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Wirtschaft
07/17/2019

Banken im Osten auf Rekordkurs, Regierungen steigen auf Bremse

Osteuropa ist wieder eine Goldgrube für Banken. Das Kreditwachstum ist einigen Ländern zu viel.

von Irmgard Kischko


Die schwierigen Jahre sind vorbei. Banken verdienen in Ost- und Südosteuropa wieder Rekordsummen, die Kreditausfälle sind stark gesunken. Vor allem Immobilien- und Privatkredite boomen.

Tschechien und die Slowakei haben auf diese Entwicklung reagiert und den Banken erhöhte Kapitalpuffer vorgeschrieben, andere Länder wie etwa Bulgarien sind dem Vorbild gefolgt. Dazu wurden auf noch Obergrenzen für die Verschuldung im Verhältnis zum Einkommen eingezogen. Diese regulatorischen Vorschriften dürften das Wachstum der Banken im Osten heuer bremsen, erwartet der Raiffeisen Bank International-Ökonom Gunter Deuber. Nur in der Ukraine und Weißrussland sollte der Aufwärtstrend auch dieses Jahr ungebrochen anhalten.

 

Die höchsten Renditen haben Auslandsbanken im Vorjahr in Südosteuropa eingeholt. Dort lag die Verzinsung des Eigenkapitals deutlich über zehn Prozent, in Zentral- und Osteuropa ist sie hingegen im Sinken und erreicht nur noch knapp die zehn Prozent-Marke.

In Südosteuropa sei das Bankgeschäft noch vergleichsweise einfach, begründet Deuber die hohen Gewinne. Auf den Märkten Zentral- und Osteuropas werde das Geschäft zunehmend komplexer, die Margen würden enger. So hätten die etablierten Großbanken dem hart umkämpften polnischen Markt inzwischen den Rücken gekehrt. Auch in anderen Ländern des Ostens sei eine Konsolidierung im Bankenmarkt zu beobachten. Für die österreichischen Banken ergäben sich damit gute Gelegenheiten zum Zukauf. Der Marktanteil heimische Institute im Osten sei wieder gestiegen und habe Vorkrisenniveau erreicht. Durchschnittlich 20 Prozent des Geschäfts machten die Banken im Osten und Südosten Europas. Das bringt ihnen 40 Prozent der Gewinne ein.

Weniger Filialen

Die Digitalisierung trifft die Bankenwelt im Osten rascher und stärker als in Westeuropa. So werden in Tschechien schon mehr als 90 Prozent der Transaktionen „kontaktlos“ durchgeführt, in Polen 80 Prozent und in Rumänien 70 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich sind es nur knapp mehr als 50 Prozent.

Die Banken reagieren darauf mit Filialschließungen und eigenen digitalen Angeboten. Aber das Tempo des Wettrennens mit den digitalen Angeboten steigt stetig. „Es ist verblüffend, wie Google Pay und Apple Pay innerhalb von nur drei, vier Jahren Westeuropa erobert haben“, gibt Christian Wolf, zuständig für Innovation bei der RBI, zu bedenken. Und jetzt würden sie die Expansion in den Osten mit ähnlich hoher Geschwindigkeit betreiben. Natürlich seien die Angebote im Zahlungsverkehr in erster Linie ein Vehikel zum Daten sammeln. Aber wenn ein Angebot bequem und einfach sei, würden die Kunden die Datensicherheit hintanstellen.

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