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Wirtschaft
09/01/2019

Bankkunden kritisieren Umstellung beim Online-Banking

Für viele Nutzer ist das neue Verfahren zu umständlich und technisch nicht ausgereift

von Anita Staudacher, Robert Kleedorfer

„Das ist der komplizierteste größte Mist, den ich je gesehen habe!“; „Bei jeder zweiten Überweisung artet das Ganze in einen Kampf aus – ständig Fehlermeldungen“; „Nach 2,5 Stunden Ärger ist die App endlich installiert.“ Das sind nur drei Einträge von vielen im Google Play Store zu den für das Online-Banking nun angebotenen Apps. Die Bewertungen sind entsprechend schlecht (1,6 bis 3,1 Punkte von fünf möglichen Punkten).

„Die Kunden nehmen die Umstellung gemischt auf“, sagt Oberbank-Chef Franz Gasselsberger. „Natürlich ist es ein zusätzlicher Aufwand, wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Während für die Oberbank (Security-App) die Rechtslage klar und eine Umstellung notwendig ist, sieht man das bei der Bank Austria anders. „Unsere Methode entspricht den Anforderungen“, sagt ein Sprecher. Zudem gebe es auch viele Kunden ohne Smartphone.

Bank Austria wartet ab

Bei der Bank Austria gibt es bisher keine App. Sie fordert beim Einstieg nun die Eingabe einer TAN, wenn mehr als 90 Tage zwischen der letzten Anmeldung vergangen sind. Bei Bawag (klar App) und Tochter easybank (Security App) wird zusätzlich zur App weiterhin ein alternativer Einstieg ermöglicht (durch Eingabe eines Authentifizierungs-Codes, der als mobileTAN per SMS ans Handy gesendet wird).

Erste Bank (s-Identity-App) und Raiffeisen (meinELBA-App) stellen komplett um. Das bisherige SMS-TAN-Verfahren wird nur noch für eine (unbestimmte) Übergangsphase akzeptiert. Auslaufen wird hingegen bei den meisten Instituten die Möglichkeit des Einstiegs mittels digitaler Signatur. Diese werde kaum genutzt, heißt es. Konsumentenschützer kritisieren die Zwangsbeglückung mit neuen Sicherheits-Verfahren und plädieren für Wahlfreiheit.

SMS-TAN beliebt

Laut einer Studie des Marktforschers Mindtake Research würden sich 69 Prozent aller Bankkunden für das SMS-TAN-Verfahren entscheiden, wenn ihnen ihre Bank die Wahl ließe. Nur 18 Prozent können sich mit der Push-TAN anfreunden.

Nutzer hinterfragen auch, warum die Apps auf den Datenspeicher der Handys zugreifen (was die Banken dementieren), warum der Zugriff im Energiesparmodus bei einigen Android-Handys nicht funktioniert und warum die Apps laufend Updates benötigen, was außerhalb des EU-Raums zu Mehrkosten führt.

Die Banken weisen seit Monaten auf ihre neuen Apps hin und bieten Infos an. Bei der Erste Bank haben bisher 60 Prozent der Kunden umgestellt, bei Raiffeisen in Niederösterreich und Wien mehr als die Hälfte. Viele Bankberater mailen oder rufen ihre Kunden nun an, um sie auf die App hinzuweisen.

Österreich liegt bei der Nutzung von Online-Banking etwas über dem EU-Durchschnitt. Laut Eurostat erledigen 58 Prozent der 16- bis 74-Jährigen ihre Bankgeschäfte online. Die Spitzenreiter sind Dänemark und die Niederlande (siehe Grafik).