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Finanzmarkt
01/23/2020

Aufsicht warnt vor Leichtsinnigkeit bei grünen Finanzierungen

Das Investment in nachhaltige Geldanlagen ist derzeit noch bescheiden. In Österreich waren es im Vorjahr 21,8 Milliarden Euro

von Andrea Hodoschek

Zum Jahresende waren laut Finanzmarktaufsicht (FMA) 77 Fonds mit einem Vermögen von rund 10,55 Milliarden Euro als Nachhaltigkeitsfonds klassifiziert, das entspricht einem Marktanteil von 5,7 Prozent.

FMA-Vorstand Helmut Ettl sieht die Euphorie über klimafreundliche Finanzierungen mit einer gewissen Skepsis. Denn grüne Finanzierungen seien „per se nicht risikolos, nur weil sie in nachhaltige Industrien investieren“.

Das Risiko müsse bei solchen Investments genauso messbar sein wie bei allen anderen Finanzierungen. Eine Subventionierung „unabhängig vom Risiko würde die Stabilität des Finanzsystems nicht fördern“, sagte Ettl am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Am Ende des Tages müsse die Stabilität des Finanzsektors erhalten bleiben.“

Den Vorschlag im türkis-grünen Regierungsprogramm, Banken sollten Kredite für emissionsarme Investitionen mit weniger Eigenkapital unterlegen müssen, beurteilt Ettl kritisch. Wenn es sich um eine Förderung durch die Banken handle, solle der Staat aber auch Haftungen dafür übernehmen.

Eine neue Regulatorik brauche es für klimafreundliche Finanzierungen nicht. Sollten verschiedene Industrien Probleme mit ihrem Geschäftsmodell bekommen, dann müssten die Banken auch jetzt schon höhere Eigenmittel verlangen und in die Finanzierungen einpreisen.

Finanzmarkt heizt an

Derzeit aber steckt der Finanzmarkt noch tief in Investitionen, welche die Klimakrise noch anheizen. Laut Mark Carney, dem Gouverneur der Bank of England, finanziere das globale Finanzsystem zur Zeit Projekte, deren -Ausstoß die Erderwärmung um mehr als vier Grad Celsius erhöhe. Weltweit sind in 25 Staaten bereits mehr als 1.000 Schadensersatzklagen wegen Klimaschäden anhängig.

Ettl warnte vor sogenanntem „Green Washing“, „wenn nicht die Investitionen und die Produkte nachhaltig sind, sondern nur die Schreibe der Marktetingabteilung“. Das werde sich die FMA im Sinne des Konsumentenschutzes „genau anschauen“.

Die Europäische Bankenaufsicht beschäftige sich derzeit intensiv mit grünen Finanzierungen, auch mit deren Definition. Atomkraft werde beispielsweise in Österreich nicht als klimafreundlich gesehen, in anderen Ländern wie etwa Frankreich dagegen schon. Der Klimawandel ist heuer auch das Schwerpunkt-Thema der FMA, die an einem Leitfaden zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken arbeitet.

andrea hodoschek

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