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Analyse
09/26/2019

China-Beteiligungen brechen ein: Der Drache ist vorerst satt

Nach der großen Übernahmewelle der vergangenen Jahre ist jetzt Konsolidierung angesagt.

von Anita Staudacher

Mit fast einer Milliarde Euro frischem Geld wollte der chinesische „Firmenjäger“ Fosun beim britischen Touristikkonzern Thomas Cook doch noch das Ruder herumreißen. Die Insolvenz machte einen Strich durch die Rechnung. Das Beispiel Thomas Cook zeigt, dass chinesischen Investoren in Europa zunehmend rauer Wind entgegenbläst. Die Zeiten expansiver Einkaufspolitik sind fürs erste vorüber, stattdessen ist Konsolidierung angesagt.

Im ersten Halbjahr 2019 haben Unternehmen aus der Volksrepublik nur noch 2,1 Mrd. Euro für Firmenkäufe und Beteiligungen in Europa ausgegeben, geht aus einer aktuellen Analyse der Beratungsgesellschaft EY hervor. Das entspricht einem Minus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Keine Übernahmen

In Deutschland und in Österreich gab es in den ersten sechs Monaten keine einzige größere Übernahme mehr. Die Schwächephase der chinesischen Wirtschaft durch den Handelskonflikt mit den USA, ein zunehmendes Misstrauen dem Reich der Mitte gegenüber sowie verschärfte Kapitalkontrollen in China bei Auslands-Überweisungen werden als Ursachen genannt. „All diese Faktoren führen seit einiger Zeit dazu, dass vor allem große Transaktionen seltener werden und dass deutlich selektiver investiert wird als etwa im Boomjahr 2016“, erläutert Eva-Maria Berchtold von EY Österreich. Zudem gebe es derzeit relativ wenige attraktive Übernahmekandidaten.

Österreich befindet sich laut Berchtold „nach wir vor nur am Rande des Radars chinesischer Investoren, ist aber nicht davon verschwunden“. Im Fokus der Chinesen seien auch in den nächsten Jahren Top-Betriebe mit hoher Spezialisierung, starken Marken und führenden Technologien.

Sanierungsfälle

Chinas aktivste Beteiligungsgesellschaft Fosun hat in Europa derzeit gleich mehrere Sanierungs-Baustellen. Eine davon ist der im März 2018 übernommene Vorarlberger Wäsche- und Strumpfkonzern Wolford. Frisches Kapital und eine rasante China-Expansion sollen das Unternehmen auf Vordermann bringen. „Fosun fordert uns stark und bringt sich laufend ein“, sagte Wolford-Chef Axel Dreher zuletzt auf einer Pressekonferenz.

Fosun hat in Europa Großes vor. Durch den Erwerb von Firmenbeteiligungen soll ein riesiger Modekonzern geformt werden, der von Billig-T-Shirts bis zu Luxus-Strümpfen alles anbietet. Neben Wolford besitzen die Chinesen bereits die kriselnde deutsche Textilkette Tom Tailor samt ihrer Tochter Bonita, die französische Luxusmarke Lenvin und den italienischen Premium-Anbieter Caruso. Ob es den Chinesen gelingt, aus den abverkauften Modeschnipseln ein neues Firmen-Imperium hochzuziehen, bleibt abzuwarten. Bisher müssen sie vor allem Geld zuschießen. Viel Geld.

Pleiten

Dass bei weitem nicht alle China-Übernahmen erfolgreich sind, zeigt nicht nur der Fall Thomas Cook, sondern auch zwei Beispiele aus Österreich. 2012 ging der oberösterreichische Spezialmotorenbauer Steyr Motors zu 100 Prozent an den Hongkonger Finanzinvestor Phoenix Tree HSC Investment (Wuhan). Hauptgesellschafter war bis dahin der frühere Minister Rudolf Streicher. Eine nachhaltige Sanierung misslang, im Februar 2019 musste das Unternehmen Konkurs anmelden. Ende Juli übernahm der französische Spezialmotoren-Hersteller Thales das Unternehmen samt der knapp 150 Beschäftigten.

Auch der bekannte Autobahnraststätten-Betreiber Rosenberger ist unter den beiden chinesischen Familien Liu und Ni in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht und ging mittlerweile über einen Zwischeninvestor an die US-Kette Burger King.

Einen Rückzug machte der Mischkonzern HNA Group im Mai bei der Wiener Fondsgesellschaft C-Quadrat. Über C-Quadrat hatte die chinesische Investmentfirma ihren Anteil an der Deutschen Bank verwaltet. Anfang 2017 war HNA mit fast zehn Prozent beim größten deutschen Geldinstitut eingestiegen, reduzierte die Anteile aber sukzessive, um Schulden abzubauen. Künftig will sich HNA auf das Kerngeschäft Luftfahrt konzentrieren.

Um- und Aufbau

Im Luftfahrt- und Automotive-Bereich gab es in den vergangenen Jahren gleich mehrere China-Engagements in Österreich. Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC gehört seit 2009 mehrheitlich der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC). Die Chinesen forcierten vor allem die Asien-Expansion. 2015 wurde FACC Opfer eines „Geschäftsführer-Trickbetruges“, bei dem 54 Mio. Euro auf ausländische Konten landeten, davon 10 Mio. auf chinesischen. Das Geld in China wurde eingefroren und wieder zurücküberwiesen, die Täter sind unbekannt.

Zwei Jahre nach dem FACC-Deal ging der steirische Motorenhersteller ATB aus der ehemaligen A-Tec-Gruppe ebenfalls an die Chinesen. Das Industrieunternehmen Wolong machte für ATB knapp 100 Mio. Euro locker.

In Wiener Neustadt schluckte die Wanfeng Aviation Industry Corporation den Flugzeughersteller Diamond Aircraft und in Grambach bei Graz übernahm die PIA Automation Holding den Automationsspezialisten M&R Automation. Auch beim Salzburger Kranhersteller Palfinger steckt ein Stück China drin. Joint-Venture-Partner Sany Heavy Industries hält 7,5 Prozent und öffnet viele Türen in Fernost.

Einen China-Deal mit Österreich-Beteiligung gab es heuer übrigens doch. Anta Sports schluckte die finnische Amer Sports, Mutter des Salzburger Skiherstellers Atomic. Auf den ersten Blick kein schlechtes Geschäft: Anta hat in China 10.000 Filialen.

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