© dapd/Axel Heimken

Banken-Check
10/25/2014

Stresstest von A bis Z

Sonntagmittag ist Zeugnisverteilung. Dann wird bekannt gegeben, wie es um die größten Institute Europas steht. In Österreich wurden sieben auf Herz und Nieren überprüft.

Nie wieder eine Finanzkrise, in der große Bankhäuser wanken, Länder fast in die Pleite reißen und das Vertrauen in den gesamten Geldsektor futsch ist. Dafür aber stabile Banken, die es auch aushalten, wenn es der Wirtschaft einmal miserabel geht. Um zu checken, wie hoch die Überlebenschancen der Geldhäuser im Krisenfall wirklich sind, wurden die 130 größten Institute in Europa der größten Überprüfung aller Zeiten unterzogen. Das Ergebnis dieses Stresstests wird Sonntagmittag veröffentlicht. Hier das A bis Z dazu.

A wie Angst Misstrauen ist Gift für Banken. Der Stresstest soll die Dauerpatienten identifizieren und so das Vorurteil ausräumen, dass Europas Finanzsektor als Ganzes marode ist.

B wie Bankenunion Staaten und Banken, die Hand in Hand in die Pleite taumeln: Das soll die EU-Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht, Abwicklung und Einlagensicherung verhindern.

C wie Chance Bei Anleihen und Aktien von Banken mit guten Testergebnissen könnte es in den nächsten Tagen kräftige Kursgewinne geben. Anleger trauten diesen Titeln nicht sehr über den Weg.

D wie Draghi, Mario Der Italiener (Spitzname Super Mario) ist seit 1. November 2011 Präsident der EZB. Dieser Tage wird er auch zum wichtigsten Bankenaufseher.

E wie EZB Am 4. November nimmt die europäische Bankenaufsicht die Tätigkeit auf. Dass sie bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt angesiedelt ist, gilt zwar nicht als ideal. Etwas anderes hätten die EU-Verträge aber so rasch nicht zugelassen.

F wie FMA Die Finanzmarktaufsicht und die Oesterreichische Nationalbank bleiben für die kleineren österreichischen Banken zuständig und arbeiten bei der Aufsicht über die Schwergewichte in Teams mit der EZB zusammen. Die FMA wird in Österreich zur Abwicklungsbehörde.

G wie Gläubiger Nicht die Steuerzahler, sondern die Aktionäre, Anleihenbesitzer und Großsparer sollen künftig bei Bankpleiten als Erste zur Kasse gebeten werden.

H wie Härte In den USA sind Politik und Aufsicht viel härter gegen Löcher in Bankbilanzen vorgegangen. Europa sei hier viel zu zahm, sagen Kritiker.

I wie Interessenskonflikt Lebensretter oder Sterbehelfer: Für marode Banken kann die EZB künftig beides sein. Das hat auch schon für viel Kritik gesorgt.

J wie Jobs Die neue Bankenaufsicht erweist sich als Jobmotor für Frankfurt, wo die EZB zu Hause ist. Gut 1000 Menschen werden über die größten Euro-Banken wachen.

K wie krisenfest Für den Bankenstress sorgte die fiktive Annahme, dass die Konjunktur stark einbricht – samt Absturz der Immobilienpreise und Aktienkurse. Banken mussten beweisen, dass sie auch im Tief überleben.

L wie Lehman Brothers Die Pleite der US-Investmentbank im September 2008 brachte die Finanzwelt an den Abgrund. Seither gelten Banken-Großpleiten als unkalkulierbares Risiko.

M wie Milliarden Wie auch immer der Stresstest ausgeht – Europas Banken sind stabiler als früher. Sie haben ihre Bilanzen seit dem Sommer des Vorjahres um gut 200 Milliarden Euro verbessert.

N wie Nouy, Daniele Streng, pingelig, korrekt – für eine Aufseherin sind das ideale Charakterzüge. Seit Anfang 2014 leitet die Französin die neu geschaffene Einheitliche Bankenaufsicht. Die Banker kuschen vor ihr, wird über sie gesagt.

