Wirtschaft
06.09.2017

Butter so teuer wie seit der Euro-Einführung nicht mehr

Rewe. Die Preisausschläge waren vorhersehbar, sagt Chef Frank Hensel. Er setzt auf Vertragslandwirtschaft.

Butter ist derzeit so teuer wie schon lange nicht mehr. "Ich glaube, wir sind am höchsten Stand seit der Euro-Einführung", sagt Rewe-Chef Frank Hensel (Billa, Merkur, Penny, Adeg). Hintergrund sind die sinkenden Mengen am Weltmarkt. Nach dem jüngsten Milchpreisverfall haben einerseits Betriebe die Produktion runtergefahren und andererseits neue Absatzkanäle gesucht und gefunden.

Milch wurde in der Folge oft zu Milchpulver verarbeitet und exportiert, das Fett davon getrennt an die verarbeitende Industrie geliefert, mit der längerfristige Kontrakte geschlossen wurden, erklärt Hensel. In der Folge ist Butter jetzt knapp und um 80 Prozent teurer als noch im Mai 2016. Dass das für Unmut bei Konsumenten sorgt, sei für ihn nachvollziehbar, man müsse aber die Kirche im Dorf lassen, findet der Rewe-Boss: "Wir sind jetzt bei 2,39 Euro für ein Stück Butter. Ich finde das nicht unmöglich, für ein Stimulationsgetränk zahlen Sie fast das gleiche." Im Mai 2016 lag der Preis der Rewe-Diskont-Eigenmarkenbutter, die jetzt 2,39 Euro kostet, noch 1,29 Euro. Hensel geht davon aus, dass es wieder eine Entspannung an der Preisfront geben wird. "Die Volatilität im Markt ist groß, Ausschläge wie der aktuelle waren vorhersehbar."

Für die Lebensmitteleinzelhändler in Österreich ist das erste Halbjahr 2017 gut gelaufen. Marktführer Rewe hinkt beim Wachstum aber etwas hinterher, wie selbst Hensel einräumt – allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Grund dafür ist die Neuverteilung des Zielpunkt-Umsatzkuchens, bei dem Rewe als Marktführer das kleinste Stück abbekommen hat. "Wir mussten 27 Standorte schließen, dafür dass wir 30 Zielpunkt-Märkte übernehmen durften", verweist er auf die Auflagen der Wettbewerbshüter.

Eigene Verarbeitung

Heuer investiert Rewe 350 bis 360 Millionen Euro in Österreich, ein großer Teil davon fließt aber an den Filialen vorbei. Rewe rüstet im Hintergrund auf – etwa bei der Logistik oder einem Fleischzerlegebetrieb in Eberstalzell (OÖ). Dort sollen jährlich 20.000 Tonnen Frischfleisch für Billa, Merkur und Adeg-Filialen in Westösterreich verarbeitet werden. Zudem investiert der Konzern in den Convenience-Bereich, also ins Snack-Geschäft, das vor allem im urbanen Bereich boomt. Derzeit produziert Rewe in Inzersdorf Convenience-Eigenmarken wie Chef Menü oder Simply Good. Heuer wird in Traiskirchen auf 5000 Quadratmetern ein fünf mal größeres Werk in Betrieb genommen.

Zudem treibt Rewe vertikale Kooperationen weiter voran, baut etwa das Konzept der Vertragslandwirtschaft aus – vor allem im Bio-Bereich, wo die verfügbaren Mengen knapp sind. Den Vorwurf, dass der Konzern Bauern in ein Abhängigkeitsverhältnis bringt, lässt Hensel freilich nicht gelten. "Wir verpflichten uns auf fünf Jahre, die Ernte unserer Bio-Getreidebauern abzunehmen, die Bauern können aber jedes Jahr kündigen. Sie können also nicht sagen, dass sie in den Fängen des großen Konzerns sind." Rewe hat Kooperationen mit rund hundert Landwirtschaftsbetrieben.

Rewe beschäftigt österreichweit 42.500 Mitarbeiter. Sie müssen bis 2021 auf den neuen Handels-KV umgestellt werden, unter dem Berufseinsteiger künftig mehr verdienen. Im Gegenzug wird die Einkommenskurve insgesamt flacher.