Wirtschaft 26.01.2012

AUA: Eisiges Klima im Streit um Sparkurs

Jeder dritte Pilot kam zur Betriebsversammlung. Der Betriebsrat verweigert Gespräche zum geplanten neuen KV.

Die Sparpläne des neuen AUA-Chefs Jaan Albrecht von der Lufthansa lassen die AUA-Piloten und Stewardessen in die Luft gehen. Am Donnerstag kamen rund 700 Mitarbeiter – und damit ein Drittel des fliegenden Personals – zur Betriebsversammlung am Flughafen Wien Schwechat. Sie protestieren gegen den geplanten Spar-Kollektivvertrag, mit dem Verschlechterungen bei ihren Gagen, Abfertigungen und Arbeitszeiten drohen.

" Jaan Albrecht hat die falschen Berater, wenn er denkt, dass er mit diesem Papier durchkommt", stellte AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard nach der Versammlung im KURIER-Gespräch klar. Denn der vom Vorstand vorgelegte Plan sei nicht mehr als "ein Plan, wie man die Mitarbeiter los wird". Schließlich ging es um Änderungen bei den Abfertigungen, Verkürzung der Kündigungszeiten oder die Streichung von Teilzeitangeboten für ältere Mitarbeiter. Bis zu 500 Arbeitsplätze des fliegenden Personals seien gefährdet. Minhard weigert sich über dieses "Schwachsinnspapier" überhaupt mit dem Vorstand zu sprechen. Vielmehr verlangt er "eine Entschuldigung".


"Nicht überlebensfähig"

AUA-Mitarbeiter
© Bild: APA/ROBERT JAEGERAPA

Auf Arbeitgeberseite stößt Minhard naturgemäß auf wenig Verständnis. "In der heutigen Form ist unsere AUA nicht überlebensfähig. Das wissen alle Beteiligten, im übrigen auch diejenigen, die in der Öffentlichkeit noch anderes behaupten", ließ Albrecht seinen Mitarbeitern am Tag vor der Betriebsversammlung per Rundmail ausrichten.

Da auch der AUA-Mutterkonzern Lufthansa nichts zu verschenken hat, muss der deutsche Kranich auch seine Tochter AUA wieder in die Profitzone navigieren. "Mit dem Ballast, denn die AUA seit Jahren mit sich herumschleppt, kommt sie aber nicht vom Boden", macht AUA-Sprecher Peter Thier klar. "Es geht um eine Gesamtreform der AUA und nicht um einen
Jobabbau oder Gehaltskürzungen", betont er. Die Automatismen – wie automatische Gehaltsvorrückungen – sollen bald Geschichte sein. Thier: "Diese machen sieben Prozent der Personalkosten aus und sind – wie es bei Staatsbetrieben üblich ist – völlig losgelöst vom Erfolg des Unternehmens." Künftig solle es ergebnisorientierte Gehaltssprünge geben, so der Wunsch des Vorstands. Es gehe aber nicht, wie vom Betriebsrat behauptet, um 57 Prozent mehr Arbeit bei weniger Bezahlung.

Die Arbeitgeber wollen sich möglichst rasch mit den Arbeitnehmer-Vertretern an den Verhandlungstisch setzen. Die letzten beiden Termine haben die Arbeitnehmer-Vertreter aber aus Prostest ungenutzt verstreichen lassen. Die Zeit drängt.

Ein Großteil der Reformen ist schon seit vielen Jahren überfällig, ist man sich im Management einig. So sollen die Personalkosten beim Erzrivalen Air Berlin/Fly Niki um ein Viertel unter jenen der AUA liegen. Dem Vernehmen nach verdienen Top-Piloten bei der AUA derzeit bis zu 15.000 Euro monatlich – bei 70 Flugstunden im Monat. Weniger gut steigt das Bodenpersonal aus, das größtenteils mit 1800 Euro monatlich nach Hause geht.

Die AUA hat 2011 wie auch 2010 ein operatives Minus von 65 Millionen Euro eingeflogen. Seit 2001 wurde mehr als eine Milliarde Euro verbrannt. Der neue AUA-Vorstand Jaan Albrecht – übrigens selbst ein ehemaliger Pilot – will die Personalkosten um 40 bis 45 Millionen Euro nach unten und das Ergebnis um bis zu 220 Millionen Euro nach oben schrauben. Zwei Drittel der Einsparungen sollen über Kostensenkungen laufen, ein Drittel über höhere Erlöse. Und der deutsche Mutterkonzern wird wohl auch nur Geld für die Anschaffung neuer Flugzeuge zuschießen, wenn er den Eindruck hat, dass die rot-weiß-rote Tochter in Wien ihre Hausaufgaben gemacht hat.

Flugverbindungen

Den Flugverkehr haben die Proteste der AUA-Mitarbeiter am Donnerstag nicht zum Erliegen gebracht. Verspätungen bei einzelnen Verbindungen – wie Sofia oder Bukarest – waren auf schlechte Wetterbedingungen zurückzuführen, wurde seitens der AUA betont.

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( Kurier ) Erstellt am 26.01.2012