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Wirtschaft
11/30/2021

BWB-Chef Thanner zieht sich zurück

Amtszeit endet Mitte 2022. Stellvertretende Generaldirektorin übernimmt interimistisch. Zuletzt Streit um Unabhängigkeit mit Schramböck.

Der langjährige Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner, zieht sich zurück. "Ab sofort bis zur Entscheidung der Nachfolge wird die stellvertretende Generaldirektorin, Dr. Natalie Harsdorf Borsch, die Leitung der BWB interimistisch innehaben", teilte die Kartellbehörde am Dienstag mit. Zuletzt lieferte sich Thanner mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) eine öffentliche Auseinandersetzung um die Unabhängigkeit der BWB.

"Zug der Zeit"

Der 61-jährige Jurist, der seit 2007 an der Spitze der BWB stand, sprach gegenüber der APA vom "Zug der Zeit". Thanners dritte Amtszeit läuft noch bis 30. Juni 2022. Wer ihm nachfolgt, soll sich im Frühjahr entscheiden. Ausschreibung und Bewerbungsverfahren sind für Anfang nächsten Jahres geplant.

Thanner erklärte am Dienstag, für keine weitere Funktionsperiode zur Verfügung zu stehen. "Nach 15 erfolgreichen Jahren als Generaldirektor für Wettbewerb und Leiter der Bundeswettbewerbsbehörde ist es an der Zeit, die Verantwortung für die BWB und die Leitung der BWB abzugeben." Er will sich nun "neuen Aufgaben" zuwenden.

Thanner war 2007 unter ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein Generaldirektor der BWB geworden. 2012 und 2017 wurde er vom damaligen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wieder bestellt. Davor war Thanner unter anderem Kabinettschef von Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) und Kanzleichef von Salzburgs Landeshauptmannes Hans Katschthaler (ÖVP).

Unter Thanner war die BWB eine schlagkräftige Ermittlungsbehörde geworden, deckte mehrere Kartelle etwa im Lebensmittelhandel auf und führte über hundert Hausdurchsuchungen durch. Zuletzt waren die Wettbewerbshüter einem Baukartell auf der Spur. Thanner sprach dabei von den umfangreichsten Ermittlungen in der Geschichte der BWB. Diese führten heuer zu den bisher höchsten Kartellstrafen. Die Strabag musste rund 45 Mio. Euro zahlen, die Porr über 62 Mio. Euro.

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