Babynahrung-Schwerpunktaktion in allen Bundesländern
Die britische Gesundheitsbehörde hat bisher 36 Krankheitsmeldungen bei Kindern nach dem Konsum zurückgerufener Babynahrung registriert.
Der Skandal um verunreinigte Babynahrung weitet sich aus. Zuletzt musste Danone am Donnerstag mehr als 90 Chargen von Aptamil und Milumil in Österreich zurückrufen. Bisher wurde in einer Aptamil-Probe vergangenen Freitag eine gesundheitsschädigende Cereulid-Konzentration nachgewiesen.
Seit dieser Woche hat das Gesundheitsministerium eine österreichweite Schwerpunktaktion beauftragt. Die Lebensmittelbehörden der Länder ziehen in sämtlichen Bundesländern Proben.
Diese werden dann im Labor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht. Erst am Donnerstag gab das Wiener Marktamt bekannt, dass bei diesen Kontrollen wieder positiv auf Bacillus-Cereus-Toxin getestete Produkte gefunden wurden.
Hintergrund sind die aktualisierten Empfehlungen zum Cereulid-Schwellenwert. Es wurde der Rückruf veranlasst, die betreffenden Waren dürfen bis auf Weiteres nicht mehr verkauft oder verteilt werden. Der Hersteller Danone muss "einen vollständigen Nachweis der Unbedenklichkeit zu erbringen, bevor eine erneute Freigabe erfolgen kann". Aptamil und Milumil haben mittlerweile auf den jeweiligen Webseiten ein Rückruf-Prüf-Tool eingerichtet, mit dem Eltern durch Eingabe des Mindesthaltbarkeitsdatums überprüfen können, ob das jeweilige gekaufte Produkt betroffen ist.
Im Handel sind von den jeweiligen Milchpulver-Waren weitere Chargen erhältlich, die nicht zurückgerufen worden sind. Aufgrund eines möglichen grenzüberschreitenden Handels von Deutschland nach Österreich ruft Danone auch in Deutschland verkaufte Produktionschargen zurück.
In Österreich sind den Behörden bisher keine Krankheitsfälle bekannt, die auf den Konsum der betroffenen Produkte zurückzuführen sind. Sollten Eltern sich Sorgen um die Gesundheit ihres Kindes machen, empfehlen die heimischen Behörden, sich an die Kinderärztin oder ihren Kinderarzt zu wenden. Produkte der betroffenen Produktionschargen sollen nicht weiter gefüttert und dort zurückgegeben werden, wo diese gekauft wurden. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage des Kassenbons erstattet.
Grenzwert seit Montag
Am Montag hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Höchstwerte für das Toxin Cereulid in Milchpulver festgelegt. Zuvor gab es keinen Grenzwert. Die Überschreitung dieses Grenzwerts führte zum Rückruf am Donnerstag. Erste Produkte des Herstellers Nestlé waren in Österreich im Jänner zurückgerufen worden. Bereits damals gab es umfangreiche Tests, laut AGES gilt dafür nach wie vor, dass es bei den positiv getesteten Produkten keine gesundheitlichen Bedenken gibt.
In einer aktuellen Probe von vergangener Woche wurde jedoch eine Cereulid -Konzentration nachgewiesen, die geeignet ist, die Gesundheit zu schädigen, informierte die AGES. Dort wurde eine Cereulid-Konzentration festgestellt, die lebensmittelrechtlich als gesundheitsschädlich beurteilt werden muss, da der EFSA-Grenzwert gleich mehrfach überschritten wurde. Diese vier Aptamil-Chargen wurden am Samstag zurückgerufen.
Neue Risikobewertung
In der aktuellen Risikobewertung der EFSA wurde aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen am Montag erstmals eine sogenannte Akute Tagesdosis (ARfD) festgelegt. Die Wissenschafter schlugen eine akute zulässige ARfD von 0,014 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht für Cereulid bei Säuglingen vor. Eine Konzentration von mehr als 0,054 Mikrogramm Cereulid pro Liter in Säuglingsmilch oder von mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter in Folgemilch könne somit "zu einer Überschreitung der Sicherheitswerte führen".
Das bakterielle Toxin Cereulid kann für Säuglinge besonders gefährlich sein. Es handelt sich um ein hitzestabiles Gift, das kurz nach der Aufnahme Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Die Symptome treten in der Regel zwischen 30 Minuten und sechs Stunden nach dem Verzehr auf. Die Gefahr liegt vor allem darin, dass gängige Erhitzungsverfahren in der Lebensmittelproduktion das Toxin nicht zuverlässig zerstören.
Hintergrund ist ein in den Milchpulvern als Zutat verwendetes und verschmutztes Öl eines Zulieferers aus China. Dies ist einer von weltweit wenigen Lieferanten von Arachidonsäure (ARA), einer in Europa streng regulierten Substanz, die als Quelle für Omega-6-Fettsäuren in bestimmten Säuglingsmilchprodukten enthalten ist.
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