China: Das Leid unter Tage

Das Riesenreich gilt als Kohlekammer der Welt - mit den gefährlichsten Minen. Tausende Kumpel kommen jedes Jahr zu Tode.

Minenarbeiter warten auf Nachricht über ihre verschütteten Kumpel... ... doch auf die kohleverschmierten Gesichter dieser Männer wird an diesem Tag kein Lächeln zurückkehren. Die traurige Bilanz nach jenem Grubenunglück: 27 Tote. Beileibe kein Einzelfall in China. Das Land ist der weltgrößte Kohleproduzent - und auch beim Verbrauch ganz vorne. Kein Wunder: China will die Industrieproduktion 2013 um zehn Prozent steigern. Doch in Sachen Sicherheit besteht Aufholbedarf. Denn chinesische Bergwerke zählen zu den gefährlichsten der Welt, immer wieder kommt es zu Unglücken mit tödlicher Folge. Ein Minenarbeiter schlüpft vor Schichtbeginn in seine Stiefel. Das Lächeln gilt wohl nur dem Fotografen. 2011 starben rund 2000 Bergarbeiter bei Unglücken in Kohlebergwerken. So sarkastisch es klingen mag: Eine Zahl, die Hoffnung gibt. Denn 2007 waren es offiziell noch rund 3800 Tote, 2004 war sogar von 6000 die Rede. Menschenrechtsaktivisten hegen jedoch Zweifel; vermuten, dass noch immer viele Unglücke vertuscht werden und die tatsächliche Opferzahl weit höher liegt. Viele Verantwortliche würden aus Angst vor Strafen keine wahrheitsgetreuen Angaben machen, so der Vorwurf. Die Ursachen für Grubenunglücke sind jedenfalls mannigfaltig, wie unzählige Meldungen aus den vergangenen Jahren belegen. Oft sind es Gasexplosionen, die Schächte einstürzen lassen. Oder Wassereinbrüche, die Kumpel mitreißen. Dann reißt ein Stahlseil, das mehrere Waggons in das Bergwerk zieht, Arbeiter stürzen in die Tiefe. Hinzu kommen Bergwerke, die gar keine Betriebsgenehmigung besäßen und gravierende Sicherheitsstandards aufweisen. Im November ordnete der chinesische Staatsrat nach einem Unglück mit Dutzenden Toten schärfere Sicherheitsmaßnahmen an. Ob sich die Lage der Bergarbeiter damit schon kurz- und mittelfristig verbessert, wird man statistisch nur an der Anzahl der Katastrophenmeldungen ablesen können. Denn auch wenn Chinas Wirtschaft im Vorjahr so schwach wie seit 13 Jahren nicht mehr gewachsen: Dieses Riesenland braucht gigantische Mengen an Kohle, um seinen Hunger zu stillen. Daran führt kein Weg vorbei.

Das bevölkerungsreichste Land der Welt ist führend im Kohleabbau und - verbrauch. Doch nirgendwo leben Bergleute so gefährlich wie in China. Eine Reise in die Tiefe - in Bildern.

(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?