Wirtschaft
07.12.2011

Auf Anwerbe-Tour in Südeuropa

Nach Deutschland überlegt jetzt auch Österreich, gezielt Fachkräfte aus den Euro-Krisenländern anzuwerben.

Griechen als Köche, Portugiesen am Bau und Spanier als Ingenieure? Österreichs Arbeitsmarkt könnte bald noch bunter werden. Der jüngste Vorschlag von Deutschlands Wirtschaftsminister Philip Rösler, gezielt fehlende Fachkräfte aus den von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen südlichen Euro-Krisenländern Griechenland, Portugal und Spanien anzuwerben, stößt in Österreich auf große Resonanz. "Mir gefällt diese Idee sehr gut", sagt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Auch in Österreich gäbe es viele Bereiche mit Fachkräftemangel, etwa im Tourismus. Der Minister kann sich auch vorstellen, diese Länder bei der berufsbezogenen Ausbildung der Jugendlichen zu unterstützen, damit diese nicht auf der Straße stehen müssen.

Die Lage ist ernst: In Spanien war Ende Oktober jeder zweite unter 25-Jährige ohne Job, in Griechenland 45 Prozent und in Portugal 30 Prozent. Zum Vergleich: Österreich hat eine Jugendarbeitslosenrate von neun Prozent.

Herzlich willkommen

Im heimischen Tourismus begrüßt man gezielte Anwerbeaktionen von Arbeitskräften: "Wir haben noch jede Menge offener Stellen für die Wintersaison, Südeuropäer sind herzlich willkommen", sagt Sepp Schellhorn, Präsident der Hoteliervereinigung. Er selbst beschäftige in seinem Hotel bereits fünf Griechen in der Küche und im Service. "Sie arbeiten im Sommer in Griechenland und sprechen gut Deutsch und Englisch." Zur Verbesserung der Sprachkenntnisse werden regelmäßig Deutsch-Kurse angeboten.

Anders als in den vergangenen Saisonen würden wegen der guten Konjunktur in Deutschland heuer weniger Ost-Deutsche nach Österreich kommen, daher müsse man sich in anderen Ländern umschauen.

In der Maschinen- und Metallindustrie fehlen zwar ebenfalls Tausende Fachkräfte, doch diese auf Kreta oder Mallorca zu finden, hält Fachverbandsobmann Clemens Malina-Altzinger für eher unwahrscheinlich: "CNC-Techniker, die zumindest Grundkenntnisse in Deutsch haben, nehmen wir sofort", sagt Malina-Altzinger. Im Gegensatz zur deutschen Industrie, die auch angelernte Kräfte sucht, brauchen die heimischen Betriebe aber höherqualifiziertes Personal.

Eigene Jobbörsen

AMS-Vorstand Johannes Kopf verweist auf die europäische Jobbörse EURES, die schon jetzt Stellen europaweit ausschreibe, kann sich gemeinsam mit Arbeitgebern aber auch eigene Jobbörsen in Athen oder Madrid vorstellen. "Wir werden sicher keinen Flieger chartern, aber wir prüfen gerade mögliche Kooperationen mit den Arbeitsvermittlungsstellen vor Ort." Deutschland sei da schon einen Schritt weiter. Als Problem sieht Kopf aber die Sprachbarriere sowie die Vorauswahl an Bewerbern, um die auf dem Arbeitsmarkt geforderten Qualifikationen sicherzustellen. "Grundsätzlich wäre so eine Aktion in Zeiten der Krise aber gut für die gesamte Eurozone", meint Kopf.

Noch ist der Anteil an Arbeitskräften aus südlichen Euro-Staaten höchst überschaubar - aber bereits leicht steigend: Ende Oktober waren in Österreich rund 1400 griechische, 1400 spanische und 1000 portugiesische Staatsbürger beschäftigt. Das waren um jeweils rund 200 mehr als im vergangenen Jahr.