Investor Michael Tojner.

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Wirtschaft
12/10/2018

B&C-Stiftung: Aufregung über Beratungshonorare

Tojner-Konsortium fordert die Offenlegung; auch Stiftungsvorstand Hampel als Berater tätig.

Das Hauen und Stechen um Österreichs größte Industriestiftung wird immer härter. Bis Jänner soll entschieden sein, ob der Investor Michael Tojner mit seinem Konsortium aus prominenten heimischen Industrie-Kapitänen die B&C-Stiftung übernehmen kann.

Beide Seiten fahren schärfere Geschütze auf. Einer der Haupt-Kritikpunkte an den Stiftungsvorständen, dem Anwalt Wolfgang Hofer und dem ehemaligen UniCredit-Bank-Austria-Chef und Aufsichtsratspräsidenten Erich Hampel, sind die Honorare für Beratungsleistungen. Hofer wiederum droht Tojner mit Klage und wirft ihm Destabilisierung vor.

Ein Teil der Honorare fließt in oder über die Kanzlei, die je zur Hälfte Hofer und seinem Partner Andreas Grohs gehört. Hofer ist zudem Aufsichtratsvorsitzender der B&C-Industrieholding, in der die Mehrheitsanteile an , Amag und Lenzing gebunkert sind.

Ein Wirtschaftsprüfer errechnete nun, dass die Holding von 2008 bis 2018 (geschätzt) für Beratungsleistungen an „nahestehende Unternehmen und Personen“ in Summe mehr als 50 Millionen Euro bezahlt habe. Bis 2015 wurden die Honorare im Anhang zur Bilanz ausgewiesen und hatten sich bereits auf 35,1 Millionen Euro summiert.

Semperit weist gesondert bis 2017 explizit 2,17 Millionen Euro für die Kanzlei Grohs Hofer Rechtsanwälte aus.

Amag und Lenzing sollen in den vergangenen Jahren laut dem Wirtschaftsprüfer alljährlich rund zwei Millionen Euro für Beratungsleistungen aufgewendet haben.

In Summe sollen sich die Beratungshonorare in der B&C-Gruppe auf rund 90 Millionen Euro summiert haben. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass die Holding ohnehin vier Geschäftsführer und 23 Mitarbeiter auslastet. Da müsste doch viel Expertise im eigenen Haus vorhanden sein.

Tatsächliche Honorare seien "deutlich" darunter

Die 90 Millionen seien keinesfalls der Kanzlei Grohs Hofer zuzurechnen, lassen Holding und Stiftung über eine PR-Agentur ausrichten. Die tatsächlichen Honorare der Kanzlei mit mehr als 30 Mitarbeitern würden selbst über diesen langen Zeitraum und bei Dutzenden erfolgreichen Transaktionen mit einem Gesamtwert von mehreren Milliarden Euro „deutlich“ darunter liegen.

Man könne die Zahlen nicht nachvollziehen, unter Umständen handle es sich um den gesamten externen Beratungsaufwand der Unternehmen in den vergangenen Jahren. Diese würden sich allerdings auf „eine Vielzahl von unterschiedlichen Beratungsunternehmen und Anwaltskanzleien verteilen“. Den Vorwurf von überhöhten Honoraren weise man „schärfstens zurück“.

Bei Semperit sei ein jahrelanger Rechtsstreit über die Auflösung von Joint Ventures in Asien und Amerika „erst durch die Beteiligung der Anwälte von Grohs Hofer erfolgreich abgeschlossen worden“. Für Lenzing und Amag sei die Kanzlei in den vergangenen Jahren kaum tätig gewesen.

G’schmackige Spekulationen kursieren in der über den SPÖ-nahen Hampel, der, wie berichtet, vor kurzem seine Funktion als Aufsichtratsvorsitzender der Bank Austria zurücklegte.

Der Banker, der seit 2006 im Vorstand der Stiftung sitzt, soll die B&C-Gruppe beraten, zu einem Stundensatz in der Größenordnung von 3000 Euro. Stimmt nicht, kontert der B&C-Sprecher, Hampel werde für seine Leistungen „fremdüblich vergütet“. Er sei für die B&C-Industrieholding tätig, „wenn ihn die Geschäftsführung auf Grund seiner Expertise um Rat fragt“. Fragt sich nur, wie sich eine „fremdübliche“ Vergütung für den Ex-Chef und Aufsichtsratsvorsitzenden von Österreichs einst größter Bank berechnet.

Die B&C-Gruppe sowie die Stiftung denken nach wie vor nicht daran, die Honorare öffentlich zu machen. Das müssen sie laut Gesetz auch nicht. Auch die Entgelte von Hofer und Hampel für ihre Tätigkeit als Stiftungsvorstände bleiben für die Öffentlichkeit ein Geheimnis. Man erklärt nur soviel dazu, dass die Jahresabschlüsse von Holding und Stiftung von den staatlich bestellten Stiftungsprüfern regelmäßig kontrolliert würden und nie beanstandet wurden.

Nur vom neuen Stiftungsvorstand, dem renommierten Industriellen Norbert Zimmermann, ist bekannt, dass er die Funktion ehrenamtlich übernommen hat.

Wie man aus dem Umkreis des Tojner-Konsortiums hört, sollen die Investoren Druck für mehr Transparenz machen. Die Intransparenz ist eines der Probleme dieser Stiftung. Diese ist schließlich keine Privatstiftung der Vorstände. Auch wenn über Hofer der Ausspruch kolportiert wird: „Das ist meine Stiftung.“

Zimmermann hat übrigens von einem Gesellschaftsrechtler checken lassen, ob es korrekt ist, dass seine Tochter im Aufsichtsrat der Industrieholding ist. „Kein Compliance-Problem“, ergab die Überprüfung.

Hintergrund: Die B&C-Stiftung

2000 gründete die Bank Austria die B&C-Stiftung und lagerte ihre Industrie-Beteiligungen aus, die aus der ehemaligen CA und der Länderbank stammten. 2008 kaufte die Stiftung der Bank um 1,2 Mrd. Euro Rechte ab.  Tojner will nun mit industriellen Partnern (Andritz-Leitner, KTM-Pierer) die Letztbegünstigung der Stiftung von der Bank-Austria-Mutter UniCredit übernehmen. Dazu gibt es einen Aufsichtsratsbeschluss der Bank. Die Stiftungsvorstände sehen Tojners Plan als feindlichen Übernahmeversuch. Ihnen muss zugute gehalten werden, dass sie drei Konzerne in österreichischem Mehrheitsbesitz halten konnten.