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Wirtschaft von innen
04/13/2014

Casinos Austria: Alles ist möglich

Um den Drittel-Anteil der Nationalbank-Tochter Münze am heimischen Glücksspielkonzern pokert nicht nur die Staatsholding ÖIAG.

von Andrea Hodoschek

Ausgerechnet im Glücksjahr 2013 waren die Casinos Austria vom Pech verfolgt. Die Konzession in Argentinien weg, hohe Verluste bei der Auslandstochter CAI, rückläufige Umsätze in den 12 heimischen Casinos und in der Cashcow Lotto. Unterm Strich in der Bilanz 16,3 Millionen Euro Miese. Trotzdem titelte die Krone "Österreich im Glücksspielrausch", Übertitel "Rekordumsatz, Lottofieber und Besucherplus in den Casinos". So kann man eine Pechsträhne schönschreiben.

Könnte kein Zufall sein. Hinter den Kulissen wird um dieCasinos Austria(Casag) selbst gezockt, immerhin ein Konzern mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 5000 Mitarbeitern, dessen Wert auf eine Größenordnung von einigen Hundert Millionen Euro taxiert wird. Im diskreten Poker hat sich nämlich auch Krone-ChefChristoph Dichandins Spiel gebracht. Gemeinsam mit dem Investor Michael Tojner(Bild).

Dichand war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Tojner ließ über eine Sprecherin dementieren, an diesem Gerücht sei überhaupt nichts dran. Doch dem KURIER wurde aus zuverlässigen Quellen bestätigt, dass Gespräche stattgefunden haben. Dabei ging es um den Drittel-Anteil der Münze, eine Tochter der Nationalbank. Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny, SP, will die Beteiligung, die so gar nicht zu biederen Zentralbankern passt, lieber heute als morgen loswerden.

Auf diesen Anteil spitzt die Staatsholding ÖIAG. Mit Unterstützung von VP-Finanzminister Michael Spindelegger, der das Münze-Paket liebend gerne in die ÖIAG schupfen und diese zu einer großen Beteiligungsholding ausbauen möchte. Die Notenbanker, die demnächst ein Bewertungsgutachten erstellen lassen, könnten allerdings auch am Markt verkaufen. Oder die ÖIAG saniert die Casinos und sucht anschließend private Käufer für die aufgeputzte Braut.

Für Dichand&Tojner wäre es freilich praktischer, sie würden gleich mit der Nationalbank handelseins. Mit einem Drittel-Anteil fängt man aber nicht viel an, dafür braucht es schon die Mehrheit. Die ist derzeit in greifbarer Nähe. Das Bankhaus Schelhammer & Schattera hält 5,31 Prozent und will aussteigen. Kommt ethisch nicht so gut, wenn eine Kirchenbank beim Glücksspiel mitverdient.

Auch der MTB-Privatstiftung (16,79 Prozent) der 86-jährigen Maria Theresia Bablik werden Verkaufsambitionen nachgesagt. Die betagte Dame hat keine direkten Nachkommen. Offen ist, ob die zum VIG-Konzern gehörende Donau Versicherung (11,3 Prozent) im Spiel bleibt. Versicherungen müssen künftig Beteiligungen stärker mit Eigenkapital unterlegen. Fraglich, ob sich die VIG noch lange eine Beteiligung leisten will, die nicht zum Kerngeschäft gehört und deren glücklichste Zeiten vorbei sind.

Die Gesellschafter der Casag sind über einen Syndikatsvertrag verbunden. Wer verkauft, muss seine Anteile zuerst den Mitgesellschaftern anbieten. Bliebe also nur noch Raiffeisen, gemeinsam mit der UNIQA Versicherungsgruppe zweitgrößter Aktionär hinter der Münze. Eher nicht anzunehmen, dass Raiffeisen zukaufen will.

Tojner hat im Gaming-Business durchaus Erfolge vorzuweisen. Er war einer der Gründer des Online-Wettportals bwin und päppelte den an den Novomatic-Konzern verkauften Internet-Spieleentwickler Greentube auf. Weniger lukrativ war das Investment bei Starbet. Mit der Familie Dichand ist der Selfmade-Unternehmer über das Dorotheum verbunden. Die Bertha Privatstiftung von Christoph und seiner Frau Eva Dichand hält knapp 16 Prozent, Schwester Johanna Dichand 13,37 Prozent. Tojner hat 15 Prozent und sitzt mit Johanna Dichand im Aufsichtsrat.

Der Krone-Chef müsste sich einen möglichen Einstieg bei den Casinos vermutlich vorfinanzieren lassen. Denn die Verlassenschaft von Krone-Gründer und Vater Hans Dichand scheint fast vier Jahre nach dem Tod des Medienzaren immer noch nicht abgewickelt zu sein. Darauf lassen Einträge im Firmenbuch schließen.

Tojner rittert bekanntlich mit dem Casinoprojekt "Flamingo" im Wiener Hotel InterContinental um eine der Casino-Neukonzessionen in Wien, die das Finanzministerium im Mai vergeben will. Und will am angeschlossenen Gelände des Eislaufvereins einen Turm mit Luxuswohnungen in die Höhe ziehen. Sein schärfster Konkurrent hat auch Ambitionen in Richtung Casag. Der deutsche Automatenkonzern Gauselmann ist mit der Schweizer Stadtcasino Baden AG ins Rennen um eine Lizenz gegangen und will im Palais Schwarzenberg das "Grand Casino Wien" bespielen.

"Wenn wir den Zuschlag in Wien bekommen, damit im österreichischen Markt sind und es gibt ein transparentes Verkaufsverfahren für Anteile an den Casinos Austria, das vom Konzessionsgeber, dem Finanzministerium gestützt wird, sind wir absolut interessiert, daran mitzumachen", bestätigtHubert Thonhauser(Bild), Aufsichtsratsvorsitzender der Bewerbergesellschaft. Dafür könnten die Schweizer und die Gauselmänner noch Private-Equity-Investoren ins Boot holen.

Thonhauser war bis 2012 Geschäftsführer der Schweizer Tochter der Casag, die vor einigen Jahren beinahe die Mehrheit an der Stadtcasino Baden AG übernommen hätte. Der Deal wurde im letzten Augenblick abgebrochen, die Casag brauchte das Geld für ihre Auslandstochter.

Wäre noch die Novomatic. Der hoch rentable Konzern des Industriellen Johann F. Graf könnte sich die Casinos Austria locker leisten. Novomatic-General Franz Wohlfahrt hält sich allerdings bedeckt. Die in Österreich im Automatenspiel stark präsente Novomatic hätte vermutlich ohnehin ein Wettbewerbsproblem.

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