Casinos-Chef Karl Stoss: "Herauskommen aus dem Hamsterrad der Fremdbestimmung"

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Casinos Austria
04/25/2017

Casinos-Chef Stoss: Rekordbilanz zum Abschied

Warum Casinos-Austria-Boss Karl Stoss geht. Beste Ergebnisse seit Bestehen des Konzerns.

von Andrea Hodoschek

Den monatelangen Spekulationen, ob er unter der neuen Eigent√ľmer-Konstellation weiterhin an der Spitze der teilstaatlichen Casinos-Austria-Gruppe (Casag) bleibt, machte Karl Stoss nun selbst ein Ende. Er habe Aufsichtsratspr√§sident Walter Rothensteiner bereits im Vorjahr gebeten, seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag nicht zu verl√§ngern, sagte der Casinos-Chef bei der Pr√§sentation der Ergebnisse f√ľr 2016.

Als Gr√ľnde nannte der 60-j√§hrige Gl√ľcksspiel-Chef haupts√§chlich private Motive. Er wolle "herauskommen aus dem Hamsterrad der Fremdbestimmtheit", Zeit sei mittlerweile f√ľr ihn das Wichtigste. F√ľr Gesundheit, Fitness, Hobbies wie Bergsteigen und soziales Engagement. Die Kritik aus den Kreisen der neuen Eigent√ľmer habe nicht den Ausschlag gegeben.

Fad wird Stoss, einer der prominentesten und bestvernetzten Manager des Landes, mit Sicherheit nicht. Er wurde erst k√ľrzlich als Chef des √ĖOC wiedergew√§hlt und sitzt auch im International Olympic Committee. Au√üerdem ist er Vize-Aufsichtsratschef der Signa-Gruppe von Rene Benko und hat etliche Funktionen in Stiftungen und Vereinen.

Im Mai wird der Aufsichtsrat √ľber die Nachfolge entscheiden. Gr√∂√üter Aktion√§r wird die tschechische Sazka-Gruppe, gefolgt von der Staatsholding √ĖBIB und dem Novomatic-Konzern.

R√ľckkehrticket f√ľr Hoscher

Offen ist, ob der SP√Ė-nahe Vorstand Dietmar Hoscher, dessen Vertrag ebenfalls mit Jahresende ausl√§uft, verl√§ngert wird. Falls nicht, kann er mit einem nur geringen Gagen-Abschlag wieder als Generalbevollm√§chtigter weiterwerken. Im Gegensatz zu Hoscher ist Bettina Glatz-Kremsner unumstritten, ihr Vertrag l√§uft erst 2019 aus. Die Top-Managerin k√∂nnte zumindest interimistisch die Nummer eins werden.

Als Favorit der tschechischen Sazka-Gruppe f√ľr die Stoss-Nachfolge wird unter anderen Managern allerdings auch Martin Skopek genannt. Der ehemalige Vorstand der Erste Bank ist bei Sazka im Board of Directors und Gesch√§ftsf√ľhrer der Came Holding ‚Äď √ľber diese sind die Tschechen an den Casinos beteiligt. Der ehemalige Banker hat den Vorteil, den √∂sterreichischen Markt gut zu kennen.

Bis die Sazka-Gruppe auch den Kauf der LLI- und UNIQA-Anteile an den Casinos fixieren kann, k√∂nnte es laut Stoss aber noch bis 2018 dauern. Die aufsichtsrechtlichen Pr√ľfungen im Ausland, vor allem in Australien, wo die Casag an einem Casino beteiligt ist, sind teilweise √§u√üerst umfangreich.

Schlussbilanz

Nach zehn Jahren als Boss kann Stoss mit den besten Ergebnissen seit dem 50-j√§hrigen Bestehen der heimischen Gl√ľcksspiel-Gruppe abtreten. Das Konzern-Betriebsergebnis verdreifachte sich von knapp 50 auf 150 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten wurden von 700 auf 400 Millionen Euro reduziert. Auch die defizit√§re Auslandstochter CAI spielt erstmals seit Jahren keine Verluste mehr ein.

Die Online-Tochter win2day brachte im Vorjahr knapp 21 Millionen Euro Gewinn vor Steuern, das ist beinahe so viel wie alle zwölf Inlandscasinos. Wegen der geringeren Anzahl an Jackpots schrumpften zwar die Lotto-Einnahmen um drei Prozent, der Betriebserfolg stieg in den vergangenen zehn Jahren aber von 16 auf knapp 58 Millionen.

Der gr√∂√üte Gewinner ist der Staat, die Steuern und Abgaben √ľberstiegen im Vorjahr erstmals die Grenze von 600 Millionen Euro.

Was w√ľnscht Stoss seinem Nachfolger? "R√ľckgrat, Ehrlichkeit, Power und Emotion. Und dem Unternehmen eine starke Aktion√§rsstruktur."

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