Die Konkurrenz lässt grüßen: Platzhirsch Karl Stoss (Casinos Austria), Century-Vorstand Erwin Haitzmann, InterContinental-Besitzer Michael Tojner, Novomatic-General Franz Wohlfahrt, Paul Gauselmann (v. li.)

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Wirtschaft von innen
03/16/2014

Casino-Konzessionen: Der Nervenpoker der Glücksritter

Ausschreibung im Finale. Für die Anbieter steht viel auf dem Spiel.

von Andrea Hodoschek

In der Glücksspielbranche liegen die Nerven blank. Erstmals vergibt das Finanzministerium Neu-Konzessionen für Voll-Casinos – Spielstätten mit traditionellem Croupier-Spiel an Tischen und Automaten. Die Zeit wird knapp, ab 1. Juli sollen die Lizenzen laufen. Für die vier Bewerber (siehe unten) steht viel auf dem Spiel. Nicht nur Prestige, auch hohe Einsätze.

In Wien werden zwei regional eingeschränkte Lizenzen vergeben, in Niederösterreich eine Konzession. Der Glücksspielkonzern Novomatic dürfte eine Konzession schon so gut wie sicher in der Tasche haben. Für die Region Wien-Nordost, die den Prater umfasst, hat keiner der Konkurrenten mitgeboten.

Spannender ist das Rennen um Konzession Nummer zwei. Die Innenstadt bleibt geschützte Werkstätte, dort betreibt der Platzhirsch Casinos Austria den "Cercle" in der Kärntner Straße. Doch außerhalb des Rings lauert die neue Konkurrenz in Gehweite. Mit dem " Casino Flamingo" im Hotel InterContinental und dem "Grand Casino" im Palais Schwarzenberg. Beide Projekte würden dem "Cercle", einem der noch am besten laufenden Inlandsbetriebe der Casinos Austria (Casag), empfindliche Einbußen bescheren.

Der drohende Wettbewerb ist nicht die einzige Sorge, die Casag-Chef KarlStoss derzeit plagt. Im einst lukrativen Auslandsgeschäft hat die Gruppe wenig Fortune. Als man die Sanierung endlich auf Schiene glaubte, entzog die argentinische Regierung den Casinos Austria International Ende 2013 die Lizenz. Abschreibungsbedarf: 45 Millionen Euro. Hintergrund dieser kalten Enteignung dürften Begehrlichkeiten eines Investors sein, dem eine Nahebeziehung zu Argentiniens Präsidentin Christina Kirchner nachgesagt wird.

Den Drittel-Aktionär Münze Österreich, eine Tochter der Nationalbank, wird Stoss auch bald los sein. Vor allem VP-Chef Michael Spindelegger möchte den Münze-Anteil in eine aufgewertete Staatsholding ÖIAG einbringen, die SPÖ ist mittlerweile ebenfalls dafür. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, SP, der sich in der Riege der europäischen Zentralbanker immer wieder Späßchen über die für Notenbanken eher unübliche Glücksspielbeteiligung anhören muss, wäre dieses Engagement vermutlich lieber heute als morgen los.

"G’schenkt gibt’s den Münze-Anteil aber nicht", will man in der Notenbank Geld von der ÖIAG sehen. Man darf gespannt sein, wie hoch die Bewertung ausfallen wird. Derzeit fettet nur die Lotterien-Tochter die Bilanz der Casag auf.

Für Unbehagen in Regierungskreisen sorgte kürzlich die Ankündigung von Stoss im Aufsichtsrat, es gebe eine interessierte Investorengruppe. "Keine Experimente, die Casag-Beteiligungen sind hoch sensibel. Immerhin geht es um Standortinteressen", argumentiert man in der Regierung. Die ÖIAG hätte natürlich gerne die Mehrheit an der Casag und will rasch sanieren.

Dafür müssten das Bankhaus Schellhammer & Schattera (5,3 Prozent) und die private Aktionärin Maria Theresia Bablik (16,8 Prozent) verkaufen. Im Stiftungsvorstand der alten Dame sitzt immer noch Ex-Casinos-Chef Leo Wallner. Einer Änderung in Aktionärskreisen müssten allerdings die Mitgesellschafter zustimmen. Raiffeisen als einer der größten Gesellschafter will sich nicht zurückziehen, die Beteiligung steht sehr niedrig in den Büchern.

