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Wirtschaft von innen
10/04/2019

Casinos Austria: Kampf mit (fast) allen Mitteln

Erbitterter Streit zwischen den privaten Großaktionären: Novomatic kündigt Shareholder-Agreement mit Sazka. Privatdetektive und Abhöraktionen?

von Andrea Hodoschek

Der Schlagabtausch zwischen den privaten Großaktionären um die teilstaatliche Casinos Austria AG (Casag) wird immer brutaler. Die tschechische Sazka Group (38 Prozent) und der heimische Glücksspielkonzern Novomatic sind derart verfeindet, dass eine Lösung dieses Konflikts nur noch mit dem Ausstieg eines der beiden Streithähne möglich scheint. Aber davon will derzeit noch niemand etwas wissen.

Die aktuellsten Entwicklungen im Streit, der bereits die Staatsanwaltschaft und das internationale Schiedsgericht in Paris beschäftigt:

Mit Datum vom 10. September kündigte Novomatic das Shareholder-Agreement mit Sazka auf. Mit sofortiger Wirkung und mit der Begründung, es gebe einen schwerwiegenden Anlass. Die Vertrauensbasis zwischen den beiden Partnern sei nicht mehr vorhanden.

Dieses Stimmrechtsabkommen ist vertraglich bis Ende 2023 befristet. Der Konzern des Selfmade-Industriellen Johann F. Graf und die Sazka-Gruppe, die dem tschechischen Milliardär Karel Komarek gehört, sichern darin ein koordiniertes Vorgehen bei wichtigen Entscheidungen ab.

Sazka-Chef Robert Chvatal warf Novomatic schon im Vorjahr vor, das Abkommen gebrochen zu haben. Bei der Hauptversammlung war es bei der Neubesetzung des Casinos-Aufsichtsrats zum Eklat gekommen. Sazka wollte die Staatsholding, die für die Republik Österreich ein Drittel der Casag-Aktien hält, aus dem Aufsichtsrat kippen.

Hätte Novomatic mit den Tschechen gestimmt, wäre der Staat tatsächlich hinaus geflogen. Sazka verlor allerdings die Kampfabstimmung um die Kontrolle über den Aufsichtsrat und damit auch über das Unternehmen. Denn Novomatic schlug sich auf die Seite der Staatsholding.

Die Tschechen gingen deswegen gegen Novomatic vor ein internationales Schiedsgericht in Paris. In der Klage argumentieren sie massiv mit dem Ibiza-Video.

Chvatal wiederum droht nun Neumann in einem Brief an alle Casinos-Aufsichtsräte mit rechtlichen Schritten.

Neumann hatte in einem KURIER-Interview gesagt, es gebe den „begründeten Verdacht“, dass Sazka hinter der anonymen Anzeige in der Causa Sidlo stecke.

In dieser Anzeige wird behauptet, Novomatic habe den FPÖ-nahen Manager Peter Sidlo gegen Zusagen der FPÖ für Online-Konzessionen in den Casag-Vorstand gehievt. Die Staatsanwaltschaft führte Hausdurchsuchungen bei Johann Gudenus, H. C. Strache, Neumann, Sidlo und Graf durch, alle weisen die Vorwürfe zurück.

In seinem Schreiben dementiert Chvatal jetzt energisch, Informationen an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet zu haben. Novomatic versuche nur, von den eigenen Fehlern abzulenken und Sazka die Schuld zuzuschieben. Der Sazka-Chef behält sich rechtliche Schritte vor, er schreibt von „verleumderischen Anschuldigungen“.

Wirbel im Aufsichtsrat

Zuvor hatte Neumann bei der Aufsichtsratssitzung der Casinos am 24. September Chvatal ziemlich heftig attackiert. Anlass war die Weitergabe eines vertraulichen E-Mails (Sidlo betreffend) zwischen den beiden Konzernchefs an die Staatsanwaltschaft, das nicht in cc geschickt worden war.

Mittlerweile finden die Casinos-Aufsichtsratssitzungen im Beisein von externen Rechtsanwälten statt. Sazka und Novomatic haben ohnehin Anwälte als Mandatare in das Gremium gesetzt. Vorsitzender Walter Rothensteiner hat zudem externe Rechtsanwälte zwecks Dokumentation beigezogen.

Wie man hört, sollen sowohl Novomatic als auch Sazka befürchten, von Privatdetektiven der Gegenseite bespitzelt zu werden. Es gibt obendrein Vermutungen, dass Mobiltelefone abgehört werden. Beide Seiten, Überraschung, dementieren, sich solcher Mittel zu bedienen.