Josef Penninger

Genetiker und Apeiron-Gründer Josef Penninger sammelt frisches Kapital ein

© Kurier / Juerg Christandl

Wirtschaft von innen
05/16/2020

Corona-Wirkstoff: VIG-Konzern steigt bei Penninger-Firma ein

Versicherung will Großteil der Kapitalerhöhung bei Apeiron zeichnen.

von Andrea Hodoschek

Die Vienna Insurance Group (VIG) steht vor einem spektakulären Coup im Gesundheitsbereich. Österreichs größter Versicherungskonzern will mit Ende Mai über eine Kapitalerhöhung bei der vom Genetiker Josef Penninger gegründeten Firma Apeiron einsteigen.

Das im Wiener Biotech-Cluster in St. Marx angesiedelte Unternehmen ist im Rennen um einen Wirkstoff gegen das Coronavirus weltweit vorne mit dabei. Das von Apeiron entwickelte synthetische Molekül APN01 könnte ein erster Therapieansatz gegen Covid-19 sein.

Auf rund zehn Millionen Euro schätzte Penninger ursprünglich die Kosten für die Studie mit 200 Patienten. Die Mittel dafür sollten neben öffentlichen Förderungen über private Investoren aufgebracht werden.

Am Donnerstag beschloss der Aufsichtsrat der Apeiron Biologics AG eine Kapitalerhöhung über 12 Millionen Euro für die Finanzierung der Studie. Größter Investor ist die VIG, die sieben Millionen Euro zeichnet und sich am Unternehmen beteilen wird. Der Rest soll von den bestehenden Aktionären aufgebracht werden. Gegenüber dem KURIER wollte niemand einen Kommentar über den Deal abgeben.

Für den Versicherungskonzern macht der Einstieg viel Sinn. Die aus der Wiener Städtischen entstandene VIG ist einer der größten Krankenversicherer in Österreich und stark im Gesundheitswesen engagiert. Die Gruppe betont auch ihre soziale Verantwortung. Wie man hört, soll sich VIG-Konzernchefin Elisabeth Stadler persönlich sehr für das Apeiron-Investment engagiert haben.

Interesse zeigte zuvor angeblich auch der Mitbewerber UNIQA, es kam aber zu keinen Verhandlungen. Investitionen in die Biotech-Szene gelten als Risikokapital, Versicherungen müssen konservativ veranlagen und das Risiko breit streuen.

Der Wert von Apeiron wird am Kapitalmarkt derzeit auf rund 100 bis 120 Millionen Euro geschätzt. Ist der Wirkstoff erfolgreich, ist nach oben alles offen. Möglich wäre dann auch ein Börsegang oder die Übernahme durch einen internationalen Konzern. Der britische Pharmariese Glaxo Group hat mit 8,6 Prozent schon den Fuß im Unternehmen.

Tests vielversprechend

Apeiron hat international einen Wettbewerbsvorsprung. Ein Team um Penninger hatte nämlich 2005 entdeckt, wie sich das SARS-Virus an Zellen von Infizierten heftet. Damals wurde die erste Studie bei Gesunden durchgeführt, um Verträglichkeit und Sicherheit von APN01 zu testen.

Derzeit wird der Wirkstoff in einer zweiten Studienreihe an SARS-CoV-2-Infizierten getestet. Wie man hört, sollen die Testreihen äußerst vielversprechend verlaufen. Auch wenn Penninger vor einigen Wochen gegenüber dem KURIER sagte: „Wundermittel gibt es keine.“

Prominente Aktionäre

Penninger hält direkt rund 15 Prozent an Apeiron. Er ist nicht im operativen Management, sondern im Aufsichtsrat vertreten.

Unter den zahlreichen privaten und institutionellen Investoren findet sich mit 6,35 Prozent die Holding des ehemaligen ÖVP-Wirtschaftsministers Martin Bartenstein. Ex-ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger hält 5 Prozent. Die St. Klemens Privatstiftung ist mit 5,6 Prozent engagiert. Dahinter steckt die Familie des Industriellen Walter Scherb. Die Oberösterreicher gehören mit den Traditionsmarken Spitz und Gasteiner zu den größten inländischen Lebensmittelproduzenten.