Das große Business hinter den Essensfotos

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Foto: Thomas Schauer

Wenn der Steirer Thomas Schauer Essen in Szene setzt, kostet das bis zu 125.000 Dollar am Tag. In NY engagieren ihn Star-Köche und Restaurants.

Essen fotografieren klingt fad, kann aber richtig nervenaufreibend sein. Zumindest wenn der Teller von einem Starkoch angerichtet wird und die Soße partout nicht bleiben will, wo der Fotograf sie gerne haben möchte.

Thomas Schauer Portraits for My Lifestyle magazine… Foto: Jennifer DelCastillo Thomas Schauer: Vom Lehrling zum gefragten Fotografen in New York "Manchmal fuchst einen ein Gericht, dann muss es zigmal angerichtet werden", sagt Thomas Schauer. Der Steirer hat es in New York zu einem der gefragtesten Food-Fotografen gebracht. Wenn er sich ein Bild von einer Praline vorstellt, die auf einem Tisch aufprallt und zerschellt, laufen ganze Teams los, um zu berechnen, in welchem Winkel der Aufprall erfolgen muss. Beim perfekten Timing geht es um Millisekunden, beim Shooting entstehen 4000 Bilder – in der Sekunde.

Fotos alleine reichen nicht. Kunden wollen Videos, aus denen sie gegebenenfalls Fotos rausschneiden. Auch deswegen hat Schauer heuer gemeinsam mit einem Partner eine neue Film-Firma in New York gegründet. Das ist gar nicht so einfach, wie in Europa oft angenommen wird. "Man muss auch hier von Behörde zu Behörde laufen. Ich musste der Directors Guild of America, also der Gewerkschaft, beitreten, sonst hätt’ ich keine TV-Spots drehen dürfen."

Bilder: Food-Fotografie von Thomas Schauer

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Eigene Regeln

Der Beitritt zur Gewerkschaft ist ziemlich aufwendig. Die DGA nimmt nicht jeden auf, verlangt Befähigungsnachweise, Empfehlungsschreiben, eine Einschreibgebühr. "Letztere lag bei 25.000 Dollar", erzählt Schauer. Nachsatz: "Jetzt bekommen sie auch noch jährlich zwei Prozent von meinem Verdienst."

Die Rechnung geht trotzdem auf. Unter anderem hat der 47-Jährige TV-Spots für die Pizza-Restaurant-Kette Papa John’s gedreht, die mit mehr als 5000 Standorten zu den Großen der Welt gehört. So ein Spot ist keine One-Man-Show. Schauer macht das Drehbuch, am Set bekommt er Unterstützung von rund 50 Leuten – vom Food-Stylisten bis zum Special-Effects-Experten. Alles muss perfekt sein, selbst Wassergläser werden retuschiert.

Thomas Schauer, Studio… Foto: /Thomas Schauer Food-Stylisten und Experten für Special Effects: Wenn Schauer das Zepter in die Hand nimmt, hat er bis zu 50 Helfer mit am Set, die das Essen ins perfekte Licht rücken So kommt es, dass an einem 15- bis 30-Sekunden-Spot bis zu fünf Tage gearbeitet wird, bis zu 16 Stunden am Tag. Schauer:"Da ist alles im 5-Minuten-Takt getaktet, selbst die Mittagspause wird auf die Minute eingehalten. Sonst kommt die Gewerkschaft und wir zahlen Strafe." In der US-Filmwirtschaft gelten strenge Regeln, von "anything goes" könne keine Rede sein. Das betrifft auch Versicherungen. "Dreh ich in einem Hotel, muss ich eine eigene Versicherung abschließen für den Fall, dass beim Dreh etwas kaputtgeht."

Trotz Trend zum Bewegtbild bleibt Schauer auch seinen Wurzeln treu. Mit seiner alten Firma macht er weiterhin Bücher für Star-Köche. Das war seine Eintrittskarte in den Olymp der Food-Fotografie. Begonnen hat Schauers internationale Karriere mit einem Fotoband für den New Yorker Star-Koch David Bouley. "Als junger Fotograf hab’ ich am Arlberg eine Woche lang sein Essen fotografiert." Das Ergebnis hat Bouley so gut gefallen, dass er ein Kochbuch mit dem Steirer machen wollte. "Er hat mir einen Vertrag vorgelegt, den ich mit meinem Hauptschulenglisch kaum verstanden hab’. Ich hab’ einfach unterschrieben." Danach ging alles Schlag auf Schlag, Schauer wurde von Star zu Star weitergereicht. Heute verrechnet er Tagessätze von bis zu 125.000 Dollar und hat drei Agenten, die für ihn arbeiten.

Fotos sind zu wenig

Hätte er sich früher um sein Marketing gekümmert, hätte seine Karriere früher gestartet, ist er überzeugt. "Ich hab’ mich zu lange ausschließlich aufs Fotografieren konzentriert. Heute weiß ich, dass man ein Drittel der Zeit ins Netzwerken, sich präsentieren und Dinge wie Finanzierungen investieren muss."

Seiner Heimat bleibt er treu, das alte Studio in Wien hat er nie aufgegeben. Schließlich hat er auch hier Auftraggeber, etwa das Nobel-Restaurant Steirereck, die Firma Neuburger und Industriekonzerne.

(kurier) Erstellt am
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