Wirtschaft
25.04.2018

Casinos Austria: Spannendes Spiel um Aufsichtsrat und Vorstand

Der tschechische Großaktionär Sazka will den Vorstand des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns vergrößern.

Die Sazka-Group der tschechischen Milliardäre Karel Komárek und Jiří Šmejc hatte beim Einstieg in die Casinos Austria von Beginn an die Absicht, die Beteiligungsgesellschaft Medial komplett zu übernehmen. Mit dem Verkauf der Anteile der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera an der Medial ging dieser Plan nun auf.

Zuvor übernahm Sazka bereits die Anteile von UNIQA und der Raiffeisen-Industrieholding LLI. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 15. Mai soll der Deal abgesegnet werden. Die Tschechen weiten ihren Anteil von 34 auf über 38 Prozent aus und sind vor der Staatsholding ÖBIB (33 Prozent) der größte Aktionär.

Das Finanzministerium als Aufsichtsbehörde muss zwar noch zustimmen, kann den Deal de facto aber nicht mehr verhindern. Hans Jörg Schelling segnete den Durchmarsch der Sazka an seinem letzten Amtstag am 15. Dezember um 12.30 Uhr ab.

Mit den Stimmrechtsabkommen der Novomatic (17,2 Prozent) hat Sazka in der Hauptversammlung die Mehrheit. Nicht aber im Aufsichtsrat, dort halten ÖBIB und Betriebsrat noch die Majorität. Casinos-Aufsichtsratsvorsitzender und Raiffeisen-Generalanwalt Walter Rothensteiner sitzt jedoch auf einem Ticket der Medial – und dort hat Sazka das Sagen. Die Mandate der Aufsichtsräte laufen heuer aus. Eigentlich würde der Vorsitz des Gremiums dem größten Aktionär zustehen, wird in Prag argumentiert. Doch wie zu hören ist, verhandelt Sazka derzeit ein Agreement mit dem Finanzministerium.

Rothensteiner soll weiter an der Spitze des Aufsichtsrates bleiben, dafür wollen die Tschechen im Tagesgeschäft und operativ mitreden. Sie hätten gerne die Aufstockung des Dreier-Vorstandes auf vier Mitglieder. Auf Diskussionen über den aktuellen Vorstand mit CEO Alexander Labak, Bettina Glatz-Kremsner (ÖVP) und Dietmar Hoscher (SPÖ) will man sich nicht einlassen. Insider meinen, Sazka wolle nicht in politische Spiele involviert werden.