Brasilien: Gericht stoppt Mega-Staudamm

Ein Gericht ordnete einen Baustopp für das drittgrößte Damm-Projekt der Welt an. Die Einwohner demonstrieren seit Jahren gegen das Projekt, das auch von einer österreichischen Firma umgesetzt wird.

Der Belo-Monte-Damm soll der drittgrößte Staudamm der Welt werden. Nun verordnete ein Richter den Baustopp für das Mega-Projekt am brasilianischen Xingu-Fluss. Der Bau des umstrittenen Staudamms hindere die Ureinwohner am Fischen, hieß es zur Begründung. Das Baukonsortium Norte Energia will planmäßig 2015 die erste Turbine des Wasserkraftwerks im Amazonas in Betrieb nehmen. Die Baukosten wurden mit 7,7 Milliarden Euro veranschlagt. Nur sagte ein Gericht aber, das Konsortium dürfe keine Infrastrukturmaßnahmen vornehmen, die den natürlichen Fluss des Xingu-Flusses und damit den Fischbestand und das Fischen der Ureinwohner beeinträchtigten. Erst im Juni hatte die brasilianische Umweltbehörde das Projekt genehmigt. Der Staudamm wird von der brasilianischen Regierung als zentral für die nationale Energieproduktion angesehen. Amtlichen Angaben zufolge soll eine Fläche von 500 Quadratkilometern geflutet werden... ...rund 16.000 Menschen müssen umgesiedelt werden. Auch Dörfer an den Nebenflüssen des Xingu sind betroffen, wie dieses Dorf am Bacaja. Ureinwohner der betroffenen Region und Umweltschützer laufen seit Jahren Sturm gegen die Staudamm-Pläne. Das Projekt sei wirtschaftlich unrentabel und eine ökologische und soziale Katastrophe für die dort lebenden Menschen, heißt es vonseiten des WWF. Das Bauvorhaben entziehe den Einheimischen ihre traditionellen Wirtschaftsgrundlagen und erschwere ihren Zugang zu Versorgungszentren, wird argumentiert. Gegner beklagen, dass auch unter der neuen Präsidentin Dilma Rousseff die Menschen im Amazonasgebiet politisch ignoriert würden. Kritisiert wird auch der österreichische Anlagenbauer Andritz. Der steirische Konzern sicherte sich einen Auftragsanteil in dreistelliger Millionenhöhe. Auf den Baustopp reagierte die Firma gelassen: "Wir gehen davon aus, dass wir den Auftrag ausführen werden". Zu den prominentesten Gegnern des Belo-Monte-Damms gehört der Starregisseur James Cameron ("Titanic", "Avatar"). Der kanadische Oscar-Preisträger hat gewarnt, die lokalen Stämme im Amazonas-Regenwald könnten Gewalt anwenden, um den Bau zu stoppen. Der britische Sänger Sting unterstützt die lokale Bevölkerung ebenfalls bei ihrem Kampf gegen das Mega-Projekt. Und auch die Kirche protestiert gegen den Staudamm. Einer der engagiertesten Kämpfer gegen das Vorhaben... ...ist der aus Österreich stammende Bischof von Altamira, Erwin Kräutler. "Es ist einfach nicht wahr, dass die indigenen Völker nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Man sagt, ihre Dörfer werden nicht überflutet, aber die Wahrheit ist, dass man ihnen das Wasser abschneidet", so Kräutler. Umweltorganisationen begrüßen den Baustopp als Etappensieg, warnen aber vor verfrühtem Jubel: "Die aktuelle richterliche Verfügung kann in der nächsten Instanz in Brasilia angefochten werden", warnt der WWF.

Mehr zum Thema

(APA / lef) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?