AWD-Gründer schreibt Memoiren

dapdARCHIV: Boxen, Schwergewicht, WBC Weltmeisterschaft, Vitali Klitschko (Ukraine) vs. Dereck Chisora (USA), Olympiahalle, Muenchen: Schauspielerin Veronica Ferres und ihr Lebensgefaehrte Carsten Maschmeyer posieren vor dem Kampf (Foto vom 18.02.12). Ein
Foto: dapd Frisch verlobt: Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer sind ein nicht unumstrittenes Glamourpaar.

Carsten Maschmeyer, der Verlobte von Veronica Ferres, präsentiert sein erstes Buch und sorgt damit wieder für Riesenärger.

D er 52-jährige Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, dessen Vermögen auf 650 Millionen € geschätzt wird, verhöhnt jetzt Anleger, die sich von ihm betrogen fühlen. Seine Memoiren tragen den Titel "Selfmade – erfolgreich leben". Ohne falsche Bescheidenheit charakterisiert er sich. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in einem Mutter-Kind-Heim und heute ist er ein "unabhängiger und wohlhabender Mann, der seine Träume und Visionen leben kann". Er beschreibt, wie man "Schritt für Schritt zum Erfolg" komme, "sei es finanziell, beruflich oder privat".

In der AWD-Zentrale in Hannover ist Feuer am Dach. Das neue Management bemüht sich um ein sauberes Image und distanzierte sich von ihrem Co-Gründer, der heute als größte Hypothek des Unternehmens gilt. Maschmeyer war ein rücksichtsloser Verkäufer von Finanzprodukten und soll Tausende Anleger um viel Geld gebracht haben. Prozesse laufen, der Verdacht des schweren, gewerbsmäßigen Betrugs steht im Raum.

Laut Spiegel soll es vor wenigen Tagen zu einem Schreiduell gekommen sein, als Maschmeyer in der AWD-Firmenzentrale auftauchte und wissen wollte, warum sich sein ehemaliger Kompagnon Götz Wenker öffentlich von ihm distanzierte.

"Der Drückerkönig"

"Maschi", wie er von seinen Freunden genannt wird, begann als Bausparvertrags-Verkäufer und gründete 1987 mit seinem Schwager den Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD) und 1991 AWD Österreich, es folgten die Schweiz, Großbritannien und Osteuropa. Die Financial Times Deutschland schrieb im Vorjahr über ihn: "Nach der Gründung von AWD war Maschmeyer jahrelang der Aussätzige von der unbeliebten Drückerkolonne. Damals wollten selbst die Chefs jener Versicherer ungern mit ihm gesehen werden, deren Polizzen er verkaufte."

Im Jahr 2009 kam die Verwandlung: Er trat beim Finanzdienstleister AWD zurück, ließ sich nach 20 Jahren Ehe von seiner in Südfrankreich als Malerin lebenden Frau Bettina scheiden und trat mit seiner neuen Lebenspartnerin, der Schauspielerin Veronica Ferres, 46, ins Rampenlicht.

Ehrendoktor

Zum 50. Geburtstag verlieh ihm die Universität Hildesheim nach einer 500.000-Euro-Spende die Ehrendoktorwürde. Die Laudatio hielt sein Freund Christian Wulff. Der Niedersachse Maschmeyer hatte bereits den Niedersachsen Gerhard Schröder tatkräftig unterstützt. Er zahlte die Kampagne "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein". Auch dem zurückgetretenen deutschen Kurzzeit-Bundespräsidenten ist er verbunden. In seiner pompösen Villa auf Mallorca verbrachte das Ehepaar Wulff einen Urlaub.

Der Spiegel schreibt in seiner Serie über Deutschlands Reiche: "Ruhm ist der neue Reichtum. Wer wüsste das besser als der Ex-Drückerkönig Carsten Maschmeyer, der es nicht wegen seiner Millionen in die Bunte geschafft hat, sondern weil seine Lebensgefährtin nun Veronica Ferres ist."

Fünf Sammelklagen und Musterprozesse

Der Verein für Konsumenteninformation hat fünf Sammelklagen gegen den AWD Österreich eingereicht. 2500 Geschädigte streiten um 40 Millionen €. Daneben führt der VKI sechs Musterprozesse vor dem Handelsgericht Wien. Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft läuft ein Strafverfahren gegen Carsten Maschmeyer und andere Manager. Diesem Verfahren haben sich am Mittwoch der Vorwoche 2300 Geschädigte als Privatbeteiligte angeschlossen. VKI-Chefjurist Peter Kolba rechnet nicht damit, dass die zivilrechtlichen Verfahren noch in diesem Jahr beginnen, da AWD das Verfahren mit allen Mitteln verzögert. "Bisher wurde noch kein einziger Geschädigter einvernommen", sagt Kolba, der sich aber insgesamt optimistisch gibt. AWD wird vorgeworfen, Anleger in betrügerischer Absicht getäuscht zu haben.

(kurier) Erstellt am
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