© Esterhazy/Andreas Tischler

Wirtschaft
09/19/2021

Das Rindvieh als Landschaftsgärtner

Das Bio-Landgut Esterhazy ist nicht nur der größte Biobauernhof in Österreich, sondern auch ein wichtiger Leitbetrieb für den Agrarsektor.

von Andreas Anzenberger

Zwischen Eisenstadt und dem Neusiedler See dominiert der Wille zur pannonischen Idylle. Der Kinderspielplatz des Landguts Seehof mit den Strohballen und den kleinen Traktoren als Tretroller ist heute verweist. Aber einige ältere Besucher haben es sich in den Gartensesseln neben den Bäumen bequem gemacht. Sie genießen einen schönen Spätsommertag im Burgenland. Entschleunigung am Bio-Bauernhof Pannatura.

Seit 1675 ist das Landgut Seehof bei Donnerskirchen im Besitz der Familie Esterházy. 2002 wurde auf Biolandwirtschaft umgestellt und der Seehof umgebaut.

Fleischmanufaktur

Aus der alten Schmiede ist ein Besucherzentrum geworden und aus den alten Arbeiterwohnhäusern eine Bio-Fleischmanufaktur. Das Granarium, einst der Kornspeicher des Landguts, ist heute ein Veranstaltungssaal.

„Wir haben Gäste vom Kindergartenalter bis zu Pensionisten“, freut sich Matthias Grün, Geschäftsführer von Pannatura. „Jeder kann sich das anschauen.“ Über die Besucherzahlen kann er sich nicht beklagen. Zu den Biofeldtagen im August kamen in zwei Tagen insgesamt 11.000 Gäste zum Seehof.

Dabei ist Pannatura laut Grün zwar mit 2.100 Hektar der größte Biobauernhof in Österreich und mit 22.000 Hektar einer der größten Waldbesitzer, aber trotzdem eine große Unbekannte.

Premiumweizen

Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Millionen Euro wird in der Öffentlichkeit nur selten genannt. Angebaut wird vor allem Premiumweizen für die Herstellung von Mehl, aber auch Soja, Sonnenblumen, Kürbis und Braugerste.

Der Hauptgrund ist wohl, dass die Produkte des Agrarunternehmens unter dem allseits bekannten Namen Esterházy verkauft werden. Bewusst wurde in Label geschaffen, das „sowohl in der Kultur, als auch in der Land- und Forstwirtschaft für Qualität steht“, beschreibt Grün die Marketingstrategie.

Wegern der großen Waldflächen wurde für die Verarbeitung von Wildbret eine eigene Bio-Fleischmanufaktur aufgebaut. Um deren ganzjährige Auslastung sicherzustellen, grasen auf den ausgedehnten Wiedefächen insgesamt rund 120 Angusrinder. Ein Teil des 6.500 Hektar Grünland sind Naturschutzgebiete.

Immer auf die Großen

Geschäftsführer Grün hält die Kritik an großen landwirtschaftlichen Betrieben für falsch und unseriös. „Es ist die Aufgabe der großen Betriebe, dass sie als Türöffner fungieren.“ Etwa beim Wechsel zu Bio. „Als wir auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben, sind wir belächelt worden. Heue wissen wir, dass nicht wir auf den Zug aufgesprungen sind, sondern dass wir die Lokomotive des Zuges waren.“ Außerdem sei Pannatura im EU-Größenvergleich der Agrarunternehmen im unteren Mittelfeld.

Der Pannatura-Geschäftsführer verweist auf ein weiteres Beispiel für Innovation in der Tierhaltung, nämlich auf die Weideschlachtung.

Keine Transportwege

Die Tiere haben keine Transportwege und werden nach der Schlachtung in der Biofleischmanufaktur verarbeitet. „Dafür die Erlaubnis zu erhalten war wegen der bürokratischen Vorgaben nicht einfach“, erinnert sich der studierte Forstwirt. Erforderlich waren etwa Zäune und sogar ein Schutzwall. „Auch bei der Weideschlachtung waren wir Türöffner.“ Für einen kleinen Betrieb wäre es sehr schwierig gewesen, die Bürokratie-Hürden zu überspringen.

Preisdruck

Die Problematik des Preisdrucks für Agrarprodukte ist Grün wohl bekannt. Vor allem Billigimporte drücken die Preise nach unten. Pannatura versucht daher möglichst wenig über Fremdfirmen zu verkaufen. „Global werden Preise vorgegeben, die wir mit unseren höheren Umweltstandards nicht erreichen können. Wir versuchen daher die Wertschöpfungskette bis zu Ende zu führen und mit unserem Label am Teller anzukommen. Die Konsumenten wollen nicht nur etwas erleben, sie wollen aber auch ein Verständnis für das Produkt vermittelt bekommen. “

Direktvertrieb

Das Mittel dazu ist der Direktvertrieb. „Da müssen wir ansetzen. Der Direktvertrieb ist das Interessanteste. Wir gehen stark in die Veredelung. “

Beim Wein sei es schließlich längst selbstverständlich, dass die Konsumenten genau wissen wollen, wo das Produkt in der Flasche herkommt. „Bei Lebensmitteln ist das bisher nicht der Fall.“

Wo bei die Kulinarik nur einen Teil des Konzeptes ausmacht. „Unser Fokus ist die Entwicklung der Region und die Steigerung der Wertschöpfung in der Region.“

Dazu gehören natürlich die Kulturveranstaltungen im historischen Ambiente sowie Projekte für den Tourismus in der Region. Aktuell geht es um ein Hotel mit 120 Zimmern in Eisenstadt. Grün: „Unsere Veranstaltungen sind eine Ergänzung des kulturellen Angebotes in der Region.“

Drei Stiftungen

Der Erhalt des umfangreichen Immobilienbesitzes  und der Kunstsammlung der Familie war ein Wunsch von  Paul V. Esterházy.  Seine Gattin Melinda gründete daher ab 1994 drei unauflösliche Stiftungen: Die F.E. Familienprivatstiftung Eisenstadt, die Domänen Privatstiftung und die Esterhazy Privatstiftung. Im Jahr 2002 wurde die Esterhazy Betriebe GmbH gegründet, die das Vermögen der Stiftungen verwaltet.
Die  so entstandenen modernen Führungsstrukturen sollen den ökonomischen Erfolg garantieren. Mit den  Erträgen wird der Erhalt der großen historischen Baudenkmäler sowie der Sammlungen sichergestellt. Seit dem Bestehen flossen dem Stiftungszweck entsprechend mehr als 50 Millionen Euro in die Erhaltung, Adaptierung und Aufwertung der historischen Denkmäler und Sammlungen.

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