Bitpanda-Chef: "Wir sind nicht im Kryptowinter"
Seit dem vergangenen Jahr führt Lukas Enzersdorfer-Konrad bei der Wiener Kryptobörse Bitpanda offiziell die Geschäfte. Dass die Kryptowährungskurse zuletzt deutlich nach unten gegangen sind, beunruhigt ihn nicht, sagt er im Interview mit dem KURIER.
KURIER: Bitcoin und andere Kryptowährungen haben seit Anfang Oktober stark an Wert verloren. Steht jetzt ein Kryptowinter, also ein länger anhaltender Abschwung, bevor?
Enzersdorfer-Konrad: Wenn man sich anschaut, wo Kryptowährungen vor einem Jahr gestanden sind und wo sie heute stehen, dann ist es circa auf demselben Niveau. Wir sind nicht im Kryptowinter, auch nicht in einem Bärenmarkt. Man merkt aber, dass geopolitische Risiken, die den Kapitalmarkt belasten, auch die Kryptomärkte belasten. Hochrisikoassets sind immer stärker von Unsicherheit betroffen. Im Vergleich zum Aktienmarkt fallen die Kurse überproportional. Nach dem sehr starken Jahresbeginn durch die Trump-Administration in den USA hat auch eine gewisse Konsolidierung stattgefunden.
Lukas Enzersdorfer-Konrad übernahm nach dem Wechsel der Bitpanda-Gründer Paul Klanschek und Eric Demuth in den Aufsichtsrat im November die alleinige Geschäftsführung der Wiener Kryptobörse.
Die 2014 gegründete Handelsplattform zählt 7 Mio. Nutzer und zählt zu den größten Kryptobörsen in Europa. 2024 erwirtschaftete Bitpanda einen Umsatz von 393 Mio. Euro.
Wie wirkt sich solche Kursschwankungen auf Ihr Geschäft aus? Gehen Neukundenzahlen in solchen Phasen zurück?
Dass die Handelsaktivitäten nach oben gehen, wenn die Kurse steigen oder umgekehrt, war vor Jahren ein viel stärkerer Faktor, nicht nur bei Bitpanda. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Rund 15 Prozent der Bevölkerung investiert in Kryptowährungen oder hat das schon einmal getan. Die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen sind viel stärker in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie sind keine Randerscheinung mehr.
Dass Sie Ihr Geschäft breiter aufgestellt haben und von einem reinen Krypto-Broker zu einer breiten Investmentplattform und zum Infrastrukturanbieter für Banken, hilft Ihnen auch, Schwankungen auszugleichen?
Das hilft definitiv. Wir haben in unserem Umsatzmix planbare und längere Komponenten.
Wie teilen sich Ihre Umsätze auf?
Vor zwei, drei Jahren sind hundert Prozent unserer Umsätze aus der Handelsaktivität gekommen. Mittlerweile haben wir mehr als ein Drittel aus anderen Aktivitäten, das steigt laufend. Die Verbreiterung unseres Geschäftsmodells funktioniert.
2024 haben Sie Ihren Umsatz verdoppelt. Wie ist es 2025 gelaufen?
Wir können dazu noch keine Kommentare abgeben. Das machen wir erst, wenn die Zahlen feststehen. Es war aber definitiv ein positives Jahr für uns, mit dem wir sehr zufrieden sind.
Lukas Enzensdorfer-Konrad
Sie haben im vergangenen Jahr bei Bitpanda auch offiziell das Steuer übernommen. Was ändert sich dadurch im Unternehmen?
Sehr wenig. Die Übergabe von Paul Klanschek und Eric Demuth zu mir haben wir schon zwei Jahre sukzessive geplant und durchgeführt. Heuer wurde das Zepter förmlich weitergegeben. Die Gründer involvieren sich weiter strategisch und sind beide im Verwaltungsrat.
Für Kryptowährungen gibt es in der EU durch die MiCar-Regulierung seit Ende 2024 strengere Regeln. Wie hat sich das ausgewirkt?
Das Thema Regulierung ist extrem wichtig, weil es Klarheit und Vertrauen beim Endkunden, aber auch bei anderen Marktteilnehmern wie Banken, Finanzinstituten und institutionellen Anlegern schafft. Es hat der Industrie sehr viel geholfen und uns noch einmal mehr, weil wir Lizenzen in Deutschland und Österreich haben und damit auch die stärksten Regulatoren im Hintergrund.
