Wirtschaft
18.12.2018

Brisantes Geschenk: Asfinag-Chef erhielt Haus um 1,3 Millionen Euro

Stiftung vermietet der Asfinag die Konzern-Zentrale in Wien. Stifterin hat Schierhackl mit Immobilie bedacht. Aufsichtsrat weitet Prüfung aus.

Im staatlichen Autobahnkonzern Asfinag kehrt kein Weihnachtsfrieden ein. Gut drei Wochen, nachdem der KURIER über einen brisanten Vorwurf gegen Vorstandschef Klaus Schierhackl berichtete, wird heute, Dienstag, die vom Aufsichtsrat eingesetzte Untersuchungskommission ihre Befragungen fortsetzen.

Zur Erinnerung: Eine Asfinag-Mitarbeiterin wirft Schierhackl vor, sie am 7. Mai 2014 bei einer Besprechung mit einer anstößigen Bemerkung vor Zeugen belästigt zu haben. Sie fordert mithilfe der Arbeiterkammer Schadensatz. Vergangenen Dienstag wurden die Mitarbeiterin, ihr Vorgesetzter und ein Ex-Asfinag-Vorstand als mutmaßliche Ohrenzeugen befragt. Am Schluss soll Schierhackl selbst vor die U-Kommission getreten sein. Er bestreitet den Vorwurf vehement.

„Ich habe niemanden sexuell belästigt. Es geht jetzt nur darum, den Schierhackl irgendwie von hinten anzupatzen“, sagte Schierhackl vor drei Wochen zum KURIER.

„Das ist meine Privatsache“

Doch nun gibt es neue Aufregung um Schierhackl. Der KURIER erhielt von Asfinag-Insidern eine brisante Information zugespielt. Die Zentrale der Asfinag ist in der Wiener Rotenturmstraße untergebracht, der Autobahnbetreiber hat vier Etagen kurz vor der Jahrtausendwende von einer älteren Dame bzw. ihrer 2004 gegründeten Privatstiftung angemietet. Indes ist Schierhackl im Oktober 2007 in den Asfinag-Vorstand aufgestiegen.

Mit der Stifterin, die angeblich in der obersten Etage in der Rotenturmstraße wohnt, verbindet Schierhackl ein freundschaftliches Verhältnis, erzählen Asfinag-Mitarbeiter. Er besucht sie ab und zu nicht nur zum Mittagstisch – angeblich auch mit seinem minderjährigen Sohn. Diese 78-jährige Dame soll Schierhackls Sohn ein Haus im Marchfeld geschenkt haben, behaupten die Insider. Das ist nicht richtig.

„Sie hat mir das Haus geschenkt, aber das ist meine Privatsache. Das kann man im Grundbuch nachschauen“, sagt Schierhackl zum KURIER. „Wir haben uns erst in den letzten Jahren näher kennengelernt. Sie ist wie eine Schwester zu mir und wie eine Oma zu meinem Sohn. Ich feiere mit ihr sogar den Heiligen Abend und den 25. Dezember.“ Nachsatz: „Sie hat ein Wohnrecht auf Lebenszeit, und ich fahre am Dienstag mit ihr wieder raus,um den Garten zu betreuen.“

Schierhackl zufolge befindet sich das Haus im niederösterreichischen Marchegg.

Laut Grundbuch-Auszug übergab die alte Dame am 29. Mai 2015 Schierhackl eine Liegenschaft samt Haus mit 6415 Quadratmeter Gesamtfläche und 627 Quadratmeter Baufläche. „Der gemeine Wert des Schenkungsobjekts beträgt laut Schätzgutachten eines Gerichtssachverständigen 1,3 Millionen Euro“, heißt es im Notariatsakt. Zugunsten der Übergeberin ist ein Veräußerungs- und Belastungsverbot eingetragen sowie „ein lebenslanges und unentgeltliches Wohnungsgebrauchsrecht“. Zugleich übernahm Schierhackl den Erlag der Grunderwerbssteuer in Höhe von 45.500 Euro

Der Asfinag-Chef legt Wert auf die Feststellung, dass er schon vor Jahren alles, was die Anmietung und die Hausverwaltung betrifft, seinem Co-Vorstand übergeben habe. Das sei dokumentiert. „Ich mag Privates und Berufliches nicht verquicken, von daher ist da nichts dahinter“, sagt Schierhackl. Aus dem Verkehrsministerium heißt es dazu, man vertraue darauf, dass die Untersuchungskommission alle Vorwürfe prüfe.

Aufsichtsrat weitet Untersuchung aus

Indes hat der Peter Franzmayr, der Aufsichtsratschef der Asfinag, die Aufsichtsratsmitglieder darüber informiert, dass das Gremium aufgrund des heutigen KURIER-Berichts die Untersuchungen des Kommission "im Kontext der Vorwürfe gegen den Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl "auf allgemeine Compliance- und Governance-Themen ausweitet". Außerdem will Schierhackl noch heute eine Stellungnahme dazu abgeben.

Denn die Verhaltensregeln in der Asfinag sind streng. Als Mitarbeiter eines staatlichen Unternehmens sind die Mitarbeiter Amtsträger. So dürfen sie Weihnachtsgeschenke, die einen Wert von 15 Euro übersteigen, nicht behalten und müssen sie für eine Tombola übergeben.