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Kritik
10/25/2014

Benzin und Diesel in Österreich zu teuer

Ölpreis auf steiler Talfahrt. Tankstellen geben Preisverfall nur zögerlich an Autofahrer weiter, sagt der ÖAMTC.

von Irmgard Kischko

Seit Monaten geht es bergab: Rohöl kostet derzeit um 25 Prozent weniger als im Juni dieses Jahres. Die Benzin- und Dieselpreise an Österreichs Tankstellen vollziehen diese Talfahrt aber nur schaumgebremst nach.

"Die Treibstoffpreise müssten um fünf bis sechs Cent je Liter tiefer sein", kritisiert Elisabeth Brandau, Verkehrsexpertin des Autofahrerclubs ÖAMTC, die Mineralölkonzerne. Sie gäben ihren Preisvorteil durch das billige Öl zu langsam an die Autofahrer weiter. Brandau kann das durch eigene Berechnungen belegen: Im August dieses Jahres habe das Fass Rohöl (= 159 Liter) noch gut 100 Dollar gekostet. Jetzt sei es um 15 bis 17 Prozent billiger. Wegen des Rückgangs des Euro-Kurses zum Dollar sei der Ölpreisverfall für die Europäer zwar etwas gedämpft worden. Doch auch in Euro gerechnet habe sich Rohöl seit August um gut zwölf Prozent verbilligt. Treibstoffpreise aber seien nur um vier bis fünf Prozent gesunken.

"Die Mineralölfirmen werden zwar wieder behaupten, diese Rechnung sei falsch. Dann sollen sie eben die richtige Kalkulation auf den Tisch legen", fordert die ÖAMTC-Expertin. Klar sei jedenfalls, dass die Treibstoffpreise in Deutschland wesentlich stärker gesunken seien als hierzulande.

Große Unterschiede

Aber nicht alle Tankstellen in Österreich halten die Spritpreise auf zu hohem Niveau. Die Diskonter sind eifrig im Wettbewerb und buhlen mit Tiefpreisen um Kunden. "Der Preisunterschied zwischen Billig-Tankstellen und Autobahn-Stationen war kaum jemals so hoch wie jetzt", sagt Brandau.

Laut Spritpreisvergleich des ÖAMTC liegt die günstigste Tankstelle derzeit in Villach, St.-Johanner-Straße 20. Dort kostete der Liter Diesel am Freitag 1,168 Euro. An Autobahn-Stationen kostet Diesel mehr als 1,3 Euro je Liter.

Fällt Öl weiter?

Der Absturz der Ölpreise hat drei wesentliche Gründe: erstens den Schieferöl-Boom in den USA. Das Wachstums der US-Ölproduktion ist doppelt so hoch wie der Anstieg des weltweiten Ölverbrauchs. Zweitens: die schwache Weltkonjunktur, die die Ölnachfrage dämpft und drittens der Neustart der Ölförderung in Krisenländern wie Libyen.

Dazu kommt ein neues Phänomen: Saudi-Arabien kürzt entgegen früher Praktiken seine Ölförderung trotz des Preisverfalls nicht. Verschwörungstheoretiker sehen darin einen geheimen Deal mit den USA zur Schwächung Putins. Bliebe der Ölpreis über längere Zeit um die 90 Dollar je Fall, würde Russlands Staatsbudget erheblich ins Defizit stürzen.

Kann also Öl noch lange so billig bleiben oder sogar noch billiger werden? "Ehrlich gesagt, das kann niemand beantworten", betont Peter Vargha, Chefökonom von Ungarns Energiekonzern MOL. Kurzfristig jedenfalls sei weder zu erwarten, dass die Nachfrage anspringe noch dass die Ölförderländer weniger Öl produzierten. Nicht nur Russland brauche die Öleinnahmen.

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