Wien ist in den vergangenen Jahren zu einem Krypto-Hub geworden. Auch die Kryptobörsen Bybit und Kucoin haben hier ihre Europazentralen aufgeschlagen. Spüren Sie die Konkurrenz?
Grundsätzlich ist es extrem positiv, dass sich Österreich so großes Interesse erfreut. Viele Marktteilnehmer waren davor aber auch schon am europäischen Markt aktiv. Wir haben keine Veränderung am Markt bemerkt.
Im Sommer sind Sie in Großbritannien gestartet. Wie läuft das Geschäft?
Großbritannien ist regulatorisch etwas anders als Europa, wodurch es auch ein anderes Grundverhalten gibt. Grundsätzlich ist der Markt gut angelaufen. Wir müssen uns aber weiter positionieren. Gerade wenn man neu startet, braucht es eine gewisse Zeit, bis man sich etabliert. Wir arbeiten hart daran.
Auch als Technologieanbieter haben Sie heuer weiter expandiert.
Wir sind 2024 in die Vereinigten Arabischen Emirate gestartet und haben ein Büro in Dubai aufgemacht. Die Nachfrage der dortigen Finanzinstitute nach Krypto- und Blockchain-Technologie ist sehr groß. Wir haben auch in Brasilien erste Kunden gewinnen können. In Singapur haben wir auch ein Büro eröffnet. Wir gelten als vollregulierter sicherer Technologieanbieter und haben viele Referenzen.
Die Regulierung wirkt sich bis nach Asien aus?
Ja. Es gibt dort viele Finanzinstitute, Banken, Fintechs und Neobanken, die sich überlegen, wie sie Kryptowährungen anbieten können.
2026 expandieren Sie weiter?
Wir werden definitiv weiter ins Wachstum investieren. In Wien, aber auch an unseren anderen Standorten mit unserem Technologieangebot. Das ist definitiv ein Fokus. Wir wollen auch in andere europäische Märkte zielgerichtet expandieren.
Bitcoin bricht erneut ein: Das steckt dahinter
Das vergangene Jahr hätte für Bitcoin nicht besser beginnen können. In Erwartung einer kryptofreundlichen Regulierung durch den neuen US-Präsidenten Donald Trump erreichte der Kurs der weltgrößten Kryptowährung im Jänner 2025 erstmals mehr als 100.000 US-Dollar.
Trump war es auch, der mit seiner Zollankündigung im April Kryptowährungen kurzfristig wieder auf Talfahrt schickte. Danach war Bitcoin gerade einmal 75.000 US-Dollar wert, erholte sich aber rasch wieder. Infolge wurden mehrere Allzeithochs getestet. Zuletzt übersprang Bitcoin Anfang Oktober die 120.000-Dollar-Marke.
Danach ging es bergab. Auch viele institutionelle Anleger, die nach der Zulassung von Bitcoin-ETFs 2024 in den USA zunehmend in den Sektor drängten, zogen Gelder ab. Auf eine Jahresendrallye warteten Investoren vergeblich. 2025 klang trist aus. Ende Dezember war die Kryptowährung rund 88.500 US-Dollar wert, rund fünf Prozent weniger als ein Jahr davor.
Wie geht es weiter? Prognosen sind schwierig. Auch weil lange Zeit übliche Zyklen wegen der zunehmenden Annäherung an das traditionelle Finanzsystem nicht mehr zu gelten scheinen. Kurse von bis zu 170.000 US-Dollar werden 2026 ebenso für möglich gehalten, wie Rücksetzer um bis zu 50 Prozent, falls wichtige Unterstützungsmarken fallen.
Wie wird es mit Kryptowährungen heuer weitergehen?
Das kommende Jahr wird für die Märkte und auch die Kryptowährungsmärkte sehr interessant. In den USA gibt es die Midterm-Wahlen im November. Ende Mai wird der Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank, abgelöst. Eine weitere Frage ist, wie stabil oder instabil die geopolitische Lage sich im nächsten Jahr entwickelt. Das alles wird die Märkte bewegen. Hoffentlich in die richtige Richtung.
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