Zukauf bringt Bank Austria 2.500 neue Firmenkunden
Die UniCredit Bank Austria hat sich unter anderen zum Ziel gesetzt, bei Klein- und Mittelunternehmen kräftig zu wachsen. Da habe man Chancen verpasst, hieß es Anfang März. Schon im Vorjahr habe das Institut 1.000 neue KMU-Kunden angeworben, heuer sollen 1.000 weitere hinzukommen. Die Hälfte davon ist laut Dieter Hengl, Vorstand Corporates des Instituts, bereits geschafft. Jetzt steht der nächste große Schritt an. Mit einem Schlag kommen bis zu 2.500 weitere Kunden durch einen Zukauf hinzu.
Konkret erwirbt die Bank den Großteil des österreichischen Kundenstocks des deutschen Zahlungsdienstleisters First Data, der hierzulande unter dem Namen TeleCash operiert und Teil des US-Finanztechnologieunternehmens Fiserv ist. „Dieser Schritt passt wunderbar zu unserer KMU-Offensive und um den Paymentbereich zu stärken“, sagt Hengl im KURIER-Gespräch.
Mit dem Kauf kommen rund 4.000 Terminals und 16 Millionen Transaktionen mit 750 Mio. Euro Volumen zur Bank Austria. „Wir bieten unseren Kunden Gesamtlösungen mit Bezahl-Terminals der neuesten Generation. Für uns ist der Deal ein passender Türöffner für schnelleres Wachstum im gesamten KMU-Bereich“, sagt Hengl.
Fünf Prozent Marktanteil
Mit dem Deal sei man von Null gestartet und würde nun vier Prozent Marktanteil im Paymentbereich erzielen. Ein zweistelliger Marktanteil sei das Ziel, 10 Prozent 2027. Laut Hengl sind 90 Prozent völlige Neukunden seines Instituts. Diese seien über ganz Österreich verteilt, vor allem kleinere Händler oder Tourismusbetriebe, die derzeit vor allem von regionalen Banken serviciert und einen Jahresumsatz zwischen 500.000 und 50 Millionen Euro aufweisen würden.
Die bisher von TeleCash servicierten Händler würden im September auf der Plattform der Bank Austria integriert werden. Schon im Juli wird Hengl zufolge die Bank Austria ihren KMU-Kunden mit Clover ein neues Hard- und Softwaresystem von Fiserv anbieten. Die entsprechenden Zahlungs- und Kassensysteme seien jeweils miteinander verbunden, die Händler hätten mehrere Bezahlterminals zur Auswahl. „Die UniCredit Bank Austria bietet damit das komplette Paket an Bezahllösungen an“, sagt Hengl.
Im Kundenfokus stehe dabei die Reduktion von Komplexität. Den Kunden würden die Geräte zu einer „sehr günstigen Miete“ ab rund 15 Euro im Monat zur Verfügung gestellt. Für die Händler ändere sich grundsätzlich nichts, es müssten keine Geräte getauscht werden und die Zahlungsabwicklung funktioniere wie bisher ohne Unterbrechung. Eine Helpline werde eingerichtet.
Mit Clover könne Österreich Testmarkt für die gesamte UniCredit-Gruppe werden, so Hengl. „Wenn es sich bewährt, könnte es auf weitere Regionen ausgerollt werden.“ Bis Ende 2027 jedenfalls will die Bank ihren Marktanteil im Paymentbereich auf 10 Prozent ausbauen.
Globale Unsicherheiten
Das organische Wachstum im KMU-Bereich führt Hengl auch auf die globalen Unsicherheiten zurück. „Kunden benötigen Absicherungen für Währungen, Rohstoffe und Energie. Wir sind die einzige Bank in Österreich, die das bietet.“ Kleinere Unternehmen würden sein Institut oft als Zweitbank zum regionalen Heiminstitut nutzen.
Generell sei die Stimmung bei Österreichs Mittelstand durchwachsen. „Mitarbeiterabbau und Insolvenzen lösen keine Jubelstimmung aus“, sagt Hengl. Inflationäre Tendenzen würden mit Effizienzprogrammen abzufangen versucht. Einige Branchen würden aber nach wie vor gut oder sogar exzellent laufen, wie etwa Pharma, Gesundheit oder Energie. „Eine globale Aufstellung ist wichtig, Mittelständler müssen sich neue Märkte suchen.“
Als Bank sei es notwendig, die Betriebe zu unterstützen. Dazu gehöre es auch, unangenehme Wahrheiten anzusprechen. „Es ist nicht immer schön, wenn man Tacheles mit den Unternehmern reden muss“, gibt Hengl zu. „Aber die Kunden schätzen es sehr.“
Gute Unternehmen hätten aus den vergangenen Krisen gelernt und ihre Verschuldung reduziert. „Zum Glück gibt es in Österreich viele familiengeführte Unternehmen, die gute Zeiten nutzen, um Mittel anzusammeln“, lobt Hengl die Eigenverantwortung vieler heimischer Betriebe.
Die Bank Austria ist im Vorjahr laut Hengl auf der Finanzierungsseite um 2,7 Mrd. Euro (plus 6 Prozent) gewachsen und damit deutlich über dem Markt. Heuer sei bereits eine weitere halbe Milliarde Euro dazugekommen. „Wir sind extrem gut kapitalisiert und haben eine extrem hohe Liquidität.“ Auf der Kreditseite gebe es äußerst geringe Risikokosten. „Wir machen uns kaum Sorgen wegen Ausfällen.“
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