Wirtschaft
22.11.2018

Bawag/PSK sucht Kooperationspartner im Handel

Vorstand David O’Leary spricht im Interview über die Trennung von der Post und neue Wachstumspläne.

Ein Jahr noch: Dann gehen Bawag/PSK und Post wieder jeweils ihren eigenen Weg. Doch der Trennungsprozess ist schon jetzt voll in Gange. Der KURIER sprach mit BAWAG/PSK-Vorstand David O‘Leary über neue Filialen und Geschäftsmodelle.

KURIER: Was gefällt der Bawag/PSK an der Post nicht?

David O’Leary: Wir haben uns bei unseren Kunden umgehört. Das Fazit: Beratung ist für sie wichtig. Aber das Umfeld in den Postfilialen ist dafür nicht gut geeignet.

Warum?

Sie nutzten die Post-Filialen wenig für ihre Finanztransaktionen. Das Umfeld muss Vertraulichkeit gewährleisten. Der Wandel im Filialauftritt ist ein wesentlicher Grund für die Trennung von der Post. Und für das, was wir in Filialen umsetzen wollten, war nicht genug Platz.

Was hat die Bawag/PSK künftig in den eigenen Filialen vor? Wir wollen dort zum Beispiel Finanzbildungs-Stunden halten. Also: Wie funktioniert digitales banking? Wie komme ich zu besseren Renditen für meine Ersparnisse? Kunden können kommen und Fragen stellen. Dafür haben wir einfach zu wenig Platz in den Postämtern.

Und das Bankgeschäft?

Natürlich: Die Filialen sind zentral für unsere Beziehung zu den Kunden. Der Großteil dessen, was wir an Kunden verkaufen, passiert dort. Das wird auch so bleiben. Wir glauben, dass sogar die Jungen vor einer wichtigen finanziellen Entscheidung den persönlichen Kontakt zu Bankberatern suchen.

Andere Banken stellen vermehrt auf online um. Wie schätzen Sie den Trend im eBanking ein? Natürlich sehen wir einen Trend, dass unsere Kunden immer seltener in die Filiale kommen. 90 Prozent der Bankgeschäfte werden bei uns schon online oder bei Selbstbedienungsautomaten durchgeführt. Allein im vergangenen Jahr sind die Filialbesuche der Kunden um fast 20 Prozent gesunken. Was aber trotzdem immer wichtiger wird, ist die Beziehung zur Bank.

Durch den Auszug aus der Post sinkt die Zahl der Bawag/PSK-Standorte. Um wie viel?

Wir haben aktuelle 141 Filialen, davon 67 in Postämtern. Diese fallen weg und wir werden etwa 26 eigene, neue Standorte eröffnen. Wir wollen dann ab 2020 mit rund 100 eigenen Filialen in Österreich präsent sein.

Was sagen die Kunden dazu? Rund ein Drittel unserer 1,2 Millionen Privatkunden sind davon betroffen. Wir haben alle darüber informiert. Nur sehr wenige von ihnen werden künftig weiter als, sagen wir mal, fünf Kilometer zur nächsten Bawag/PSK-Filiale haben. Für die Kunden heißt das im Grunde: Ihre Geldgeschäfte übersiedeln in eine echte Bankfiliale.

Das Bawag/PSK-Netzwerk wird kleiner. Wie wollen Sie zu neuen Kunden kommen?

Bisher haben alle Banken gedacht: Wenn wir viele Filialen haben, werden die Kunden zu uns kommen. Das ist nicht mehr die Zukunft des Bankings. Nun geht es darum, zu den Kunden zu kommen, sie in dem Moment, wo sie bestimmte Finanz-Angebote brauchen, zu erreichen. Wir setzen daher auf Kooperationen mit dem Handel.

Wie soll das funktionieren?

Im Jänner startet unsere Zusammenarbeit mit MediaMarkt Saturn. Privatkunden können dann eine breite Palette von Finanzprodukten der Bawag/PSK in allen 37 Media-Märkten und 15 Saturn-Häusern in Österreich sowie in deren Online-Shops erwerben. Wir wollen auch die Präsenz im Konsumkredit-Geschäft damit stärken. Wir sind dabei, wenn Kunden Unterhaltungselektronik oder Elektrogeräte kaufen und eine Finanzierung brauchen. Damit werden sie zu Bawag-Kunden. In den Geschäften werden dafür eigene Mitarbeiter von MediaMarkt und Saturn für Beratung zur Verfügung stehen. Die zweite Kooperation betrifft Metro Cash&Carry und richtet sich an Klein- und Mittelbetriebe. Sie können ab Jänner in den zwölf Metro-Märkten spezielle Produkte für Selbstständige erwerben – etwa für den Zahlungsverkehr, eigene Kreditkarten etc.

Und was hat der Handel davon?

Er kann den Kunden umfassendere Angebote, inklusive Finanzierung, offerieren. Wir denken auch an „co-branded cards“, also zum Beispiel Bankkarten, auf denen die Händler ihre Bonuspunkte laden können. Für die Bawag/PSK ist das ein wichtiger Schritt, in ganz Österreich präsent zu sein.

Wollen Sie diese Kooperationen weiter ausbauen, etwa mit Lebensmittelketten?

Wir werden diesen Weg weiter gehen. Wir wollen mit Einzelhandels-Ketten zusammenarbeiten. Das ist eine strategische Entwicklung, die wir verfolgen. Da schauen wir uns auch bei den großen Lebensmittelketten um.

Bei diesen Kooperationen geht es vor allem um Finanzierungen. Was sagen Sie Kunden, die Geld anlegen wollen?

Die Österreicher sind Weltspitze, wenn es ums Sparen geht. Aber sie verdienen damit nichts. Ich verstehe die Sorge, Geld zu verlieren, weil es am Kapitalmarkt Schwankungen gibt. Das ist eine natürliche menschliche Reaktion. Wir wollen die Kunden überzeugen, dass der Kapitalmarkt langfristig mehr bringt.

Traditionell hat die Bawag/PSK eher Kunden mit wenig Vermögen. Ist es sinnvoll, auch ihnen Kapitalmarktprodukte zu verkaufen?

Wir haben da zum Beispiel den Anlage-Kombi. Das ist eine Verbindung eines 3 Prozent verzinsten Sparbuchs mit Fonds.