf Verständnis hoffen: Schüchternheit mag charmant wirken, im Baumarkt ist sie fehl am Platz. Ein kurzes freundliches Winken hat selten den gewünschten Effekt. Baumarkt-Mitarbeiter winken zwar zurück, gehen dann aber weiter ihrer Wege. In die gleiche Kategorie fällt die höfliche Frage „Darf ich kurz stören?“. Aus Verkäufersicht noch dazu eine rhetorische Frage, „denn wenn ich schon weiß, dass ich störe, dann sage ich entweder gar nichts, oder tue so, als ob ich nicht wüsste, dass ich störe.“ Auch wieder wahr.

Die auf Kumpel machen: Obwohl das Ikea-Du bereits viele Lebensbereiche erfasst hat, empfiehlt sich für die erste Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer nach wie vor das „Sie“. Abteilungsleiter werden nicht gern mit „Bist du Fliese?“ angesprochen.

Die Wahnsinnigen: Die harmlose Frage „Haben sie Folie?“, ließ Trompetter am Verstand eines Kunden zweifeln. Der wollte seinen Keller in Eigenregie vertiefen. Nach zwei Metern Stemmarbeit stand er allerdings im Wasser. Logische Konsequenz: Der Heimwerker brauchte Abdeckfolie – um weitergraben zu können. Trompetter reagierte zuerst fassungs- und dann humorlos: „Es ist nicht verboten, sein eigenes Grab zu schaufeln.“

Es fällt kein Heimwerker-König vom Himmel

Haben sie schon einmal einen Hobby-Elektriker bei der Arbeit von einem Bein auf das andere springen gesehen? Wundern ist erlaubt. Der Mann wärmt sich nämlich nicht auf, sondern ist nur zu faul, den FI-Schalter umzulegen, während er in den Stromkreis greift. Diese „Erdungstechnik“ wird nicht zur Nachahmung empfohlen, dennoch werden dieser und ähnliche Tricks von Heimwerkergeneration zu Heimwerkergeneration weitergegeben. Der Experten-Rat, sich stets zuerst an einen Fachmann zu wenden, bevor man etwas angreift, ist zwar gut gemeint – aber wo bitte ist der Vorzeigeprofi, wenn Kleinigkeiten im Haus zu machen sind? Etwa Steckdosen tauschen, eine neue Lampe anschließen oder ein Loch in der Wand mit Moltofill verschließen.

Ein guter Rat für jeden selbst ernannten Heimwerker ist sicher, klein anzufangen. Die ersten Mini-Projekte sollten einfache Wartungsarbeiten sein, damit der Haushalt nicht zur Falle wird. Beispiele gefällig? Eine Duschstange montieren: Gewinde mit Inbusschlüssel in der Mitte fixieren und Stangen außen gegen die Wände schrauben; den Duschkopf im Bad tauschen: mit der Kombizange nach links (!) aufdrehen und beim Anschließen des neuen Hahns einmal nach rechts (!) zudrehen, um das Gewinde nicht zu ruinieren. Den verstopften Abfluss in der Küche reinigen: mit flachem Schraubenschlüssel Sieb aufschrauben, Essigreiniger hinein und über Nacht stehen lassen.

Heimwerker-Videos

Das gehört in jeden Werkzeugkoffer

Die Ausstattung

Zur Grundausstattung gehören: Hammer, Kombizange, Seitenschneider, Rohrzange, Spitzzange, Schraubenzieher, je ein Satz Schraubenschlüssel und Inbusschlüssel, zwei Sägen (für Metall und ein Fuchsschwanz), Feilen und Raspeln, Spachtel, Pinsel, Wasserwaage, Zwingen, Taschenlampe, Stanley-Messer, Metallleisten und Stemmeisen.

Die Ausbildung

Kurs „Kleines Heimwerker-ABC“, Michaela Falkensteiner, 10. und 17. 4., 18–21 Uhr. Preis: 43,20€. www.vhs.at/polycollege.