© Getty Images/iStockphoto/RomoloTavani/iStockphoto

Wirtschaft
01/14/2021

Ausfall von Stromleitungen: Kein Grund zur Panik

E-Control-Vorstand Wolfgang Urbanschitsch verweist auf funktionierende Notfallsysteme in der EU.

von Andreas Anzenberger

Der plötzliche Frequenzabfall am vergangenen Freitag war laut Wolfgang Urbanschitsch ein "ernsthaftes Problem". Der Vorstand der Energieaufsichtsbehörde E-Control sieht aber keinen Grund zur Panik. "Die Sicherheitssysteme haben bestens funktioniert."

Die Ursache des Problems wird derzeit von den Netzbetreibern untersucht. Erst nach Abschluss der Prüfung könne man über mögliche Konsequenzen reden, betont Urbanschitsch. "Man soll keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das ist ein technisch hochkomplexes Problem und hat nicht direkt mit der Energiewende zu tun. Erst nach Abschluss der Prüfung kann man sagen, wo Nachjustierungen notwendig sind." Am 25. Jänner berät die Branche über den Beinahe-Blackout.

Begonnen haben die Probleme in Europas Stromnetz mit dem Ausfall von Stromleitungen und Schaltanlagen in Südosteuropa am Freitag der Vorwoche. Daraufhin wurde das kontinentale Stromnetz geteilt. Österreich war im westlichen Teil des zweigeteilten Netzes. Es kam zu einem kurzen Frequenzabfall. Die automatischen Sicherungssysteme haben daraufhin Kraftwerkskapazitäten hochgefahren und damit den Frequenzabfall rasch stabilisiert.

Mehr Strom fürs Netz

"Generell kann man sagen, dass wir uns derzeit in einer Phase der Transformation des Energiesystems befinden. Daraus ergibt sich eine deutlich höhere Flexibilität zur Aufrechterhaltung der Systeme", sagt Urbanschitsch. Notwendig seien daher die "Adaptierung und der teilweise Ausbau der Stromnetze". Er verweist als ein Beispiel auf den Bau der umstrittenen Stromleitung in Salzburg.

Erneuerbare Energieträger produzieren oft nicht dort, wo Strom gebraucht wird. Daher wird man auf den Netzausbau nicht verzichten können. Wobei nicht nur die Energiewende mit dem Ausbau der E-Mobilität Investitionen in die Netze notwendig macht. Die Erhaltung der bestehenden Netzinfrastruktur muss natürlich auch finanziert werden.

Netzreserve

Erst kürzlich wurde im Nationalrat die Verlängerung der sogenannten Netzreserve beschlossen. Diese Netzreserve soll im Notfall den Strom zur Stabilisierung der Versorgung liefern. Es geht dabei um Vereinbarungen des Netzbetreibers Austrian Power Grid (APG) mit den Kraftwerksbetreibern. Die APG kann je nach Bedarf Kraftwerkskapazitäten abrufen. Die Kraftwerksbetreiber werden für die Bereitstellung der Netzreserve natürlich bezahlt.

Als Netzreserve eignen sich Speicher- und Wasserlaufkraftwerke sowie Gaskraftwerke. Kohlekraftwerke sind in Österreich nicht mehr in Betrieb. "Es wird auch noch in naher Zukunft notwendig sein, auf Gaskraftwerke zurückzugreifen", ist Urbanschitsch überzeugt. Es geht dabei auch um Kraftwerke, die aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet werden. Im Winter sind sie für die Wärmeerzeugung notwendig, aber im Sommer laufen sie nicht. Die Energieversorger haben daher ein finanzielles Interesse daran, dass ihre Kraftwerke Teil der Netzreserve sind. Dazu gibt es eine Bedarfserhebung für die Netzreserve durch die APG und danach ein Ausschreibungsverfahren.

Es existieren auch andere Methoden, die Netzstabilität sicherzustellen. In Frankreich habe die Energieversorger Verträge abgeschlossen, die es ermöglichen, Großabnehmer rasch vom Netz zu nehmen. In Österreich sind derartige Vereinbarungen bisher nicht üblich.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.