Wirtschaft 14.06.2018

Das Problem mit den Strom-Tankstellen

© Bild: APA/dpa/Sina Schuldt

Die Netze sind nicht für so hohe Leistungen ausgelegt. Versorger müssen investieren

Eine Fotovoltaik-Anlage aufs Dach, einen Batteriespeicher im Keller und ein E-Auto: Viele Österreicher glauben, auf diese Weise von ihrem Stromversorger weitergehend unabhängig zu werden. Doch weit gefehlt.

Wer sein E-Auto regelmäßig zu Hause auftanken will, wird sich wird sich noch stärker in die Hände des Versorgers begeben müssen als bisher. Denn der Versorger wird – in gewissem Rahmen – bestimmen, wann genau das Auto aufgetankt wird. „Die Stromleitungen sind nicht für so hohe Leistungen ausgelegt wie sie die E-Autos beim Tanken brauchen“, erklärt Gudrun Senk von der Wien Energie. Der Versorger ist derzeit dabei, 1000 Strom-Tankstellen in Wien im Auftrag der Stadt zu errichten.

„Wir beginnen in jenen Gebieten der Stadt, wo bereits digitale Stromzähler in den Haushalten eingebaut wurden“, sagt Senk. Mit diesen Zählern kann Wien Energie nämlich genau überwachen, wo Strom getankt wird und wie stark das Netz dadurch belastet ist. Sind es zu viele Tankvorgänge, schaltet der Versorger einige davon vorübergehend aus. „Für die meisten ist es ja egal, ob ihr Auto um drei oder um vier Uhr nachts getankt wird. Das wichtige ist, dass es in der Früh aufgetankt ist“, sagt Senk. Das Problem entstehe, wenn viele gleichzeitig im selben Haus oder Häuserblock tanken. Dann schnelle die Leistung derart hoch, dass das Netz überlastet werde.

„Tankt nur Einer in einem Haus oder einer Siedlung Strom, ist das meist kein Problem. Ein Zweiter geht auch noch, beim Dritten kommen wir an die Leistungsgrenze“, betont auch Christoph Panhuber, in der Energie AG Oberösterreich für Erneuerbare und E-Tankstellen zuständig.

Neuer Kontrolleur

Ein Haus sei für maximal fünf Kilowatt Leistung ausgelegt. Das reiche üblicherweise. Lade man ein E-Auto mit dieser Leistung auf, sei das möglich, dauere aber sehr lange. Schnelle Lader bräuchten elf bis 22 Kilowatt. Die Energie AG testet nun eine Art „Kontrolleur“: eine technische Vorrichtung, die in den Häusern oder Siedlungen dafür sorgt, dass nicht zu viele E-Autos gleichzeitig tanken. Der Kontrolleur, dank Smartmeter gesteuert vom Versorger, regelt die Ladevorgänge zeitlich so, dass die Leitungen nicht ins Glühen kommen. I. Kischko

( kurier.at ) Erstellt am 14.06.2018