Chinas Autobauer setzen etablierter Konkurrenz zu
Aus Peking
8 Uhr morgens, erster Tag der Beijing Autoshow, knapp eine Autostunde von Pekings Innenstadt entfernt: Schon rund eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung werden die Tore geöffnet, um Fachpublikum und Journalisten Einlass zu gewähren, damit alle rechtzeitig die ersten Präsentationen der großen Autobauer sehen können. Der Andrang ist einfach zu groß.
Auf 380.000 Quadratmetern ist alles da, was Rang und Namen hat in der Branche – inklusive Zulieferer. Fast eine ganze Halle hat alleine BMW samt Mini gebucht. Konzernchef Oliver Zipse ist auch da – samt hochrangiger chinesischer Begleitung, die den neuen BMW iX3 mit langem Radstand als Weltpremiere präsentiert bekommt. Noch größer und länger, das kam in China in den vergangenen Jahren immer schon gut an.
Kaum Kleinwagen
„Unter 4,80 Meter Länge spielt es nicht“, sagt der für China zuständige Mercedes-Vorstand Oliver Thöne. Die Verschiebung zu größeren Klassen halte an, es gehe weiterhin weg vom klassischen Kleinwagen. Auch wenn diese Sichtweise eines Mercedes-Managers wenig verwunderlich ist, sind sie nicht nur auf der Messe, sondern auch auf den Straßen Pekings kaum zu sehen.
Das werde vor allem für Volkswagen zu einem Problem, heißt es seitens des Vertreters eines anderen Mitbewerbers. In China war VW zwar im ersten Quartal überraschend wieder zum Marktführer aufgestiegen, nach dem der Konzern zuletzt nur noch auf Platz drei hinter BYD und Geely gelegen hatte. Das lag aber vor allem an Kürzungen der E-Auto-Förderung, wovon VW wenig betroffen war.
Im Vorjahr war der Absatz des Konzerns auf seinem nach wie vor wichtigsten Markt erneut um acht Prozent auf unter 2,7 Millionen Fahrzeuge gesunken. VW-China-Chef Ralf Brandstätter erwartet für das „Übergangsjahr 2026“ statt wie ursprünglich 3,5 bis vier Millionen Fahrzeuge nun nur noch 3,2 Millionen. Rund eine Million Autos weniger als noch 2019. Neue E-Modelle sollen es bald wieder richten. Doch die Zeiten von Margen von mehr als zehn Prozent seien vorbei. Brandstätter richtet sich dauerhaft auf vier bis sechs Prozent ein.
Die Vielzahl an lokalen Mitbewerbern – rund 100 – führt zu einem harten Preiskampf. So schnell werde sich dies auch nicht beruhigen, glauben Automanager. Schließlich stünden hinter einzelnen Anbietern oft regionale politische Interessen, die deren Fortbestand fördern würden. Und ob Rox, Denza, Deepal oder Li Auto – sie alle sind am Sprung nach Europa.
Logistiker
Das klingt nach einem potenziellen Geschäft für Logistiker wie Lagermax-Vorstand Konrad Zwirner. „Wir haben schon verschiedenste Kunden, die ihre Modelle nach Europa verschiffen.“ Von Häfen in Benelux, Deutschland und Slowenien (Koper) transportiert der Salzburger Dienstleister die Autos oder Ersatzteile weiter. Transportiert würden auch die bei Magna Graz gebauten Autos von Xpeng (bald mit einem vierten Modell) oder GAC. „Die Chinesen pushen E-Autos nach Europa, für uns ist das alles eine Chance“, so Zwirner zum KURIER.
Kurz vor Markteintritt in Österreich ist Chery, der mit seinen Submarken ebenfalls fast eine gesamte Halle füllt. Laut Rothem Shavit vom Vertriebspartner Freesbe kommt Chery diesen Mai mit vier Modellen der SUV-Reihe Tiggo. „Österreich ist der erste Markt in Europa“, sagt Shavit im KURIER-Gespräch.
Auch die zu Chery gehörenden Marken Jaecoo und Omoda (mit insgesamt drei SUV-Modellen) sollen dann richtig durchstarten. Und die vor zwei Jahren für den Export geschaffene Marke Lepas soll in zwei Jahren in Europa zu den Top-5 gehören.
Elektroantrieb
Der E-Antrieb bleibt in China großes Thema, schließlich ist auch hier der Spritpreis infolge des Iran-Kriegs um umgerechnet rund 20 Cent je Liter auf rund 1,20 Euro angestiegen. Die neue Elektro-Limousine SU7 von Xiaomi etwa kommt bei einem Preis von umgerechnet 27.500 Euro auf eine Reichweite von 772 Kilometer.
Für etablierte Autobauer schwer mitzuhalten. Daher verstärken sie ihre Entwicklung und Produktion in China. Etwa was die energieintensive Batteriezellenproduktion betrifft, die sich in Europa wegen der hohen Strompreise kaum noch darstellen lässt.
Neben der Weiterentwicklung von Elektroantrieben sind auch Künstliche Intelligenz (etwa für autonomes Fahren) oder auch Robotik heiße Themen auf der Autoshow. Ein Aussteller aus dem Bereich KI ist QCraft. 2019 im Silicon Valley gegründet, ist der Anbieter seit September des Vorjahres mit einem Standort in München auch in Europa vertreten. "Unsere Philosophie ist es, lokale Teams aufzubauen. Hier gibt es viele Talente", sagt Co-Gründer und Firmenchef James Yu im KURIER-Gespräch. Nun sei man auch auf der Suche nach europäischen Partnern. Immerhin, so zeigt es die elektronische Werbung am Stand, habe QCraft bereits mehr als eine Million Fahrzeuge mit autonomen Fahrhrsystemen ausgerüstet.
Beijing Autoshow
Sie fand erstmals 1990 statt und ist heute die größte und bedeutendste Automesse der Welt. Heuer findet sie auf 380.000m2 Ausstellungsfläche in 17 Hallen statt. 1.450 Fahrzeuge werden ca. 90.000 Besuchern gezeigt, davon rund 180 Weltpremieren. Über die Wichtigsten lesen Sie im KURIER am Freitag.
Hinweis: Die Reise nach Peking erfolgte auf Einladung von Mercedes.
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