Wirtschaft 05.12.2011

"Das Risiko ist, dass China Technologie absaugt"

Der KURIER hat bei Eberhard Sandschneider, dem Leiter des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Berater der deutschen Bundesregierung nachgefragt.

Mit Eberhard Sandschneider sprach der KURIER über ...
... Chinas Interessen China sitzt auf gewaltigen Devisenreserven, die es gewinnbringend anlegen will. Und es braucht große Mengen an Rohstoffen. Wo immer also chinesische Unternehmen aktiv sind, gibt es entweder ein Interesse an Renditen oder an Ressourcen.

... Marktwirtschaft Sie müssen erst begreifen, dass sie auf dem europäischen Markt anderen Regeln zu folgen haben als in China oder Afrika. Zum Beispiel, dass es in der EU arbeitsrechtliche Bestimmungen gibt, die man nicht durch den Import von mit Dumpinglöhnen bezahlten chinesischen Arbeitern aushebeln kann (wie in Polen beim Bau einer Autobahn, Anm.)

... politische Strategie Europa fürchtet immer wieder die Einmischung Chinas -, weil es ein nicht-demokratisches System ist und weil man weiß, wie eng Verbindungen zwischen global aktiven Unternehmen in China und der KP sind. Chinas Investitionen sind bisher aber alle der Erwartung an Renditen verschrieben. Einen politischen Hebel hat es bisher nicht gegeben - bisher, muss man mit aller Vorsicht sagen.

... Investitionsbereiche Man will durch Kooperationen und Übernahmeangebote dafür sorgen, dass Technologie auch für Chinas Unternehmen zugänglich wird. Manchmal geschieht das auf dem Wege des Erwerbs zum Nulltarif, also durch Diebstahl. Manchmal auf dem legalen Weg der Übernahme.

... Ausverkauf und Risiken Dass weniger qualifizierte Jobs abwandern, ist nicht neu und immer eine gewisse Herausforderung für unsere Arbeitsmärkte. De facto entstehen aber auch bei uns Arbeitsplätze nur deswegen, weil Unternehmen im Chinageschäft erfolgreich sind. Das Risiko besteht darin, dass China in einem Maße Technologie absaugt, dass es früher oder später für Unternehmen existenzbedrohlich werden kann. Die Sicherung von unternehmerischem Know-how ist eine der großen Herausforderungen für jedes Unternehmen, das sich mit einem chinesischen Partner zusammentut.

... die EU Deutschland ist mit Abstand der größte Handelspartner Chinas in Europa. Man muss aber vorsichtig sein: Wenn man die prozentualen Zuwächse sieht, ist man leicht versucht, Bombastisches zu erwarten. Wenn man die realen Zahlen anschaut, stellt man fest, dass der Handel mit Österreich immer noch leicht höher ist als der mit China. Das ist eine Relation, die man bei den aufgeregten Debatten über den Aufstieg Chinas immer wieder vergisst. Deutschland ist aus Sicht Chinas ein idealer Partner, zumal die Enttäuschung darüber groß ist, dass der Vertrag von Lissabon nicht dazu geführt hat, dass die chinesische Regierung eine Telefonnummer in Europa hat, um alle anstehenden Dinge zu besprechen. Daher hat Peking bewusst wieder auf eine nationale Europapolitik umgeschaltet, die auf einige große Partner setzt.

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Erstellt am 05.12.2011