Wirtschaft 20.01.2012

Betrug bei Online-Überweisungen

Ein Unternehmer aus Niederösterreich wurde Opfer eines als Geschäftspartner getarnten Betrügers. Kein Einzelfall.

Stellen Sie sich vor, Sie kommunizieren wie immer mit Ihrem Geschäftspartner via eMail. Doch ein Krimineller schleicht sich in den eMail-Verkehr ein und gibt sich als Ihr Geschäftspartner aus. Irgendwann gibt dieser vermeintlich bekannte Geschäftspartner dann neue Kontodaten an. Sie überweisen nichts ahnend die Rechnungssumme auf dieses neue Konto – und flugs ist das Geld weg.

20.900 US-Dollar, rund 16.000 Euro, verlor Thomas Schaden, Inhaber einer Werbeartikel-Firma in Niederösterreich, durch diese neue, besonders dreiste Art der Cyberkriminalität. „Ich bin sicher nicht das einzige Opfer dieser Form des Überweisungsbetruges“, erzählt Schaden seinen Fall dem KURIER, um andere Betriebe zu warnen. Konkret geht es um Geschäftskontakte mit China. Seit vielen Jahren ordert Schaden bei chinesischen Produzenten Werbeartikel aller Art für Firmenkunden wie z.B. Kulis oder Feuerzeuge.

Hotmail

„Übliche Geschäftspraxis“ in China ist laut Schaden der eMail-Verkehr via Hotmail-Adresse. Die Bestellungen laufen immer gleich ab: Zunächst werden 30 Prozent des Warenwertes als Anzahlung auf ein Konto bei einer chinesischen Bank überwiesen, dann wird produziert und bei Lieferung der Restbetrag überwiesen.

Doch beim letzten Auftrag schlich sich ein Hacker in den eMail-Verkehr nach China ein, fing die Nachrichten ab und schickte sie über eine täuschend ähnliche eMail-Adresse abgeändert weiter. Schließlich gab er eine neue Bankverbindung in England an, was Schaden aber nicht akzeptierte. Daraufhin bot der verdeckte Hacker ein weiteres Konto in Hongkong an. Weil die Ware bereits in Wien war, wurde der Restbetrag überwiesen – direkt auf das Hackerkonto.

Der Betrug flog erst auf, als die richtige Firma den ausstehenden Betrag einforderte. Schaden musste die 20.900 Dollar ein zweites Mal überweisen. „Die Firma in China teilte mir mit, dass es offenbar noch weitere Geschädigte gibt“, erzählt er. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat bereits Ermittlungen in der Causa aufgenommen. „Wir haben uns mit Interpol Peking in Verbindung gesetzt“, heißt es beim BKA. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hacker gefasst werden können, sind bei dieser Form der Internet-Kriminalität erfahrungsgemäß aber äußerst gering.

241 Anzeigen gegen Hacker im Vorjahr

Die Wirtschaftskriminalität verlagert sich zunehmend ins Internet, geht aus der aktuellen Statistik des Bundeskriminalamts ( BKA) hervor. Wurden vor zehn Jahren rund 600 Internet-Delikte pro Jahr angezeigt, so gab es im Vorjahr bereits mehr als 5100 Fälle. Eine starke Zunahme gab es vor allem im Bereich des Hackings, wo die Zahl der Anzeigen um 70 Prozent auf 241 Fälle angestiegen ist. Beim sogenannten „Phishing“, dem Ausspähen von persönlichen Nutzerdaten, gab es ein Plus von 166 Prozent auf 184 Delikte.

„Der globale Trend zeigt deutlich, dass hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist“, sagt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität wurden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer im Vorjahr 300 Polizisten speziell geschult und eine eigene Meldestelle für Cyberkriminalität eingerichtet. Diese nimmt jedoch keine Anzeigen entgegen und ist nur per eMail – against-cybercrime@bmi.gv.at – erreichbar, was von Betroffenen als unzureichend empfunden wird.

( Kurier ) Erstellt am 20.01.2012