Ungemach droht Stoss an einer weiteren Front. Um den Spielerschutz zu gewährleisten, müssen alle Automaten ab Juli an das Bundesrechenzentrum (BRZ) angeschlossen werden. Das Finanzministerium will ein System verordnen, das angeblich nur in den Slot-Maschinen der Novomatic installierbar ist. Eine "Lex Novomatic", existenzbedrohend für die Casinos Austria, schäumt man bei der Casag und beeinsprucht den Verordnungsentwurf massiv.

Kritik in Sachen Spielerschutz muss sich die deutsche Gauselmann-Gruppe gefallen lassen, die das Projekt im Palais Schwarzenberg finanziert. Über den zum Konzern gehörenden Wettanbieter Cashpoint würde in Österreich nicht erlaubtes Online-Gambling mit Casino-Spielen ermöglicht, lauten die Vorwürfe. Und zwar mit der "Cashpoint member.card", die ohne Identifikation die Ein- und Auszahlung hoher Geldbeträge ermögliche. "Stimmt nicht", kontert Gauselmann-Konzernsprecher Mario Hoffmeister, mit dieser Karte könne man von Österreich aus nicht zocken. Wobei, räumt er ein, ganz wasserdicht seien solche Beschränkungen nie.Konzerngründer Paul Gauselmann kam in Deutschland übrigens mit Parteispenden in die Medien. Zwar stellte die Staatsanwaltschaft 2011 alle Erhebungen ein, aber "nicht alles, was nicht strafbar ist, ist auch korrekt", kommentierte etwa die Süddeutsche. Die Spenden waren nicht über das Unternehmen, sondern über die Führungskräfte persönlich gelaufen. Seither spendet Gauselmann immer mindestens 10.000 Euro an Parteien. Ab dieser Summe sind Zuwendungen veröffentlichungspflichtig.

Da die Gauselmänner bis dato bei den Automaten-Konzessionen in den Bundesländern nicht zum Zug kamen und auch ihren Spielbetrieb im Prater wieder zusperrten, wird das Schwarzenberg-Projekt mit viel Nachdruck betrieben. Jetzt lockt der Palais-Eigentümer, die Familienstiftung der Schwarzenbergs, mit einer teilweisen Öffnung des prächtigen Parks für die Allgemeinheit. Bedingung ist freilich die Lizenz zum Zocken.

Wer um die Konzessionen rittert

Casinos Austria

Der Platzhirsch betreibt zwölf Spielbetriebe in Österreich und erhielt nach der von der EU angeordneten erstmaligen Ausschreibung alle zwölf Konzessionen wieder. Der Glücksspielkonzern, dessen größte Aktionäre die Raiffeisen-Gruppe und die Münze sind, hat sich für die neuen Einzelkonzessionen in Wien und Niederösterreich beworben. Die Standorte werden strikt geheim gehalten. Casinos Austria hat grobe Probleme im Auslandsgeschäft, die Cash-Cow der Gruppe ist die Lotterien-Tochter.

Novomatic

Der Konzern des Industriellen Johann F. Graf betreibt die Automaten-Casinos Admiral (Prater) und Monte Laa (Böhmischer Prater). Bewarb sich in Wien mit beiden Spielstätten sowie für einen neuen Standort in Niederösterreich. Mangels Mitbietern dürfte Novomatic für das Admiral-Casino die Voll-Konzession bekommen. Sollte die Stadt Wien ab 2015 das Automatenspiel tatsächlich verbieten, müsste Novomatic ohne neue Konzession beide Automaten-Casinos sperren.

Grand Casino Wien

28 Spieltische und 280 Slot-Maschinen planen die Schweizer Stadtcasino Baden AG und die deutsche Automatengruppe Gauselmann im seit Jahren leer stehenden, denkmalgeschützten Palais Schwarzenberg. Betreiber wäre Stadtcasino Baden, die zwei Drittel an der gemeinsamen Gesellschaft hält. Gauselmann, dessen Gründer wiederum mit zehn Prozent größter privater Aktionär der Schweizer ist, tritt als Finanz-Investor auf. Neben dem Casino sind ein Boutique-Hotel sowie eine Parkgarage konzipiert.

Casino Flamingo

Das Projekt im InterContinental am Wiener Stadtpark setzt auf Eleganz im Retro-Stil der 60er-Jahre samt Dresscode, geplant ist Europas vornehmstes Hotel-Casino. In der Betreibergesellschaft sind die börsenotierte Glücksspielgesellschaft Century Casinos, die den Spielbetrieb führen würde, sowie InterContintental-Eigentümer Michael Tojner, private Investoren und Szene-Gastronom Bernd Schlacher (Motto). Geplant sind 25 Spieltische und 318 Automaten, 150 Jobs sollen entstehen.

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