Angriff auf Apple und Samsung: Huawei (im Bild das neue Ascend P7) forciert den Verkauf in Europa und bastelt an neuen Designs.

© REUTERS/PHILIPPE WOJAZER

Internet-Infrastruktur
06/13/2014

Huawei drängt massiv nach Europa

Huawei verdoppelt seine europäischen Forschungsausgaben und ist auch an der Expansion in Österreich interessiert.

von Anita Staudacher

Der chinesische Technologiekonzern Huawei will die Hauptrolle beim Ausbau der europäischen Internet-Infrastruktur spielen. Der Netzwerkbauer und Handy-Hersteller ist auf der Suche nach Verbündeten und nimmt für die Expansion seiner Forschungsaktivitäten in Europa viel Geld in die Hand.

Für die nächste Mobilfunk-Generation (5G) werden bis 2018 die finanziellen Mittel auf 600 Mio. Dollar (440 Mio. Euro) und die Anzahl der Forscher in Europa auf 1700 verdoppelt. "Huawei entwickelt sich langsam zum europäischen Konzern", kündigte Strategie-Chef William Xu auf einem Pressemeeting in Mailand an. Die Chinesen, die erst vor acht Jahren in Europa Fuß fassten und Anbietern wie Nokia Siemens Network NSN oder Alcatel-Lucent das Leben schwer machen, betreiben inzwischen 18 Innovationszentren. Die größten davon befinden sich in Schweden sowie in den strategisch wichtigsten Ländern Großbritannien, Deutschland und Italien. So arbeiten in Mailand 30 Forscher an der künftigen Mobilfunk-Antennentechnologie. Der Trend geht dabei zu unsichtbaren Sende- und Empfangseinheiten, die in Bauteilen fix integriert sind – etwa in Autodächern.

5G-Technologie

Bis 2016 rechnet Huawei mit der Einigung auf den weltweiten Mobilfunk-Standard der fünften Generation (5G). Die neue, ultraschnelle Technologie soll die Kapazität der Netze um das Tausendfache erhöhen und gleichzeitig effizienter nutzen. Ab 2019 sollen bereits die ersten 5G-Smartphones von Huawei auf den Markt kommen. Diese sollen einen HD-Film in einer Sekunde herunterladen können, 3D-Bildschirme haben und Daten gleichzeitig von mehreren Basisstationen empfangen können. Mit der Beschleunigung der Netze wird das so genannte "Internet der Dinge" - Vernetzung von Alltagsgeräten via Internet - oder selbst fahrende Autos - erst ermöglicht. Auch beim Design wollen die Chinesen neue Wege gehen und sich von Apple und Samsung mehr unterscheiden.

Telekom Austria

Huawei arbeitet im F&E-Bereich eng mit den größten Telekom-Anbietern zusammen; T-Mobile, Vodafone, Telefonica und France Telecom zählen zu den wichtigsten Kunden und lagern ihren Netzausbau vermehrt an den Multi aus. In Österreich hofft Huawei auf zusätzliche Aufträge durch den Einstieg von Carlos Slim (America Movil) bei der Telekom Austria. "Wir arbeiten mit America Movil ausgezeichnet zusammen und beliefern das Unternehmen in praktisch allen Technologiebereichen", sagt Günter Haberler, Mitglied der Österreich-Geschäftsführung. Er sieht vor allem in der Osteuropa-Strategie von Slim noch "großes Potenzial". Dadurch rücke auch der Standort Wien stärker in den Fokus. "Wir wollen in nächster Zeit auf mehr als 100 Mitarbeiter aufstocken", kündigt Haberler an. Derzeit gibt es 75 Mitarbeiter, wobei ein Drittel aus China entsendet wird. Auch die Chance auf ein eigenes F&E-Zentrum in Wien schließt er nicht aus.

Damit Österreich als Standort attraktiv bleibt, wünscht sich Haberler, dass die gesamten Erlöse aus der Handy-Frequenz-Versteigerung (2 Mrd. Euro) für den Breitband-Ausbau verwendet werden. Derzeit ist sogar die versprochene Milliarde unsicher. "Der Breitband-Ausbau ist ein wesentlicher Faktor für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg und die weitere Entwicklung des Landes", so Haberler.

Das starke Europa-Engagement hat auch einen politischen Hintergrund. In den USA sind die Chinesen von wichtigen Projekten ausgesperrt. Wegen des Naheverhältnisses zur chinesischen Führung stufte ein Kongress-Bericht Huawei als Sicherheitsrisiko für die US-Telekom-Infrastruktur ein und warnte Netzbetreiber davor, Huawei-Technologie einzusetzen. Die Chinesen kritisierten diese Entscheidung heftig und versuchen nun vor allem mit Forschungskooperationen in den US-Markt vorzudringen. In San Diego etwa gibt es ein eigenes Innovationszentrum. Wirtschaftlich nutzt die Marktabschottung vor allem einem: dem US-Mitbewerber Cisco.

150.000 Mitarbeiter in 100 Ländern
Multi Huawei mit Sitz in Shenzhen wurde 1987 von Ren Zhengfei gegründet und beschäftigt heute 150.000 Mitarbeiter in 100 Ländern, davon 7700 in Europa. 45 Prozent sind in der F&E tätig. Umsatz 2013: 28,6 Mrd. Euro
Produkte Das Portfolio reicht von Vermittlungs- und Netzwerktechnik bis hin zu Software-Lösungen, Tablets und Smartphones. Bei Smartphones ist Huwaei bereits die Nummer 3 hinter Samsung und Apple.

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