Wirtschaft
28.02.2015

Budget-Hotel Motel One rollt den Markt auf

Der Hotel-Diskonter drängt in die Innenstädte und verdient mehr Geld als Luxushotels.

Dieter Müller hat im Jahr 2000 die Budget-Hotelkette Motel One gegründet, zu der heute 48 Hotels gehören. Österreich ist der größte Auslandsmarkt der Münchener Kette. Diese Woche wurde das dritte Hotel in Wien eröffnet (mehr dazu lesen Sie hier).

KURIER: Zu Motel One gehören 48 Hotels – im Dezember haben Sie allerdings neun Häuser verkauft. Gehören Sie doch nicht zu den Krisengewinnern?

Dieter Müller: Alle neun Häuser waren profitabel, aber sie haben nicht mehr ins Bild von Motel One gepasst.

Warum?

Es waren Häuser aus unserer Anfangszeit, nicht so zentral gelegen, mit nur 70, 80 Zimmern und keinem Platz für große Bar-Bereiche. Das entspricht nicht mehr unserem heutigen Konzept.

Das heißt, die Häuser hätten der Marke geschadet?

So kann man es sagen.

Die Marke soll 1 Milliarde Euro wert sein. Juckt es Sie da nicht, gleich alles zu verkaufen?

Nein, ich wüsste gar nicht, wie ich das Geld anlegen soll. Im Hotelgeschäft kenne ich mich aus, da bleibe ich. Das ist besser, als das Geld einer Bank zu geben.

Große Hotelketten sind meist nur Betreiber der Häuser, das heißt sie pachten die Immobilie für 20, 30 Jahre. Sie sind bei 23 Häusern auch Eigentümer der Immobilie. Wieso eigentlich?

Das hängt mit der Kategorie der Häuser zusammen. Bei Budget-Hotels sind die Rendite-Erwartungen höher als im Luxussegment. Deswegen sind sie auch als Investment interessanter. Luxushäuser sprechen andere Investorengruppen an.

Welche?

Ein Oligarch oder Scheich will ein Vorzeigeobjekt besitzen, wie eine Trophäe. Solchen Leuten geht es dann nicht mehr um die Rendite.

Wie schauen die Renditen denn aus?

Bei Budgethotels geht man von 8 bis 12 Prozent der investierten Summe aus, im Luxussegment von vier Prozent bis gar nichts.

Sie selbst haben auch ein Luxushotel in Kitzbühel – den Kitzhof. Eine Trophäe?

Eher ein Überbleibsel. Ich habe ja die Astron-Hotels aufgebaut und 2001 an die spanische NH-Gruppe verkauft. NH wollte aber kein Hotel in den Bergen und ich hatte eine starke emotionale Bindung zum Haus.

Sie treffen auch emotionale Entscheidungen?

Um gute Entscheidungen zu treffen, muss man ein wenig schizophren sein. Nur rational sein reicht nicht.

Motel One gibt es derzeit ausschließlich in Städten. Wird das so bleiben?

Ja, das ist ein urbanes Konzept. Wir können ja nur so billig anbieten, weil wir uns auf das Zimmer und die Bar konzentrieren. Wir haben keine Seminarräume, keine Sauna, keinen Pool, kein Restaurant und damit weniger Kosten.

Vielleicht wollen manche Urlauber in Schladming oder Kitzbühel auch gar nicht mehr?

Man braucht in solchen Orten zumindest ein Restaurant. In Kitzbühel bekommen Sie zur Hauptsaison nirgends einen freien Tisch. In einem Hotel ohne Restaurant würden Sie fast verhungern (lacht).

Motel One hatte zwei Sterne, jetzt keinen mehr. Warum?

Die Sterne-Klassifizierung geht am Kunden vorbei. Der Gast will wissen, wie die Lage ist, ob das Hotel sauber ist ... Das alles erfährt er in den Kundenbewertungen, dazu braucht er keine Sterne. Die Regeln, nach denen man Sterne bekommt, machen oft keinen Sinn.

Zum Beispiel?

Ausschlaggebend dafür, ob wir in Deutschland einen dritten Stern bekommen hätten, wäre gewesen, ob wir einen zweiten Papierkorb in die Zimmer stellen.

Sie wollten 2017 in New York starten. Bleibt es dabei?

Die Kosten für das Projekt sind so stark angestiegen, dass wir ausgestiegen sind. Wir konzentrieren uns jetzt auf Europa, wollen die Zahl der Häuser vervierfachen, jährlich bis zu 3000 zusätzliche Zimmer bauen.

