© Katharina Schiffl

10/16/2020

Reinigungsbranche: Hochsaison für die Virenjäger

Desinfektion und Hygienemaßnahmen sorgen in Corona-Zeiten für eine saubere Sonderkonjunktur. Dafür geht die Büroreinigung zurück.

von Anita Staudacher

Der Lichtschalter, der Druck-Knopf im Lift, der Handlauf der Rolltreppe oder die Computermaus: Es sind alltägliche Oberflächen wie diese, die bei Hygienemaßnahmen gerne vergessen werden. Durch die rasante Verbreitung des Corona-Virus’ steigt jedoch auch das Bewusstsein für gründliche Desinfektion zur Reduktion von Viren, Keimen und Bakterien.

Was in Spitälern, Pflege- und Seniorenheimen längst zum Standard gehört, erfasst nun auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Dies wiederum sorgt in der Reinigungsbranche für eine „saubere“ Sonderkonjunktur. 

„Unsere Aufträge im Bereich Desinfektion haben sich verzwanzigfacht“, bestätigt Attensam-Chef Oliver Attensam eine große Nachfrage nach Wisch- und Sprühdesinfektion sowie Kaltvernebelung. Bei dieser entsteht durch die feinste Zerstäubung von Wasserstoffperoxid eine nebelartige Wolke, die sich im Raum verteilt und auf allen Oberflächen und schwer zugänglichen Bereichen niederlässt. 

Kaltvernebelung
Ein Vernebelungsgerät sorgt für eine gleichmäßige Verteilung des Desinfektionsmittels im Raum, wodurch sich der Nebel auch in schwer zugänglichen Bereichen gleich verteilt, z.B. in Produktionshallen. Dauer ca. 1 Stunde

Wischdesinfektion
Mit in Desinfektionsmittel durchtränkten Lappen. Bei allen sensiblen Oberflächen mit hohen Hygienestandards wie etwa WC-Anlagen, Arztpraxen, Fitness- oder Rehazentren.

Sprühdesinfektion
Ähnlich wie Kaltvernebelung, die versprühten Tröpfchen sind aber größer. Damit werden nur kleine Flächen desinfiziert. Die Gebäudereinigungsakademie bietet eigene Desinfektoren-Ausbildungen an. Voraussetzung sind u.a. 5-jährige Praxis.

Hausbetreuer Attensam ist zuversichtlich, durch neue Desinfektions-Aufträge, die nunmehr im mittleren dreistelligen Bereich liegen, im laufenden Geschäftsjahr erneut ein Umsatzplus von 8 bis 10 Prozent erzielen zu können. „Wir werden unbeschadet durch die Corona-Krise kommen. Es ist aber auch reines Glück, in der richtigen Branche zu sein“, sagt Attensam. Im Vorjahr erzielte das Familienunternehmen mit 1.500 Mitarbeitern ein Umsatzwachstum von 11,7 Prozent auf 82,6 Mio. Euro.

Roboter im Einsatz

Mit „beachtlichen Zusatzaufträgen im Bereich der Desinfektion“, rechnet auch Reiwag-Chef Viktor Wagner. So habe etwa die Stadt Wien kürzlich ein Sonderbudget für Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen beschlossen. „Wir rücken derzeit sofort aus, sobald es irgendwo einen positiven Covid-Fall gibt“, erzählt Wagner dem KURIER.

Zum Einsatz kommen bei Reiwag erstmals auch neue Roboter mit Ultravioletter (UV)-Desinfektionstechnik, die Viren und Bakterien zu 99 Prozent abtöten sollen. Mit der Desinfektion kann Reiwag derzeit die Ausfälle in der Büroreinigung kompensieren.

Die Reiwag-Gruppe beschäftigt 3.000 Mitarbeiter, davon rund 1.800 in Österreich. Das Umsatzminus gegenüber dem Vorjahr (82 Mio. Euro) hielt sich in den ersten neun Monaten mit 2,5 Prozent in Grenzen. Wagner ist stolz, keinen einzigen Mitarbeiter gekündigt zu haben. „Dazu hat ganz wesentlich unsere Eigenkapitalfinanzierung beigetragen.“

"Auftragslage im Steigen"

Auch beim Mitbewerber Dussmann Service ist die Auftragslage in der Reinigung wieder auf dem Niveau vor der Corona-Krise. „Während des Lockdowns kam es zu kurzzeitigen Einbußen, aber als Experte für Hygienedesinfektion konnten wir relativ rasch Zusatzaufträge im Schul-, Verkaufs- und Gesundheitsbereich erfüllen“, berichtet Dussmann-Chef Peter Edelmayer. Dieser Trend halte weiter an, „die Auftragslage ist im Steigen begriffen“.

Sorgen bereitet der Branche indes der Trend zum Homeoffice, der zu einem Rückgang an Büroflächen führen wird. „Das werden wir dann ab dem nächsten Jahr massiv spüren“, glaubt Wagner und verweist auch auf die sinkenden Verkaufsflächen im Handel. Weil weniger Gewerbeimmobilien gebaut und vermietet werden, leidet auch die Hausreinigung und -betreuung. In Wien gebe es bereits eine Stagnation, meint Attensam.

Mehr Anerkennung

Als positiver Effekt der Corona-Krise wird in der Branche die gestiegene Anerkennung für das Reinigungspersonal gesehen. „Unseren Mitarbeitern wird jetzt deutlich mehr Wertschätzung entgegengebracht“, berichtet Edelmayer. Vielen Menschen sei jetzt erst bewusst geworden, wie wichtig und systemrelevant der Beruf ist, bestätigt Wagner. Durch die gute Auftragslage werden auch laufend neue Mitarbeiter eingestellt. Besonders gefragt sind derzeit Kälte- und Klimatechniker sowie Heizungs- und Lüftungs-Techniker.

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