Ö wie Österreich Hier wurden sieben getestet: Bawag PSK, Erste Group, Österreichische Volksbanken AG, Raiffeisen Zentralbank (samt RBI), Raiffeisenlandesbank (RLB) NÖ-Wien sowie RLB Oberösterreich. Die Bank Austria wurde als Teil ihrer italienischen Mutter UniCredit "gestresst".

P wie Pleite Eine Bank-Insolvenz gilt als heikel. Eine geordnetes Ende des Bankenlebens (Abwicklung) soll einen Serienkollaps verhindern. So eine Abwicklung droht Banken, die beim Stresstest durchfallen und nicht innerhalb von neun Monaten fit werden.

Q wie Quote Die getesteten Banken mussten belegen, dass sie genügend Kapital über festgelegte Quoten hinaus verfügen, um in simulierten Krisen nicht in die Pleite zu rutschen.

R wie Risiko Auch wenn eine Bank den Test nicht besteht – Spareinlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro pro Kopf und Bank sind bombensicher, hier gilt die Einlagensicherung. Bei Beträgen darüber hinaus besteht das Risiko, dass sie zum Überleben der Bank herangezogen werden.

S wie systemrelevant Das sind Banken, die durch ihre Größe, ihre Verflechtung mit anderen Instituten und mit dem Ausland das ganze Finanzsystem destabilisieren können, sollten sie ins Wanken geraten.

T wie too big to fail Ab einer bestimmten Größe ist es brandgefährlich, Banken einfach zusammenkrachen zu lassen – sie sind zu groß, um zu scheitern.

Ü wie Überraschung Die EZB hat den Stresstest nicht ganz uneigennützig durchgeführt. Wenn sie jetzt die Aufsicht übernimmt, will sie keine bösen Überraschungen erleben.

V wie Vertrauen Für die EZB ist der Stresstest ein Drahtseilakt. Fallen zu viele Banken durch, kommt rasch die gesamte Branche in Verruf. Fallen zu wenige durch, gilt der Test als nicht glaubwürdig. Der Stresstest soll aber gerade das Vertrauen in die Banken stärken.

W wie Wackelkandidaten Aus österreichischer Sicht wird eine Bank, die ÖVAG, durch den Stresstest fallen. Das ist aber nicht mehr wichtig, weil sie vor der Auflösung steht.

X wie X für ein U Damit die Banken in ihren Bilanzen nicht schwindeln, haben 6000 Prüfer rund 160.000 Kreditakten genau unter die Lupe genommen.

Y wie Yellen, Janet Die Chefin der US-Notenbank will auch bei europäischen Banken härter durchgreifen. Ab Sommer 2016 müssen große US-Töchter von ausländischen Banken mehr Eigenkapital vorweisen.

Z wie Zinsen Eigentlich ist die EZB für das Zinsniveau zuständig. Und das wird noch lange tief bleiben, hat EZB-Boss Draghi angekündigt.

Frauen-Power soll die Banker zähmen

Die Finanzbranche ist männlich dominiert. Künftig weisen aber zwei Frauen die Herren des Geldes in die Schranken. Am 4. November startet die EZB-Aufsicht über 120 Großbanken des Euroraums – und deren Bosse sind zwei erfahrene Bankprüferinnen.

Die Französin Daniele Nouy (64) drückt aufs Tempo: Seit Anfang 2014 hat sie nicht nur den Stresstest orchestriert, sondern zeitgleich 1000 Mitarbeiter angeworben. Mit ihrer Stellvertreterin, der Deutschen Sabine Lautenschläger (50), will sie eine neue Aufsichtskultur einführen. Anders als im Stresstest zählen nicht nur harte Zahlen. Viel Wert legen sie auf Erfahrungswerte: Wie kompetent sind die Aufsichtsorgane der Bank? Haben die Zahlen bisher gestimmt? Gibt es Plan B oder C? „Eiserne Ladys“, weiche Faktoren: Das soll weitere Krisen verhindern.

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