Wie viel Geld steckt in einem Zimmer?

10.000 Euro und alle fünf Jahre werden die Zimmer komplett neu eingerichtet.

Sie wollten sich Geld an der Börse holen. Ist das Thema auch gestorben?

Momentan schon. Die Investmentbank Morgan Stanley hält 35 Prozent unserer Anteile und wird sich sicher einmal davon trennen. Das könnte im Zuge eines Börsegangs passieren, ist aber derzeit kein Thema.

In Wien haben Sie im 1. Bezirk nun das dritte Motel One in der Stadt eröffnet, ein weiteres am Hauptbahnhof folgt im Sommer. Wann ist der Plafond erreicht?

Mit dem Hauptbahnhof werden wir 1700 Zimmer in der Stadt haben und einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Vielleicht kommt noch ein Haus dazu. Soravia (Anm: Immobilienunternehmen) hat das alte Postgebäude beim Schwedenplatz gekauft, will dort aber Wohnungen bauen. Schauen wir mal, was daraus wird.

2011 haben Sie gesagt, dass Sie 2016 rund 120 Hotels haben wollen. Was hat die Expansion gebremst?

In Osteuropa waren die Standorte nach der Finanzkrise nicht mehr zu finanzieren. Noch heute bekommen Sie in Ungarn keine vernünftige Finanzierung. Derzeit wachsen wir stark in England, haben allein in Manchester zwei neue Häuser im Bau. Es geht aber nicht primär um die Zahl der Hotels, sondern darum, Top-Lagen zu bekommen.

Herr der Billig-Betten

Dieter Müller: Der Saarländer hat mehr als ein Jahrzehnt für die Hotelgruppe Accor gearbeitet, bevor er seine erste eigene Hotelkette – Astor – gründete. Diese verkaufte er später an die spanische NH-Gruppe und zog mit Motel One eine Budget-Hotelkette hoch. Der 60-Jährige hat sich mit dem SAP-Gründer Dietmar Hopp und der Investmentbank Morgan Stanley Investoren an Bord geholt.

Motel One: 2014 hat die Gruppe 256 Mio. Euro umgesetzt und 127 Mio. investiert. Der Gewinn vor Steuern betrug 50 Mio. Euro. Motel One gibt es in Deutschland, Österreich, Großbritannien und Belgien. In Österreich hat Motel One ein Joint Venture mit der Verkehrsbüro-Gruppe.

Schlafen zum Diskontpreis

„Hoteliers klagen gerne, aber die Statistik sagt etwas anderes“, sagt Motel-One-Chef Dieter Müller. Europas Hoteliers haben demnach im Vorjahr unterm Strich nicht nur mehr Gäste begrüßt, sondern auch mehr verdient.

Einen immer größeren Teil vom Umsatzkuchen holen sich Budget-Hotels, also Häuser, die außer einem guten Bett wenig bieten. Es gibt weder ein Restaurant noch ein Pool – dafür einen günstigen Preis. Motel One matcht sich in diesem Bereich unter anderem mit internationalen Ketten wie Ibis (Teil der französischen Accor-Gruppe, zu der auch Sofitel, Mercure und Pullman zählen), B&B oder Holiday Inn.

Die Nachfrage nach günstigen Zimmern nimmt in Zeiten klammer Reisebudgets in Firmen und Haushalten weiter zu. Parallel dazu versuchen immer mehr Konzerne, auf diesem Markt mitzumischen. Unter anderem startet die US-Kette Marriott (3800 Hotels) gemeinsam mit dem Möbelhaus Ikea ein Billigformat namens Moxy, das 2017 auch am Wiener Flughafen an den Start geht. Auch die Hilton-Gruppe (4200 Hotels) beschränkt sich längst nicht mehr auf den Verkauf von Nobelzimmern. Sie spielt mit ihren Hotel-Marken Double Tree und Hampton im unteren Preissegment mit.

Die österreichische Verkehrsbüro-Gruppe – mit ihren Austria-Trend-Hotels vorwiegend in der Konferenz-Hotellerie im Vier-Sterne-Bereich tätig – hat für den Budget-Hotel-Markt ein Joint-Venture mit Motel One gegründet. In Österreich ist das Verkehrsbüro mit aktuell 27 Austria-Trend-Hotels und den Beteiligungen an den fünf Häusern von Motel One in Österreich die Nummer eins am Markt. Allein in Wien zählen 20 Hotels mit mehr als 8300 Betten zum Konzern.